Es begann im Stamokap-Flügel

Sozialdemokraten gab es immer und gibt es weiterhin in vielerlei Spielarten. Der am 14. Juni 1958 geborene Olaf Scholz, von Beruf Rechtsanwalt, neigte als junges Mitglied des Juso-Hochschulbundes dem Stamokap-Flügel zu und als Bundespolitiker, auch als Bundesminister, war er reformerischer "Schröderianer". In beiderlei politische Schubladen passt er heute nicht mehr. Seine Freunde sagen schlicht, er sei ein sozialdemokratischer Pragmatiker. Das haben Hamburger häufig so an sich. Vor allem dann, wenn sie, wie der Erste Hamburger Bürgermeister, die sozialdemokratische Ochsentour absolviert haben: In die SPD trat er 1975 ein, wurde Jungsozialist, von 1982 bis 1988 deren stellvertretender Bundesvorsitzender. Sechs Jahre später, nun als gestandener Jungpolitiker, wurde Olaf Scholz Vorsitzender des SPD-Bezirks Hamburg-Altona. Danach, vom Jahr 2000 bis 2004, Landesvorsitzender der Sozialdemokraten in Hamburg. In diese Zeit fiel auch, aber das ist meist ein Automatismus, im Jahr 2001 seine Wahl in den SPD-Bundesvorstand. Schließlich wurde er in 2002 zum Generalsekretär der Bundes-SPD gewählt; trat aber von diesem Amt zurück, als sein Mentor Gerhard Schröder den Vorsitz der Sozialdemokratischen Partei niederlegte.

SPD-Generalsekretär ohne viel Aufsehen

Olaf Scholz hat also eine gradlinige Parteikarriere absolviert, ohne große Ausschläge, ohne nach außen viel Aufsehen zu erregen – auch nicht in der Zeit, als er Generalsekretär war. In der Nachfolge also so interessanter Denker und Querdenker wie Egon Bahr oder Peter Glotz – oder Franz Müntefering, Günter Verheugen oder der Hamburgerin Anke Fuchs. Aber in seiner oft scheinbar lautlosen Art hat Scholz nach innen nachhaltig gewirkt. Und daraus entsprossen Berufungen in öffentliche Ämter. Seit 1998 ist er – mit einer geringen Unterbrechung zwischen 2001 und 2002 – Mitglied des Deutschen Bundestags. Die einjährige Unterbrechung war Ergebnis der kurzzeitigen Berufung zum Hamburger Innensenator in dem vom Sozialdemokraten Ortwin Runde geführten Senat. Er sprang immer wieder ein, wenn Not am Manne war: Nach Münteferings Rückzug übernahm er in 2007 im ersten Bundeskabinett Merkel, in der großen Koalition also, das Amt des Bundesministers für Arbeit und Soziales.

Initiative "Mehr Zeit für Kinder"

Der kinderlose, mit der Hamburger Bürgerschaftsabgeordneten Britta Ernst verheiratete Sozialdemokrat ist Mitglied der Hamburger Initiative "Mehr Zeit für Kinder". Er wohnt – wie sollte es anders sein, in Hamburg-Altona-Altstadt.

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Zur jetzigen Wahl sind rund 1,3 Millionen Hanseaten wahlberechtigt. Das aktive Wahlalter ist auf 16 Jahre gesenkt worden.

 

 

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