Das Portugal-Virus schlägt zu

Zunächst verliebt sich die Autorin in Madeira, dort in einen Portugiesen und zuletzt und für immer in Portugal. Sie siedelt mit ihrem Portugiesen in den westlichen Zipfel Europas über, lernt mit und durch ihn Land und Leute kennen und muss dann feststellen, die Liebe zum Land festigt sich, die zu ihrem querrido (Schatz) leider nicht. Nach der Trennung stellt sich die Frage: in Portugal bleiben oder nicht? Aber das Portugal-Virus hat längst zugeschlagen. Es sitzt im Herzen und das spürt jeder Leser, der dieses Buch in die Hand nimmt. Christina Zacker erzählt mit Liebe und vor allem viel Humor über ihre Abenteuer in Portugal.

Wer friert denn im sonnigen Süden?

"Noch nie habe ich so gefroren wie in Portugal." Diese Erfahrung machen alle, die einmal einen Winter in Portugal verbringen, obwohl "Richtig kalt wird es, zumindest tagsüber, doch fast nie." Aber lediglich ein Kamin als Heizung im Zimmer ist lange nicht so kuschelig, wie in Romanen beschrieben. Die Autorin schildert den kalten Nordwind, der durch Fensterritzen zieht, denn portugiesische Häuser sind lange nicht so dicht, wie deutsche. Sie wundert sich über Landsleute, die draußen mit dicken Mänteln herumlaufen. Bis sie erkennt: "Könnte es daran liegen, dass man innerhalb des Hauses friert?" Eine Heizung gehört nicht automatisch in jede portugiesische Wohnung. "Das Merkwürdige: Ich bin immer noch guter Dinge." Der Grund: "Es macht einfach Laune ..., wenn man im Dezember oder Januar sein Mittagessen im Freien … genießen kann. Und noch etwas kommt dazu: die Menschen in Portugal."

Typisch portugiesisch

Die Menschen in Portugal sind liebenswürdig. Sie haben ihre Eigenheiten, liebenswürdige Eigenheiten und selbst das, was in Deutschland angeblich viel besser wäre, ist in Portugal nicht so schlimm. Es heißt não faz mal (ist nicht so schlimm) oder é a vida (das ist das Leben), ein Stoßseufzer der Portugiesen. Aber diese Gelassenheit (paciência) bedeutet nicht, dass in Portugal alles langsam und träge läuft. Der portugiesische Stierkampf ist alles andere als träge und im Fußball entladen sich die Emotionen voller Energie. Aber immer friedlich und genau so schildert das Buch alle Begegnungen mit den portugiesischen Menschen. Egal, ob Christina Zacker über ihre Erlebnisse mit Nachbarn berichtet, über die PTelecom, über Behörden, Handwerker und Vermieter, sie schildert ehrlich, was schief läuft und was ihr gefällt. Allerdings spürt der Leser, sie mag die Menschen. Sie fühlt sich überall willkommen und bemüht sich, dieses Entgegenkommen zurück zu geben. Fado, Fisch und Meeresfrüchte, überwältigende Landschaft, ihre Hunde sowie deutsche und portugiesische Freunde sorgen dafür, dass es genug zu erzählen gibt, von der Reise ins "gelobte Land".

Eine portugiesische Liebeserklärung

Dieses Buch liest sich trotz aller Schwierigkeiten, mit denen ein Aus- (Ein-)reisender in ein fremdes Land zu kämpfen hat, wie eine Liebeserklärung. Portugal fasziniert seine Besucher. Und wer darüber nachdenkt, dem Land mehr als nur einen Besuch zu schenken, der sollte "Kann den Fado fade sein?" einfach lesen. Residenten (Ausländer, die schon lange im Land leben), also so genannte alte Hasen, erkennen sich im Buch wieder. Urlauber, die Wiederholungstäter sind, stellen fest: das hab ich auch schon so erlebt und solche, die nur einmal ihre Nase auf einem Kurztrip in die Straßen von Lissabon stecken, seien vorgewarnt. Das Portugal-Virus ist sehr ansteckend. Es zieht viele Touristen immer wieder an. In Portugal ständig zu leben, ist dennoch anders. Für Christina Zacker wurde Portugal zur neuen Heimat. Der Humor, der in all ihren Geschichten zum Vorschein kommt, erwies sich offensichtlich nicht nur im Buch, sondern auch im echten Leben als sehr hilfreich. Humor scheint auch den Portugiesen eigen zu sein, obwohl ihnen immer und überall eine traurige Sehnsucht nachgesagt wird. Saudade, ein unübersetzbares Wort, befällt jedoch nicht nur Portugiesen, sondern auch alle, die sich in das kleine Land am Rande Europas verlieben. Sie kommen wieder, getrieben von einem Virus.

"Kann den Fado fade sein?" Meine Abenteuer in Portugal
Christina Zacker
Heyne-Verlag 2012 Taschenbuch - 303 Seiten
ISBN-Nummer: 978-3-453-60247-2

Autor seit 10 Jahren
149 Seiten
Laden ...
Fehler!