Es war einmal... so beginnen die meisten Märchen.

Es war einmal ein Mann namens Ferdinand Cheval... das ist kein Märchen, das ist die anrührende Geschichte eines Postboten im 19. Jahrhundert, der den Glauben an sich und seine Visionen nie verlor.

Die Geschichte spielt in Frankreich, im Bezirk Drome bei der Stadt Hauterives.

Ferdinand Cheval wächst unter ärmlichen Verhältnissen auf. Doch er hat Visionen. Immer wieder erscheinen ihm Bilder von einem Palast, ein Palast, der alle Menschen, Kulturen und Religionen miteinander vereinigt. Nie in seinem Leben sah er einen Hindutempeln oder eine Moschee. Und trotzdem entstehen in seinem Kopf Bilder von genau diesen Gebäuden. Cheval erhält so viele Visionen, dass er anfängt, auch das kleinste Detail aufzuschreiben. Langsam nimmt ein merkwürdiger Palast in seinem Kopf Gestalt an.

Doch es gibt Probleme. Cheval ist nur ein Postbote. Nie in seinem Leben wird er so viel Geld besitzen, um seine Visionen Wirklichkeit werden zu lassen. Er resigniert.

Palais Ideal

Im Alter von 43 Jahren nimmt sein Leben die entscheidende Wende. Während seiner Arbeit stolpert er über einen merkwürdig geformten Stein. Er nimmt den Stein in die Hand, dreht ihn nach allen Seiten und beschließt, sein Bauvorhaben in die Tat umzusetzen. Tagsüber trägt er seine Post aus, sieht er einen besonders ausdrucksstarken Stein, legt er ihn an den Wegrand. Nach der Arbeit läuft er die ganze Strecke wieder zurück, mit seiner alten Holzschubkarre, und sammelt alle Steine ein.
Das macht er jeden Tag, 33 Jahre lang, umgerechnet 10000 Tage oder 93000 Stunden. Unzählige Tonnen von Steinen werden geschleppt, ca. 3500 Sack Kalk  und 550 Sack Zement verarbeitet.
Cheval selbst staunt über seine zunehmenden Fähigkeiten und Fertigkeiten, er wird Maurer, Architekt, Steinmetz... Seine einzigen Hilfsmittel sind seine Holzschubkarre und ein Tragekorb. Sämtliche gerüste bastelt er selber zusammen. Sein tiefer Glaube und sein Wissen um die Kraft der Natur und der Elemente sind seine Motivation. 

Cheval ist es mit seinem Palais Ideal gelungen, sehr komplexe Verbindungen zwischen den unterschiedlichsten Glaubensrichtungen zu erschaffen. Innenschriften informieren über die Inhalte der jeweiligen Arbeiten.

Palais Ideal- was gibt es dort zu sehen? Einige Beispiele:

- die Ostfassade sieht aus wie ein Hindutempel
- Tafel mit Zitaten der Lehren Buddhas und der griechischen Mythologie
- drei riesige Statuen von Vercingetorix, Archimedes und Cesar
- Grotten, Wasserfälle, druidische Keller
- Bildnisse von Elefanten, Kamelen, Krokodilen sowie diversen Fabeltieren
- die Geschichte von Adam und Eva und, und, und
 
Wie endet die Geschichte von Ferdinand Cheval?
Im Alter von 75 Jahren bittet Cheval darum, dass er und seine Frau nach ihrem Tod im Palais Ideal begraben werden. Diese Bitte lehnt die Stadt ab.
Und was macht Cheval?
Er baut auf dem Friedhof seines Heimatortes ein wundervolles Mausoleum, in dem er im Alter von 88 Jahren seine letzte Ruhestätte findet. 
 
Seit 1969 steht das Palais unter Denkmalschutz. Über 100000 Menschen besuchen es jährlich und lassen sich vom Geist Chevals auf liebevolle Art berühren. 
Autor seit 5 Jahren
6 Seiten
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