Mit Wulf in der VillaVigoni

Mit Wulf in der VillaVigoni (Bild: Schwehn)

Derweil hat in Rom schon das Tauziehen um den Nachfolger im Quirinalspalast eingesetzt, der Ende Januar 2015 gewählt werden soll – von Senat und Abgeordnetenhaus. Es könnte sein, dass Ministerpräsident Matteo Renzi erstmals eine Frau auf der Vorschlagsliste hat. Zur Auswahl stehen nach Insider-Meldungen die Sozialdemokratin Anna Finocchiaro, Präsidentin der Verfassungskommission im römischen Senat, Verteidigungsministerin Roberta Pinotti oder die Verfassungsrichterin Marta Cartabia.

Namen: Von Prodi bis Veltroni

Auch auf der Männerliste sind prominente Namen: Der ehemalige EU-Kommissionspräsident und Ex-Regierungschef Romano Prodi, der frühere Ministerpräsident Giuliano Amato oder der frühere Kultusminister und römische Bürgermeister Valter Veltroni. Als Außenseiter schließlich werden Turins Bürgermeister Fassino, der Minister für Schöne Künste Franceschini und Schatzminister Padoan gehandelt.

Berlusconi will mitreden

Bisher zeichnet sich noch kein Favorit am römischen politischen Horizont ab. Innerhalb der Sozialdemokratischen Partei (OPD) des Regierungschefs gibt es zähes Tauziehen zwischen den verschiedenen Flügeln. Aber Renzi muss einen Kandidaten finden, der auch die Stimmen der Partei "Forza Italia", der konservativen Opposition um den früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi erhalten kann. Diese Stimmen sind für eine Mehrheit zwingend notwendig. Berlusconi, der einmal selbst Staatspräsident hatte werden wollen, hat schon gedroht: Seine Formation werde sich den Linken nicht ohne Weiteres unterordnen.

Vom Kommunisten zum Sozialdemokraten

Wer auch immer es wird: Napolitano wird einen langen Schatten werfen. Er ist Neapolitaner – aber sein Nachname ist kein Künstlername. Am 29. Juni 1925 wurde er in der Stadt am Golf geboren. Schon früh, mit 17 Jahren, gründete er eine kommunistische Gruppe. Schon 1945 hatte er sich offiziell der Kommunistischen Partei Italiens (PCI) angeschlossen, und fortan führte der politische Weg gradlinig aufwärts. Er war und ist ein "Reformer", auch innerhalb der eigenen Partei. Es gibt nicht wenige, die sagen, der damalige Parteichef Achille Occhetto hätte es 1989 bei allem guten Willen nicht geschafft, aus der kommunistischen Partei eine Partei des "Demokratischen Sozialismus" zu machen, wenn Napolitano nicht aus dem Hintergrund die Fäden gesponnen hätte. Dass diese Partei später unter der Leitung seines weitaus jüngeren Genossen Valter Veltroni schließlich eine sozialdemokratische Partei wurde, war ebenfalls mit sein Verdienst.

Mit dem besonderen "europäischen Blick"

Napolitano, der gelernte Jurist, hatte und hat stets einen besonderen "europäischen Blick". Schon seit 1986 war er verantwortlich für die außenpolitischen Beziehungen der Kommunistischen Partei Italiens gewesen, von 1989 bis Anfang 1992 war er Mitglied des Europäischen Parlaments. Außenpolitische Bindungen, Verflechtungen und Notwendigkeiten hat er beispielsweise in seinem 1992 veröffentlichten Buch "Europa e America dopo 1989" – Europa und Amerika nach 1989 – ausgebreitet.

Er ist Senator auf Lebenszeit

An der Wahl seines Nachfolgers wird sich Napolitano beteiligen können, so es die Gesundheit zulässt. Denn er kehrt als Senator auf Lebenszeit in die zweite römische Kammer, den Senat, zurück. Er ist nach seinem Vorgänger Carlo Azeglio Campi, dem früheren Ministerpräsidenten Mario Monti, dem Stararchitekten Renzo Piano, dem Physik-Nobelpreisträger Carlo Rubbia und der Wissenschaftlerin Elena Catteneo derzeit der sechste Senator auf Lebenszeit.

Mitte Januar hatte er an der Seite seiner Frau – Hand in Hand – seinen Amtssitz im Quirinalspalast verlassen und sein neues Büro im Palazzo Giustiniani unweit des Senats bezogen.

 

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