Psychische Störungen im Mittelalter

Die mittelalterlichen Menschen griffen auf barbarische Methoden sowie Hexenverbrennungen zurück, um Menschen von ihrem psychischen Leid zu befreien. Man ging davon aus, dass Menschen, die an psychischen Störungen leiden, mit Teufelsmalen - über schmerzunempfindliche Stellen - gekennzeichnet seien. Zur gleichen Zeit wurde Depression im Sinne von Trähheit als Sünde angesehen. Man entschloss sich dazu, Geisteskranke in Ketten zu legen und erbaute im Jahr 1409 in Valencia die erste Irrenanstalt der Welt.

Verändertes Bild über psychische Störungen und erste Behandlungsmethoden

Erst mit Piinel Philippe (von 1745 bis 1826) veränderte sich das Bild über psychisch kranke Menschen. Die Ketten wurden entfernt, Asyle errichtet und Krankengeschichten angelegt. Des Weiteren schränkte man die Zwangsjacke ein, begann über psychische Störungen zu forschen und legte wert auf Mitgefühl und Verstädnis im Umgang mit Menschen mit psychischen Störungen. Im 19. Jahrhundert brachte man viele psychisch gestörte Menschen in einer Einrichtung unter, um bessere Beobachtungen erzielen zu können. Zu den medizinischen Behandlungsmethoden zählten die Fiebertherapie der progressiven Paralyse durch die Malaria-Impfung, Elektro-, Cardiazol- und Insulinschocks sowie Leukotomie. Erst in den 1950-er Jahren erfand man allmählich diverse Psychopharmaka wie beispielsweise das Chlorpromazin, das der Senkung der Körpertemperatur dient. In den darauf folgenden Jahren setzte man sich vermehrt dafür ein, dass die individuelle Situation sowie der gesetzliche Schutz der psychisch Kranken verbessert wurde. Auch gab es eine Veränderung im Unterbringungsgesetz sowie eine bessere Betreuung.

Psychische Störungen: vielfältige Methoden und Ansichten

In Bezugnahme auf psychische Störungen ist zu sagen, dass der Umgang damit und die Ansichten darüber individuell verschieden ausfallen. Immer noch ist der Streit zwischen Somatikern und Psychikern aktuell. Anstatt psychische Störungen aus einseitiger Perspektive zu betrachten, sind eine Professionalisierung sowie die Zusammenarbeit zwischen mehreren Berufsgruppen erforderlich. Mittlerweile ist klar: nur wenn Ärzte, Pädagogen, Sozialarbeiter und Psychologen gemeinsam an einem Strang ziehen, kann ein entsprechendes Ergebnis bei der Krankheitsbekämpfung erzielt werden. Heute steht uns eine ungeheuere Methodenvielfalt für den Kampf gegen psychische Störungen zur Verfügung, die wir auch nutzen müssen. Sie helfen uns zum Beispiel dabei, Fragen der Schuldfähigkeit und der Zurechnungsfähigkeit beantworten zu können, aber auch dabei, das richtige Interventionsmodell auszuwählen. Wir müssen Störungsbilder einer gesamtgesellschaftlichen Betrachtung unterziehen und erkennen, dass psychische Störungen viel mit der Tatsache des Anders- bzw. Fremdseins zu tun haben und dass psychisch kranke Menschen Gefahr laufen, sozial ausgegrenzt zu werden.

Autor seit 4 Jahren
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