Unter Parallelendmaßen versteht man kleine Quader, welche mit extrem hoher Genauigkeit ein bestimmtes Maß physisch verkörpern. Umgangssprachlich werden sie einfach nur Endmaße oder auch Blockmaße genannt. Meist bestehen sie aus Metall, in einigen Fällen jedoch auch aus Keramik. Alle Abmessungen der kleinen Blöcke sind genormt. Die gegenüber liegenden Flächen, welche das Nennmaß bilden (daher Parallelendmaß), zeichnen sich durch eine besonders glatte und glänzende Oberfläche aus. Bei der Kombination von Blockmaßen kommt es so durch Adhäsionskräfte dazu, dass beide Blöcke aneinander haften bleiben. Da sich die Oberflächenteilchen dabei quasi "vermischen", wird die Möglichkeit einer Maßabweichung minimiert. Metallische Parallelendmaße sollten allerdings nie länger als acht Stunden in diesem Zustand belassen werden, da ansonsten die Gefahr der sogenannten Kaltverschweißung besteht.

Die Erfindung der Parallelendmaße geht auf ein Kostenproblem der Waffenindustrie im auslaufenden 19. Jahrhundert zurück. Die für damalige Verhältnisse hochgenauen Maßvorgaben erforderten den Einsatz kostspieliger Lehren. Jene mussten allerdings durch Verschleiß, neue Produktarten oder Typenänderungen immer wieder hergestellt werden. Der Schwede Carl Edvard Johansson (1864-1943) kam daher auf die Idee, standardisierte Lehren zu produzieren, aus denen man jegliche Maßvorgabe kombiniert könnte. 1901 krönte er seine Forschungsarbeit mit einer entsprechenden Patentanmeldung. Diese ersten Endmaße etablierten sich bald zu einem fertigungstechnischen Standard. Zumindest kombiniert erreichten sie allerdings noch nicht die heutigen Genauigkeiten. Doch zahlreiche Verbesserungen und Weiterentwicklungen sowie der langfristige Aufschwung der Waffen-, Auto-, und Maschinenindustrie sorgten dafür, dass Parallelendmaße auch heute noch ihren festen Platz an Werkbänken und in Messkabinen haben.

Dazu beigetragen hat natürlich vor allem Johanssons Grundidee, die Kombinierbarkeit der Blöcke zu jedem beliebigen Maß. Parallelendmaße sind daher zwar durchaus als Einzelstücke erhältlich, werden jedoch oft in Form sogenannter Endmaßkästen angeboten. Jene beinhalten eine logische Auswahl verschiedener Blöcke, welche innerhalb einer gewissen Spanne zu jeder Maßangabe zusammengestellt werden können. Die einfachste Variante jener Kästen kommt mit lediglich 45 Blöcken aus. Sie sind in fünf Reihen zu je neun Blöcken angeordnet:

  • Reihe eins: Maße 1,001 bis 1,009 in der Abstufung 0,001
  • Reihe zwei: Maße 1,01 bis 1,09 in der Abstufung 0,01
  • Reihe drei: Maße 1,1 bis 1,9 in der Abstufung 0,1
  • Reihe vier: Maße 1,0 bis 9,0 in der Abstufung 1,0
  • Reihe fünf: Maße 10,0 bis 90,0 in der Abstufung 10,0

Natürlich gibt es auch Endmaßkästen, die eine umfangreichere Bestückung oder sogar eine ungewöhnliche, kundenspezifische Unterteilung aufweisen. Doch bereits aus dem obigen Sortiment ließe sich beispielsweise das Maß 35,121 in zahlreichen Varianten zusammenfügen. Die einfachste Möglichkeit würde lauten:

Maß 1,001 + Maß 1,02 + Maß 1,1 + Maß 2,0 + Maß 30,0

Das Angebot an Blockmaßen wird allerdings nicht allein durch die Materialbeschaffenheit oder die Zusammenstellung der Endmaßkästen untergliedert. Wesentlich wichtiger ist die sogenannte Klassifikation. Denn selbst die winzigen Genauigkeitsabweichungen der Parallelendmaße werden noch einmal in genormte Toleranzklassen eingeteilt. Die "gröbste" Variante ist die Klassifizierung "2". Darunter zählen Endmaße, die für Einstellarbeiten und Zwischenmessungen in der Produktion Verwendung finden. In aufsteigender Genauigkeit folgen sodann die Güteklasse "1" (Einstellung von Messgeräten und Endprüfung der Produkte), die Güteklasse "0" (Kalibrierung der Geräte und Lehren in Messlaboren) sowie die Güteklasse "K", welche zur Überprüfung der Endmaße aller anderen Toleranzklassen dient.

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