Was ist sind Reime?

Unter Reimen versteht man wiederkehrende Klangmuster an bestimmten Stellen. Meist sind sie am Versende zu finden, aber auch am Versanfang werden sie hin und wieder benutzt. Die Verse, die meistens metrisch gegliedert sind, werden durch Reime verbunden. Reime machen in der Regel auf Bedeutungsbeziehungen aufmerksam, daher sollte man, wenn man ein Gedicht interpretieren will auch diesem Stilmittel Beachtung schenken, denn sie werden eingesetzt, um Wirkung hervorzurufen. Im Laufe der Zeit wurden Reime immer seltener von den Dichtern benutzt, sodass in der zeitgenössischen Lyrik kaum noch Reime verwendet werden. Das Gedicht ähnelt mehr einem Prosatext.

A Little Boy Lost', Plate 42 from 'songs of Experience', 1794 (Bild: William Blake / AllPosters)

Reimformen:

Es gibt viele unterschiedliche Formen von Reimen. Es gibt drei Komponenten die zu einem Reim gehören: die lautliche Unterscheidung (phonologische Struktur), die Anzahl der reimenden Silben und die Stellung im Vers.

Free Verse Poetry Form (Bild: Jeanne Stevenson / AllPosters)

Die Stellung im Vers

Versanfang:

 

Bei einem Anfangsreim reimen die ersten Wörter zweier Verse sich.

"Krieg! ist das Losungswort,
Sieg! und so klingt es fort..." (Goethe, Faust II)

 

Bei einem Schlagreim reimen sich zwei aufeinander folgende Wörter innerhalb eines Verses.

"Als ob es tausend Stäbe gäbe" (R. M. Rilke, Der Panther)

 

Bei einem Binnenreim reimen sich Wörter innerhalb einer Verszeile, welcher in der Regel nur durch einen Verstakt getrennt ist.

"Zwei Grillen lebten in Ostberlin,

die wollten auf die Antillen ziehen." (Natias Neutert)

 

Bei einem Stabreim beginnen betonte Wörter am Versanfang mit dem gleichen Konsonanten.

"wer soll da noch auftauchen aus der flut,
wenn wir darin untergehen?..." (H.M.Enzensberger )

 

Versende

Paarreim: aabb

Ich geh' im Urwald für mich hin…
Wie schön, dass ich im Urwald bin:
Man kann hier noch so lange wandern,
Ein Urbaum steht neben dem andern."

Heinz Erhardt

 

Haufenreim: aaaa bbbb

auf den hohen Felsenklippen
sitzen sieben Robbensippen
die sich in die Rippen stippen
bis sie von den Klippen kippen"

 

Kreuzreim/Wechselreim: abab

Ein Winter war's und keiner,
Denn es hat nicht geschneit.

O Schnee, du glänzend reiner,
Machest die Winterzeit.

Friedrich Rückert

 

Umschließender/umarmender Reim: abba

Ein reiner Reim ist sehr begehrt,
doch den Gedanken rein zu haben,
die edelste von allen Gaben,
das ist mir alle Reime wert."

Goethe

 

Zwischenreim/Schweifreim: aabccb

Ja, ich weiß, woher ich stamme,
Ungesättigt gleich der Flamme
Glühe und verzehr' ich mich.
Licht wird alles, was ich fasse,
Kohle alles, was ich lasse,
Flamme bin ich sicherlich"

Friedrich Nietzsche

 

Kettenreim/Terzinenreim: aba bcb

Auf halbem Weg des Menschenlebens fand
ich mich in einen finstern Wald verschlagen,
Weil ich vom rechten Weg mich abgewandt.

Wie schwer ist's doch, von diesem Wald zu sagen,
Wie wild, rauh, dicht er war, voll Angst und Not;
Schon der Gedank' erneuert noch mein Zagen.

Dante

Ganzer Vers

Kehrreim/Refrain       

Am Ende jeder Strophe gibt es einen regelmäßig wiederholten Vers.

Die Anzahl der reimenden Silben

Einsilbige Reime werden auch als männliche und stumpf bezeichnet. Dabei endet der Vers auf einer betonten Silbe. (Tor/Ohr; Raub/Staub)

Zweisilbige Reime werden als weibliche und klingend bezeichnet. Hierbei ist die erste Silbe betont und die zweite unbetont. (wollte/sollte; Frohe/Mühe)

Dreisilbige Reime werden als gleitend und reich bezeichnet, dabei ist die erste Silbe betont. (prächtige/mächtige; Sterblichen/verderblichen)

Lautliche Unterscheidungen

Es gibt viele unterschiedliche lautliche Unterscheidungen: Reine Reime, Unreine Reime, Identische Reime, gleichlautende Reime, rührende Reime, Endsilbenreime, Vorreime und der doppelte Reim.

 

In einem Reinen Reim stimmt die Lautfolge der Reimsilben überein.

(Raub/Staub; Welt/hält)

 

Unreime Reime unterteilt man nochmals in zwei Gruppen: Assonanz und Parareim. Bei der Assonanz stimmen nur die Vokale, aber nicht die Konsonanten überein und bei einem Parareim stimmen die Konsonanten aber nicht die Vokale überein.

Assonanz: wagen/laben; tragen/sagen

Parareim: wagen/wogen

 

Bei einem Identischen Reim sind die Wörter identisch.

(Zweck/Zweck; fragen/fragen)

 

Beim gleichlautenden Reim, oder äquivoke Reim, reimen sich homophone Wörter, also Wörter die bei gleicher oder ähnlicher Aussprache verschiedene Bedeutungen haben.

(lehre/leeren)

 

Rührende Reime reimen auch den Anlaut (der erste Laut eines Wortes) mit.

(schwirrt/wird)

 

In einem Endsilbenreim reimen sich die nebentonigen und unbetonten Endsilben (denn/Harpyien)

 

Bei einem Vorreim reimen sich ebenfalls die Vorsilben.

(ertragen/erfragen)

 

Ein Doppelreim besteht aus zwei Zeilen und jedes letzte Wort reimt sich auf das des vorherigen Satzes.

Poppy Poetry III (Bild: Jennifer Goldberger / AllPosters)

Poppy Poetry IV (Bild: Jennifer Goldberger / AllPosters)

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