Wo Lissabons Herrscher wohnten

Die ersten Menschen, die sich am Tejo niederließen, wo heute Portugals Hauptstadt liegt, suchten sich einen der sieben Hügel für ihre Siedlung aus. Römer, Westgoten und später die Mauren errichteten nach und nach das Castel de São Jorge, eine Burganlage, die über Jahrhunderte Sitz der Herrscher war. Hier stand der alte Maurenpalast, den nach seiner Eroberung im Jahr 1147 auch die portugiesischen Könige als Residenz nutzten. Das Castel de São Jorge war also der erste Wohnsitz für Portugals Könige.

Anfang des 16. Jahrhunderts lies sich König Emanuel I. einen viel luxuriöseren Palast erbauen. Er entstand direkt am Ufer des Tejo als Terreiro do Paço (heute Praça do Comércio). Dieser Palast wurde 1755 mit dem Erdbeben von Lissabon vollständig zerstört. Heute sind nur noch die Marmorstufen direkt am Ufer des Tejo zu sehen.

Da der Stadtteil Ajuda vom Erdbeben am meisten verschont blieb, ließen die portugiesischen Könige hier einen neuen Palast errichten, den Palácio Nacional da Ajuda. Unmittelbar nach dem Beben stand an seiner Stelle nur ein Holzgebäude. Es nannte sich königliche Hütte, Paço de Madera. Sie brannte 1794 ab und machte Platz für den heutigen Bau. 

Ostfassade des Palastes Ajuda (Bild: Heike Nedo)

Palácio Nacional da Ajuda blieb unvollendet

Von Osten betrachtet zeigt sich der zweistöckige Palast mit klassizistischer Fassade aus Kalkstein, mit hohen Säulen im Eingangsbereich und Giebeldach. Von hier aus ist nicht zu erkennen, dass es die einzige vollendete Seite ist. Der Bau wurde nie beendet, Schuld daran ist Napoleon, der die portugiesischen Herrscher zur Flucht trieb. Am 29. November 1807 flohen sie nach Brasilien. Einen Tag später zog Napoleon in Lissabon ein. Von Rio de Janeiro aus leiteten Portugals Könige fortan die Geschicke ihres Landes, bis 1821 die Zeit reif war, heimzukehren (Napoleon war längst wieder vertrieben).

Für den heutigen Besucher ist die Pracht des Palastes beeindruckend. Er wurde im Jahr 1861 zur königlichen Residenz erhoben und von nun an durch das Königspaar Dom Luis I. (1838 bis 1889) und Maria Pia von Savoyen (1847 bis 1911) bewohnt. Sie gebar hier im Schloss zwei Söhne und noch heute sind Babywiege und der Raum der Geburt zu bewundern. Viele persönliche Dinge der Königin befinden sich in den Räumen.

Genug Platz fürs königliche Bankett (Bild: Heike Nedo)

Original Thronsaal, Speisetafel und Atelier

Zahlreiche Möbel im Stil Louis XV. und XVI., Wandteppiche, Porzellan und so weiter sind ausgestellt. Die meisten Räume sind so zu sehen, wie sie vom Paar original genutzt wurden. Daher wirkt die Pracht etwas persönlicher. Ob sich Stuhllehnen mit Ornamenten aus Meissner Porzellan gut sitzen, darf der Betrachter ruhig anzweifeln. 

Beeindruckend sind der Thronsaal mit mehreren anschließenden Ballsälen. Man kann sich gut vorstellen, wie der Hof hier tanzte. An Platz fehlte es nicht. Ebenso beeindruckend ist die Aussicht aus großen Fenstern, die bis zum Tejo reicht. Das 1960 errichtete Denkmal der Enddeckungen ist vom Palast aus zu sehen.

In der oberen Etage befindet sich ein gewaltiger Speisesaal. Hier tafelten die Gäste, die sich anschließend bei Musik und Tanz amüsierten. Irgendwie wirkt das ganze wie ein fantastische Filmkulisse. Der Tisch im kleineren Speiseraum ist gedeckt. Erstaunlich, wie viele Gläser an jedem Platz stehen, wie viele Teller, Platten, Schüsseln und so weiter auf dem Tisch Platz finden. Man lies es sich gut gehen, das ist deutlich erkennbar.

Königin Maria Pia wird vorgeworfen, ihre Sucht nach Luxus, wohl vor allem nach luxuriöser Kleidung, wäre angesichts der damals lehren Staatskasse völlig unangebracht. Die Herrschaft der Monarchie neigte sich im Palacio da Ajuda so auch dem Ende zu.

Botanischer Garten Ajuda

Botanischer Garten Ajuda (Bild: Heike Nedo)

Ganz in der Nähe des Palastes befindet sich der Botanische Garten von Ajuda. Er wurde 1768 angelegt und ist somit der älteste Botanische Garten Lissabons. Der Marques de Pombal wollte hier Platz für tropische Pflanzen schaffen, die von fremden Ländern in der Stadt anlangten. Der Brunnen im Mittelpunkt geometrisch geordneter Buchsbaumhecken stammt aus dem 18. Jahrhundert. Einige Bäume scheinen so alt, dass sie Stahlstützen benötigen. Gleich mehrere Bänke haben unter den gewaltigen Kronen Platz. Ansonsten ist der Garten mit 3,5 Hektar Fläche eher ein kleines Gärtchen im Vergleich zu Botanischen Gärten wie Berlin und anderen. 

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