Rasenballsport Leipzig - Etablierung im zweiten Versuch - Ein Etat, der alle Grenzen sprengt

RB Leipzig schaffte es im zweiten Versuch, sich in Leipzig zu etablieren, die  geplante Übernahme des FC Sachsen Leipzig im Jahre 2006 scheiterte an den Protesten zahlreicher Fans des Leipziger Traditionsclubs. Gezwungenermaßen ging man einen anderen Weg. Mittels Kooperation mit dem SSV Markranstädt, erkaufte sich RasenBallsport Leipzig das Startrecht für die Oberliga Nordost. Nach dem sofortigen Aufstieg in die Regionalliga versucht  die Mannschaft nunmehr im dritten Anlauf, den Sprung in Liga drei  zu realisieren. Dabei steht Rasenballsport wie immer ein Etat zur Verfügung, der mindestens dem eines deutschen Zweitligisten entspricht. Wie vor jeder Saison wurden Trainer, Sportdirektor und große Teile der Mannschaft ausgetauscht. Mittelfristiges Ziel ist nach eigener Aussage, der Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse. Stellt man jedoch Aufwand und Nutzen in den letzten drei Jahren gegenüber, dürfte RB Leipzig der uneffektivste  Club im deutschen Fußball sein.

 

Der Verein erhebt den Anspruch, den Leipziger Fußballanhängern  bei seinen Heimspielen ein "familienfreundliches" Ambiente zu bieten, ohne Angst und Krawall, ohne Ausschreitungen und Gewalt. Man möchte sich positiv von den anderen Leipziger Fußballvereinen abheben.

Warum muss es gerade Leipzig sein?

Doch warum wurde ausgerechnet die sächsische Messestadt als Standort für den Club aus der Retorte bzw. Dose gewählt?

Die Gründe liegen tiefer als manch einer denkt. Vereine mit Tradition gibt es in Leipzig durchaus. Der 1. FC Lok Leipzig, aus der Traditionslinie des ersten deutschen Meisters VfB Leipzig, stand 1987 gegen Ajax Amsterdam sogar im Europapokalfinale der Pokalsieger. Der Club gehörte in der DDR stets zu den Spitzenmannschaften. Auch die BSG Chemie Leipzig, gemeinsam mit Chemie Böhlen Vorgänger des FC Sachsen Leipzig hat eine große Vergangenheit, so gewann man 1963/64 völlig überraschend die DDR-Meisterschaft und hielt sich lange als Nummer eins in den Herzen vieler Leipziger. Die verbissene Feindschaft zwischen dem 1.FC Lok, der unter dem Traditionsnamen VfB  Leipzig nach der Wende sogar in der ersten Bundesliga spielte und dem FC Sachsen (Chemie) Leipzig, sowie wirtschaftliches Missmanagement in beiden Vereinen, bis hin zu mehreren Insolvenzen und Neugründungen verhinderten jedoch dauerhaft höheren Fußball in Leipzig.

 Dieses Umfeld sowie die Fußballleidenschaft vieler Leipziger, die sich nach höherklassigem Sport sehnten, machte sich Red Bull zu Nutze, um sich als Retter des Leipziger Fußballs zu präsentieren. Man besaß ja bereits Erfahrungen im Umgang mit traditionsreichen Vereinen. In Österreich hatte der Konzern zuvor den Club Austria Salzburg übernommen, sämtliche Traditionen ausgelöscht und den Vereinsnamen in Red Bull Salzburg geändert, nach dortigem Recht ist das möglich.  Aber die Alpenrepublik wurde für die Bosse des Brauseherstellers zu klein. Man sieht strategisch von Deutschland aus bessere Vermarktungschancen für sein Produkt.

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Weshalb die große Abneigung gegenüber Rasenballsport Leipzig - Gibt es nicht schon immer Werksmannschaften?

Weshalb aber ist die Abneigung vieler Fußballfans gegenüber RB so groß, warum spaltet dieser Verein die Fußballanhänger so sehr? Weshalb werden Freundschaftsspiele gegen diesen Gegner abgesagt, wie unlängst vom FC Erzgebirge Aue? Es gibt doch mit Bayer Leverkusen oder dem VfL Wolfsburg weitere Teams, die quasi Werksmannschaften sind. Gibt es da einen Unterschied?

Ja es gibt einen, und der ist gewaltig. RB Leipzig wurde einzig mit dem Ziel gegründet, ein Produkt zu vermarkten. Dieser Club  hat weder einen regionalen Bezug zu Leipzig noch einen Bezug zum Fußball. Wäre Handball oder Badminton Sportart Nummer eins in Deutschland und Europa, hätte Red Bull einen Handball- oder Badminton-Club übernommen.

 Es geht hier nicht mehr in erster Linie um den Sport, sondern einzig und allein darum, das Produkt  Red Bull zu vermarkten. Dies ist beispielsweise bei Bayer Leverkusen oder dem VfB Wolfsburg so nicht der Fall. Diese Vereine wurden für die Angehörigen der jeweiligen Firmen gegründet und sind in ihren Städten mehr oder weniger verwurzelt. Sie haben natürlich außer dem Profifußball noch zahlreiche weitere Sportarten in ihrem Angebot. RB Leipzig ist demnach kein Werksclub, denn Red Bull produziert in und um Leipzig… nichts!

 Manch Fan wittert die Gefahr, dass Fußballteams in Zukunft reine Marketinginstrumente großer Konzerne werden sollen. Die Mitbestimmung durch die Vereinsmitglieder bleibt auf der Strecke. Rasenballsport Leipzig ist der erste reine Marketingclub in Deutschland, sozusagen der Vorreiter einer neuen Struktur im deutschen Leistungssport. Viele Sportanhänger befürchten, dass sich weitere finanzstarke Konzerne in den deutschen Fußball einkaufen. Andere wiederum sehen dieser Entwicklung gelassen entgegen oder begrüßen sie sogar. RB hat ja durchaus respektable Zuschauerzahlen aufzuweisen.

 Übrigens, Salzburger Fans  haben ihre lila-weiße Austria wiedergegründet. der Verein spielt nach einigen Aufstiegen bereits in der 3. Liga Österreichs. Vielleicht kommt es ja an der Salzach bald zum Duell Tradition gegen Kommerz?

Ist Rasenballsport Leipzig ein Segen oder ein Fluch?

Ein sächsischer Traditionsverein

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