„Das Leben ist schön“

Bundgaard macht in dem Buch ansonsten nicht viele Worte. Es ist einfach geschrieben, volksnah, mit vielen amüsanten Theateranekdoten und ohne Gejammere über die unangenehmen und traurigen Seiten des Lebens, an denen er sich nicht allzu lange aufhält, da man es ja eh nicht ändern kann. Nur hin und wieder wird der Ton nachdenklicher. Ein Beispiel dafür ist die Zeit als Widerstandskämpfer gegen die deutsche Besatzung (1940-1945), über die er nur sagt, er wäre ein kleines Glied in der Kette gewesen: Einmal im Jahr besuchte er mit der Familie das Grab eines Freundes, um einen Kranz niederzulegen. Dazu schreibt er: "War das jetzt dieses Opfer wert? Es fällt mir etwas schwer, das heute so zu sehen." Ein anderes Beispiel ist der Moment, in dem der alte, etwas verwirrte Vater ins Altersheim gebracht werden musste und dieser zu ihm sagte: "Mein lieber Junge, das hätte ich nie gedacht, dass du mir das antust." Bundgaard gesteht, dass sich diese Worte in ihm eingebrannt haben. Und es war umso schmerzhafter, als er sehr an seinen Eltern hing.

Kindheit und Jugend

Geboren wurde Poul Bundgaard am 27.10.1922. Zunächst wuchs er mit seiner jüngeren Schwester in Hellerup auf, in einer 3-Zimmer-Wohnung ohne Toilette, die war damals noch auf dem Hof. Der Vater war Verwalter bei "Die Dänische Milchgesellschaft" und so wohnten sie in diesem etwas gehobeneren Vorort Kopenhagens, in dem auch die Studios der Palladium-Film lagen, wo man als Kind gerne über den Zaun schaute. Dort drehte der wichtigste dänische Filmregisseur der Stummfilmzeit Lau Lauritzen die international erfolgreichen und auch heute noch gerne gesehenen "Pat und Patachon"-Filme.

Später dann zogen sie aus beruflichen Gründen nach Vesterbro, einem Stadtteil Kopenhagens, wo der kleine Poul sich erst einmal an die etwas rauere Gangart inmitten der Großstadt gewöhnen musste. Aber nachdem sein Vater ihm geraten hatte, ausnahmsweise einfach mal zurückzuhauen, um sich Respekt zu verschaffen, ging es.

Es war also eine glückliche Kindheit in zwei grundverschiedenen Gegenden. Und auch dafür war Bundgaard, im Nachhinein betrachtet, dankbar. So hatte er die Möglichkeit, Einblick in verschiedene Gesellschaftsschichten zu haben.

Nach einigem Zweifel begann er eine Lehre als Kaufmann, was allerdings nicht das war, was er sich für den Rest seines Lebens vorgestellt hatte. Nebenher ging er zur Abendschule und trieb viel Sport, vor allem Fahrradfahren. Da war er noch schlank, was dann ja später nicht mehr der Fall war. Er beschwert sich übrigens in seinen Erinnerungen über die fehlende Toleranz gegenüber Dicken in Dänemark. In Italien wäre das nicht denkbar.

Bei seiner Arbeit im Markt "Brugsen" sang er gerne bei der Arbeit im Keller. Er bekam daher von einem Angestellten im Laden oben immer zu hören, er solle die Klappe halten. Dafür erhielt er später nach seinem ersten größeren Auftritt auf der Operettenbühne von demselben Kollegen ein Entschuldigungstelegramm an "Amagers Caruso". Der Vater hatte schon eine schöne Stimme, aber zu wenig Selbstvertrauen gehabt, um wirklich etwas daraus zu machen. Das sollte der Sohn dann also nachholen.

 

Vesterbro Street, Copenhagen, Denmark

Vesterbro Street, Copenhagen, Denmark (Bild: AllPosters)

"Ich bin ein Gourmet" - Poul Bundgaard besingt leckeres Essen:

Der Traum von der Oper

Ein richtiger Tenor auf der Opernbühne zu sein, war immer Bundgaards Traum gewesen. Dafür unternahm er auch zwei Italienaufenthalte, um dort Gesang zu studieren, einmal 1953 drei Monate, ein zweites Mal 1957 ein ganzes Jahr zusammen mit Frau und Kind. Für mehr reichte das Geld nicht. Doch auch dieses eine Jahr war bei weitem nicht lang genug, denn wieder im Norden verlernte er schnell wieder vieles.

Aber auf jeden Fall machte er nach dem einjährigen Italienaufenthalt eine Gesangsprüfung an "Das Königliche Theater" und wurde angenommen Doch aus den großen Heldenrollen wurde nichts, es gab aber kleinere, lustige Charakterrollen. Dann kam er nach ein paar Jahren auch an das Schauspieltheater des "Königlichen" und hatte also auch eine bemerkenswerte Karriere am Theater ohne Gesang.

Aber als Ersatz für die entgangenen Herldentenorrollen hatte er große Erfolge als Plattenstar, der es bis in die Charts schaffte.

Sant'Angelo Bridge over Tiber River (Bild: Dennis Degnan / AllPosters)

Motoring in Rome (Bild: Sue Schlabach / AllPosters)

Statue of Famous Playwright Ludvig Holberg Outside De Kongelige Teater, Copenhagen, Denmark (Bild: Martin Moos / AllPosters)

Die Olsenbande in der Oper:
Die Olsenbande sieht rot
"Die Olsenbande sieht rot":

Theater

Doch bevor er zum "Königlichen Theater" kam, hatte er ein langjähriges Engagement am "Nörrebro-Theater", dass dann später umgetauft wurde in "Die Neue Scala", als der neue Leiter modernes Showtheater plante. Dorthin war Bundgaard durch eine Zeitungsanzeige gekommen. Nach einem kurzen Vorsingen am 10.10.1946, das Datum hat er nie vergessen, wurde er Mitglied des Chors. Sein erster richtiger Auftritt war der Postbote in "Die Fledermaus" von Johann Strauß. Einen ersten größeren Auftritt bekam er als Krankheitsvertretung, da er vorsorglich alle Rollen gelernt hatte, denn so was passiert ja immer mal in Kinofilmen. Die erste richtige Hauptrolle hatte er dann in dem Musical "Annie get your Gun".

Er spielte auch schon früh in Revuen, später dann auch mit Schauspieler- und Komikerstar Dirch Passer, der bei diesen Veranstaltungen immer der unbestrittene Star war. Ein schönes Beispiel für ihre Zusammenarbeit ist die Nummer des  "Kirchlichen Fernsehvereins",  (s. Video unter diesem Abschnitt), in dem Bundgaard als Moderator mit einem Pastor (Dirch Passer) über Unanständiges im Fernsehen diskutieren will. (Die Pointe der Nummer ist auch ohne Dänischkenntnisse verständlich.)

Film

Bundgaard hat in unzähligen Filmen (IMDb) mitgespielt. Aber sein wichtigster und unvergessenster Beitrag zur Filmgeschichte ist natürlich der von seiner Frau ständig gemaßregelte Pantoffelheld Kjeld in den Filmen um "Die Olsenbande" (Olsenbandenfanclub). Es ist eine bekannte Anekdote, dass er die Samtjacke, die er in dem Film trägt, selbst zu den Dreharbeiten mitgebracht hat. Zu Hause durfte er das gute Stück wegen seiner Ehefrau nicht tragen, es war einfach zu spießig. Mit den beiden Partnern Morten Grunwald und Ove Sprogøe spielte er auch einmal auf der Bühne Samuel Becketts modernistisches Drama "Warten auf Godot".

Außerdem war er auch in anderen Filmen des "Olsenbanden"-Regisseurs Erik Balling zu sehen. Die erste Zusammenarbeit mit diesem verschaffte ihm den dänischen Oscar, den "Bodil", für seine Rolle als Bösewicht in "Slå først, Frede" (1965).

Wie sehr Bundgaard an der Olsenbande hing, zeigt die Tatsache, dass der letzte Film dieser eigentlich abgeschlossenen Reihe nicht zuletzt auf seine Initiative hin entstand. Während der Dreharbeiten starb er dann leider, so dass der Film mit einem "Double" zu Ende gedreht werden musste.

Er war aber nicht nur ein Volksschauspieler, er war auch erfolgreich mit ernsten Rollen wie in der Verfilmung von Tom Kristensens Klassiker "Hærværk" (dt.: "Roman einer Verwüstung", 1977), einem Roman über den Alkohol. Bundgaard spielt hier die tragikomische Figur des "Ewigen Kjær", eines Trinkers, der im Hotel wohnt, nachmittags in die Bar kommt, sich betrinkt und dann irgendwann morgens auf sein Zimmer gebracht wird. Und das regelmäßig jeden Tag, dass man fast die Uhr danach stellen kann. Diese Rolle brachte ihm den zweiten "Bodil" ein.

Trinklied mit Ove Sprogøe:
"Wenn ein Seemann an Land geht"
"Morgenlied"
"Komm nach Norwegen"

Privatleben

Poul Bundgaard war zweimal verheiratet. Die erste Ehefrau Bente entdeckte er zum ersten Mal von der Bühne aus im Zuschauerraum und fand sie später durch Zufall wieder. Es stellte sich heraus, dass sie aus reichem Hause war. Als er das erste Mal zu ihr eingeladen war, wurde er von einem Chauffeur mit Limousine abgeholt und er glaubte an einen Scherz. Als er herausfand, dass es keiner war, dachte er erst, das ginge nicht. Das wäre seinem zukünftigen Schwiegervater, der keinen Künstler in der Familie wollte, auch durchaus recht gewesen. Mit der Schwiegermutter kam er sofort gut aus. Diese kaufte dem jungen Ehepaar 1952 sogar eine Villa.

Über die Gründe für die Trennung von Bente verliert er nicht viele Worte, alles geschah nach beiderseitigem Einverständnis. Man hatte sich auseinandergelebt, allerdings heiratete seine Ex-Frau schnell wieder, während es bei ihm noch eine Zeitlang dauerte. Er lernte seine zweite Ehefrau und große Liebe Kirsten erst nach der Trennung kennen. Kirsten Petersen war eine erfolgreiche, internationale Balletttänzerin. Allerdings musste sie ihre Karriere zu früh aufgeben, wonach sie sich ganz dem Privaten widmete.

Poul Bundgaard hatte drei Kinder, ein Mädchen (Helle) und einen Junge (Steen) aus erster Ehe und einen Jungen (Peter) aus zweiter. Nach der Scheidung lebte Steen bei ihm. Nach dem frühen Tod der ersten Frau kam auch Helle dazu.

Er gibt in dem Buch, zu, dass es nicht ganz leicht mit ihm sei, aber da seine Frau wisse, wie sehr er sie liebe, hielt sie es aus. Einmal brachte sie ihm sogar dänisches Lebensmittel zu Dreharbeiten nach Griechenland, da er das dortige Essen nicht mehr ertragen konnte.

Poul Bundgaard starb am 3.6.1998.

In einem Interview hatte er einmal Folgendes gesagt:

"Ich erinnere mich an keinen einzigen Augenblick, wo ich mich vom Schicksal ungerecht behandelt fühlte. Mein Leben ist reich an wunderbaren Augenblicken gewesen. Ich habe fast immer das erreicht, was ich mir wünschte."

Schlaflied für einen "Teddy":
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