Am 16. Dezember 1928 erblickte Philip Kindred Dick gemeinsam mit seiner Zwillingsschwester Jane in Chicago das Licht der Welt. Nur wenige Wochen später starb Jane – ein Verlust, den Philip Dick eigenen Aussagen nach nie überwand. Schmerzhafte Trennungen und steter Wandel sollten seinen weiteren Lebensweg pflastern und sich deutlich in seinem Lebenswandel wie auch seinen Werken bemerkbar machen. 1932 ließen sich seine Eltern scheiden. Fortan lebte Philip Dick bei seiner Mutter.

Frühe Schreibversuche

Erste Schreibversuche: Philip K. DickNach zaghaften Schreibversuchen verfasste er mit 14 seinen ersten Roman "Return to Liliput", eine Art Fortsetzung zu Jonathan Swifts Jugendroman "Gullivers Reisen". Im Anschluss an die High School arbeitete Dick als Verkäufer in einem Plattenladen und erhielt kurzzeitig sogar eine eigene Radiosendung.

1948, nachdem er bereits von Zweifeln gequält war, ob er nicht homosexuell sei, heiratete er die fast zehn Jahre ältere Jeanette Marlin. Da Dick nach kalifornischem Recht mit 19 noch nicht volljährig war, musste seine Mutter eine Urkunde unterschreiben, um die Ehe rechtskräftig zu machen. Allerdings hielt diese Ehe nur ein halbes Jahr und 1949 begann Dick an der Universität Berkeley ein Germanistik- und Philosophie-Studium.

Erste schriftstellerische Erfolge

Das Jahr 1950 entpuppte sich als höchst turbulent für Dick, dem mit seinen Kurzgeschichten noch kein Erfolg beschieden war: Zunächst heiratete er zum zweiten Mal, diesmal eine junge Kommilitonin, ehe er die Universität Berkeley freiwillig verließ (seine späteren Behauptungen, man habe ihn hinausgeworfen, scheinen unwahrscheinlich).

Ende 1951 war es endlich so weit: Ein Science-Fiction-Magazin kaufte die Kurzgeschichte "Roog", eine für Dick sehr typische Geschichte, die von verzerrtem Realitätssinn handelt: Ein Hund bewacht treu die Mülltonnen seiner Besitzer gegen die titelgebenden "Roogs", die er als diebische Außerirdische betrachtet, welche Woche für Woche den wertvollen Inhalt der Mülltonnen stehlen. Dass es sich dabei nur um Müllmänner handelt, die den ungeliebten Abfall beseitigen, ist der Realität des Hundes völlig fremd. Noch oft sollten sich in Dicks Schaffen ähnliche Überlegungen finden.

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Das Orakel vom Berge

Ermuntert von diesem ersten Geschichtenverkauf und einem (selbstverschuldeten) Rausschmiss aus jenem Plattenladen, der ihm bislang sein Einkommen gesichert hatte, beschloss er, sich ganz dem Schreiben zu widmen. Dank des Verkaufs vier weiterer Geschichten 1952 und nicht zuletzt der finanziellen Unterstützung durch seine Frau zeigte die Autorenkarrieren-Kurve nach oben.

Im selben Jahr begann die Zusammenarbeit mit einer Literaturagentur, wodurch sich Dick voll und ganz aufs Schreiben konzentrieren konnte. Die 1950er Jahre entpuppten sich als "Goldene Ära" für Science-Fiction-Autoren, wovon auch Dick kräftig profitierte – alleine 1953 verkaufte er dreißig seiner Kurzgeschichten.

1955 erschien sein Roman "Solar Lottery" und von diesem Zeitpunkt an verlegt sich Dick fast ausschließlich auf das Schreiben von Romanen, die er fortan mit ungeheurer Geschwindigkeit – oft waren es mehrere pro Jahr – meist unter dem Einfluss von Aufputschmitteln verfasste. 1958 zerbrach auch die dritte Ehe, was Dick nicht daran hinderte, wenige Zeit später erneut zu heiraten.

Die verdiente Anerkennung für sein umfangreiches Werk erfuhr er schließlich 1963, als "The Man In The High Castle" (Deutsch: Das Orakel vom Berge), ein Alternativweltroman rund um das Szenario eines von den Achsenmächten besiegten und aufgeteilten Amerikas, den begehrten Hugo Award verliehen bekam – eine der höchsten Auszeichnungen der Science Fiction. 1964 trennt er sich von seiner dritten Frau – diesmal lässt er sich jedoch zwei Jahre Zeit, ehe er erneut heiratet, diesmal eine bedeutend jüngere Frau. Doch auch diese Ehe hält nur vier Jahre.

Philip K. Dicks göttliche Visionen

Anfang der 70er Jahre ist Phil Dick, vermutlich nicht zuletzt auf Grund von steigendem Drogeneinfluss, überzeugt, die amerikanische Regierung würde ihn überwachen und eine existenzielle Bedrohung für ihn darstellen. Nach einem nie aufgeklärten Einbruch in sein Haus, dessen Ziel angeblich seine Akten waren, zog Dick ins benachbarte Kanada, wo er 1972 in einem angemieteten Apartment einen Selbstmordversuch unternahm, diesen nur knapp überlebte und sich freiwillig in ein Rehabilitationszentrum für Drogensüchtige einliefern ließ.

Visionär Philip K. DickNach seiner Rückkehr in die USA stabilisierte sich Dicks Leben zunächst. United Artists kaufte die Filmrechte an "Do Androids Dream Of Electric Sheep?" (dem späteren "Blade Runner") und seine Romane verkauften sich glänzend. Aller Geldsorgen entledigt, heiratete er 1973 erneut und wurde zum insgesamt dritten Mal Vater.

Kurze Zeit später, Anfang 1974, ist Dick davon überzeugt, mit einem übernatürlichen Wesen kommuniziert zu haben. Dieser Wesenheit verleiht er den Namen VALIS, ein Akronym für Vast Active Living Intelligence System (zu Deutsch etwa: Voluminöses Aktives Lebendiges Intelligenz-System). Bis an sein Lebensende sollte ihn diese Erfahrung nicht mehr loslassen, die er in der VALIS-Trilogie aufzuarbeiten versuchte.

Realität ist das, was nicht verschwindet, wenn man aufhört, daran zu glauben“

Am 2. März 1982 starb Philip K. Dick an den Folgen eines Schlaganfalls und wurde neben dem Grab seiner Zwillingsschwester Jane bestattet.

Zweifellos zählte Dick zu den produktivsten wie auch einflussreichsten Science-Fiction-Autoren überhaupt. Zahlreiche Filme basieren direkt (zum Beispiel "Blade Runner", "Total Recall", "Minority Report") oder indirekt (beispielsweise "Die Truman-Show") auf einem seiner Romane oder einer seiner zahlreichen Kurzgeschichten. Sein Einfluss auf nachfolgende Schriftstellergenerationen ist kaum zu überschätzen und selbst auf die Computerbildschirme – etwa "UBIK" oder "Blade Runner" – schafften es seine Werke.

Das berühmte Zitat "Realität ist das, was nicht verschwindet, wenn man aufhört, daran
zu glauben" kennzeichnet den Kern vieler seiner Geschichten, in denen es von Androiden wimmelt, die sich für Menschen halten, oder Menschen, die sich wiederum für Androiden halten. Gesicherte Annahmen über das Wesen der Realität existierten für ihn schlichtweg nicht und wenn es eine Konstante gab, dann die des steten Wandels. Seine vielen Ehen, seine Fluchtversuche aus der Realität, sein kurzer Kanada-Aufenthalt und zahlreiche Freundschaften zeugen von dieser Lebensmaxime eines einzigartigen Autors.

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