Von der Milch zum Garn

Angefangen hatte alles mit einem Handmixer in ihrer Küche. Unterschiedliche Rezepturen, auch unter Verwendung anderer natürlicher Rohstoffe, wurden so lange getestet, bis sich eine von ihnen im Wasser schließlich nicht mehr auflöste.

Das Garn, dass Anke Damaske aus Milch und anderen Rohstoffen produziert, ist geschmacklos und lässt sich sogar essen. Die genaue Rezeptur der Milchfaser bleibt natürlich das Geheimnis der 30-jährigen Erfinderin.

Zunächst wird die Rohmilch gesäuert. Die beim Säuerungsprozess entstehenden weißen Flocken sind das Protein. Schöpft man diese ab, erhält man Quark. Läßt man ihn anschließend trocknen, bekommt man ein Eiweißpulver, wie man es von den Protein-Shakes kennt.

Auch wenn Textilfasern aus dem Milcheiweiss Kasein den meisten Menschen vermutlich unbekannt sind, so gibt es sie doch schon seit den 30er-Jahren. Laut Damaske ist ihre Protein-Faser jedoch die weltweit einzige ohne chemische Zusätze und zudem biologisch abbaubar.
Kunden haben diese Faser bereits getestet. Sie soll sich wie Seide anfühlen, farb- und formbeständig sowie sehr reißfest sein.

Für die Herstellung von 1 Liter Milchfaser benötigt man, laut Anke Damaske, nur 2 Liter Wasser. In Baumwolle stecken pro Liter – je nach Region – hingegen 8000 bis 25.000 Liter Wasser.

 

Qmilch (Qmilk) geht mit Optimismus in die Zukunft

Das Erfolgskonzept Milchfaser ist inzwischen so weit ausgereift, dass es 2013 in eigene Produktionshallen geht. Ab 2014 will Qmilch bereits 1000 Tonnen Fasern jährlich produzieren.

Anke Domaske ist sich absolut sicher, dass ihre neue Faser von den Konsumenten angenommen wird. Nach diversen Auftritten in den Medien gäbe es bereits Nachfrage von einigen Stoffherstellern. Interessenten kämen jedoch nicht nur aus der Bekleidungsbranche, sondern auch aus dem Automobilbereich. Auch in der Medizin, der Kosmetik und der Membrantechnik ließe sich die Faser verwenden.

2011 wurde die Firma QMilk vom Gesamtverband Textil und Mode mit dem Innovationspreis in der Kategorie Technische Textilien zum Sieger gekürt, eine von zahlreichen Auszeichnung innerhalb von 3 Jahren.

 

 

Nachhaltig, schadstoffarm und umweltfreundlich?

Um ein Kleid herzustellen, so Yvonne Willicks in der TV-Doku, brauche man ''nur 6 Liter Milch, was nachhaltig, schadstoffarm und umweltfreundlich und vermutlich die Idee der Zukunft ist.'' Eine Aussage, die zunächst überzeugend erscheint, bedenkt man aber, mit welch' großem Aufwand und zu welchen Lasten zuvor die Milch produziert worden ist, so sieht das Bild doch etwas anders aus:

  • Schon heute kommen Kühe in der Massentierzucht an die Grenzen ihrer Belastbarkeit, sowohl was die Milchproduktion als auch die Zucht-und Haltungsbedingungen angeht.

  •  Das Futter der Tiere besteht teilweise aus importiertem Gen-Saatgut, dessen Pflanzen zuvor häufig mit Totalherbiziden (wie dem Glyphosat ''Roundup'') bespritzt wurden.

  •  Für den Anbau der gewaltigen Mengen an Vieh-Kraftfutter ist ein extrem hoher Wasserbedarf notwendig. Hinzu kommen Trinkwasser sowie Wasser für die Pflege der Tiere und Ställe.

  • Bei der Milchproduktion beziehungsweise bei der Verdauung der Kühe entstehen gewaltige Mengen an Methangas und Gülle, die die Böden, das Grundwasser und die Luft belasten.

Diese Aspekte werden gerne außer Acht gelassen.
Es handelt sich bei der Herstellung von Qmilch-Garn zwar um Abfall-Milch der Milchindustrie (dazu zählen die Kolostralmilch, also die Erstmilch gerade kalbender Kühe, das bei der Käseherstellung anfallende Milchfiltrat, sauer gewordene Milch oder Milch, bei der ''die Keime nicht stimmen'' - so Anke Damaske), die ansonsten weggeschüttet würde, nachhaltig und umweltfreundlich wäre es jedoch, wenn die deutsche Milchindustrie 2 Millionen Liter Milch pro Jahr gar nicht erst entsorgen müsste.

Den großen Milchbetrieben, die meist von der EU subventioniert werden, kann diese neue Qmilch-Faser nur recht sein, bedeutet sie doch einen Zuverdienst und eine Gratis-Entsorgung, denn Qmilch zahlt ihnen pro Kilogramm 'Abfallmilch' 4 Cent.

 

Ob und zu welchem Preis sich diese deutsche Innovation durchsetzen wird, wird die Zukunft zeigen. Die Chancen dafür scheinen gut zu stehen. Für Allergiker zumindest dürfte sie ein Segen sein.

 

 

 

 

Autor seit 3 Jahren
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