Rebecca Black: Zur Nachahmung empfohlen!

Die wichtigste Leistung des Internet ist nicht die erstmals in der Menschheitsgeschichte verlustfreie, unzensierte und praktisch augenblickliche Übermittlung von Information, sondern der Umstand, dass es den Grundstein zu großen Karrieren legt. Eltern, die sich Sorgen um die Zukunft ihres die Hauptschule abbrechenden Sprößlings machen, können aufatmen: Es gibt Hoffnung! Wenn Ihre 13-jährige Tochter stundenlang den Kamm als Mikrophonersatz missbraucht, machen Sie ihr keine Vorwürfe, wie sie sich das Leben ohne Ausbildung und berufliche Ambitionen vorstelle. Studieren Sie stattdessen Rebecca Blacks Song "Friday" als Blaupause für den rasanten Aufstieg Ihres Kindes zum Superstar. Bequemerweise funktioniert das von zu Hause aus und ist ganz einfach.

Bitten Sie einen Songwriter, einen möglichst sinnfreien Songtext zu verfassen, über den sich - ganz wichtig! - später Millionen Internetuser, Journalisten und Komiker lustig machen können. Aus dem Synthesizer wird irgendeine dazu passende Melodie herausgequetscht. Je talentfreier Ihre Tochter oder Ihr Sohnemann sind, desto besser! Das erhöht die Chancen, einen Internet-Hype auszulösen. Der finale und wichtigste Schritt: Laden Sie das Musikvideo auf Youtube hoch und erfreuen Sie sich an dem Gedanken, Elternteil eines künftigen Superstars wie Rebecca Black zu sein.

Internet-Meme Rebecca Black

Zunächst mag Ihnen diese Anleitung zum Ruhm seltsam erscheinen. Denn sollte ein Künstler nicht, nun ja, Kunst schaffen? Ja, das sollte er. Doch Rebecca Black ist nur ein besonders markantes Beispiel dafür, wie wahre Kunst unter die Räder der Spaßkultur geraten ist. Wichtig ist längst nicht mehr, was gesungen wird und wie es gesungen wird, sondern dass der Text als Steilvorlage für allerlei (unlustige) Parodien herhält und Millionen Internetuser sich über den oder die Sänger/in lustig machen kann.

Freilich sollte Ihr Kind über eine möglichst dicke Haut verfügen, um all den Hohn, Spott und bisweilen sogar glühenden Hass ertragen zu können. Belohnt wird Ihr kleiner Liebling aber mit der Gewissheit, innerhalb kürzester Zeit viel Kohle zu machen. Betonung auf "kurz", denn die Halbwertszeit so genannter Internet-Memes wie Rebecca Black beträgt oft nur wenige Wochen. Haben sich die Hype-Heuschrecken an einem Musiker sattgefressen, lassen sie ihn rasch wieder fallen und widmen sich dem nächsten.

Rebecca Blacks Meisterwerke
Friday
My Moment

Warum Rebecca Blacks "Friday" zum Hit wurde

Erstaunlich ist an diesen Hypes der inbrünstige Hass, mit dem eine aus Fleisch, Blut und Gefühlen bestehende Zielscheibe gnadenlos verfolgt wird. Während Justin Bieber - übrigens selbst dank Youtube zum Superstar aufgestiegen, nachdem er Mädchen den Kopf und Jungen den Magen verdrehte  - mittlerweile über den Dingen steht und einen Hit nach dem anderen landet, können sich an den Rebecca Blacks dieser Welt Pubertierende oder frustrierte, weil erfolglose Erwachsene hemmungslos abreagieren.

Zugegeben: Rebecca Blacks "Friday" bot die ideale Zielscheibe für meist unterirdische "Witzeleien". Da wäre zum einen die Sängerin selbst, die zum Zeitpunkt des Videodrehs 13 Jahre jung war, aber deutlich älter wirkte. Ihre gekünstelte Überdrehtheit und die seltsame Gesangsstimme die klingt, als würde Rebecca Black durch die Nase singen, trugen gewiss ihren Anteil dazu bei, das Musikvideo zu "Friday" unglaubliche 167 Millionen binnen kürzester Zeit anklicken zu lassen. Ein bisschen erinnert das Video an ein beliebiges Rap-Video mit einem Mädchen statt eines mit Goldschmuck behängten Rappers im Mittelpunkt, der davon singt, wie geil es ist, das ohne ehrliche Arbeit erworbene Geld mit Koks, Kumpels und Nutten durchzubringen.

Zum anderen muss man den Text von "Friday" nicht erst mühsam zerlegen, um sich darüber lustig machen zu können. Da heißt es etwa:

Yesterday was Thursday, Thursday

Today is Friday, Friday

Tomorrow is Saturday

and Sunday comes afterwards

Worüber möchte man sich hierbei noch lustig machen?

Absurderweise streichen Internetuser geradezu trotzig das Offensichtlich heraus, ganz so, als würde man die unfreiwillige Komik des Ausrutschens eines Passanten auf einer Bananenschale allen Umstehenden erklären.

Nachfolgend als Beweisführung das Video "Friday" von Rebecca Black.

Wer wird die nächste Rebecca Black?

Lassen Sie uns Klartext reden: Welche Videos werden auf Youtube geguckt, welche "Künstler" erlangen innerhalb weniger Tage Kultstatus? Natürlich solche, die freiwillig oder unfreiwillig komisch sind, durch Talentlosigkeit glänzen oder sich ganz bewusst zum Affen machen. Wer bei Gesangsshows wie "American Idol" gewonnen hat, interessiert im Grunde genommen niemanden. Die meisten Aufrufe bei Youtube generieren die Videos jener Kandidaten, die völlig versagten oder einen möglichst peinlichen Auftritt hinlegten. Denn Hand aufs Herz: Wann haben SIe das letzte Mal einen Link zu einem Youtube-Video bekommen, das eine herausragende Performance zeigte? Hingegen erhalten Sie wohl jeden Tag Mails oder Nachrichten à la: "haha, schlechtester sänger ever!!!!!".

Fassen Sie deshalb Mut! Ihre Tochter benötigt alle Unterstützung auf dem Weg, die nächste Rebecca Black, anstatt lebenslange Sozialhilfe-Empfängerin zu werden.

Die andere Rebecca Black

Fun Fact: Bei "Twilight" nimmt eine andere Rebecca Black eine Nebenrolle ein, die laut Twilight-Wiki einen interessanten Karriereschritt machte:

She met a professional surfer from Hawaii [...] and married him as soon as she turned eighteen years old. She followed him to Hawaii to live with him, and travels with him for his competitions.

So sieht ein erfülltes Frauenleben eben aus: Einen Sportler kennenlernen, heiraten und als Trophäe an seiner Seite die Welt bereisen.

Autor seit 7 Jahren
823 Seiten
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