Die Kinoversion von 1982

Auch wenn der Film von vielen Kritikern als Kitsch für Jugendliche kritisiert wurde, gehen Inhalt, Stil und Musik in der Kinofassung des Films eine wunderbare Einheit ein. Auf eine andere, weniger alltägliche, fast mythische Ebene wird die Geschichte gehoben. Es geht um mehr als nur um die armen "Greaser" aus der Vorstadt, um Ponyboy und Johnny und ihre Auseinandersetzungen mit den reichen "Socs", denen es nicht reicht, dass ihnen die Welt gehört. Es geht um Familie, um den Wunsch, dazuzugehören, und ums Älterwerden und den Verlust von Idealismus und Unschuld.

Und das war ja das Ziel des Ganzen. Ein "Vom Winde verweht" für Kids sollte "The Outsiders" laut Coppola werden. Alles, was passiert, wirkt "bigger than life". Und der Verweis auf "Vom Winde verweht" ist ja auch äußerst passend, denn es ist das Buch, das Ponyboy seinem Freund Johnny vorliest, als sie auf der Flucht vor der Polizei auf dem Land Unterschlupf suchen.

Besonders beim abschließenden Bandenkampf und beim Tod von Dallas ist dann gerade die Filmmusik außerordentlich wirkungsvoll. Denn die Kinofassung hat eine gewaltige, gefühlvolle, symphonische Musik von Coppolas Vater Carmine. Das passt zu diesem großen Breitwand-Hollywood-Melodram im Stil von Filmen wie "Denn sie wissen nicht, was sie tun". "The Outsiders" ist darüberhinaus ungeheuer stilisiert, z.B. durch die Kamera (schiefe Einstellungen oder extreme Ober-, Unteransicht). Und jeder, der den Film kennt, erinnert sich an die Farben des Sonnenaufgangs und an das Gedicht von Robert Frost:

Nature's first green is gold,
Her hardest hue to hold.
Her early leaf's a flower;
But only so an hour.
Then leaf subsides to leaf.
So Eden sank to grief,
So dawn goes down to day.
Nothing gold can stay.

"Stay gold" schreibt Johnny dann in seinem Abschiedsbrief an Ponyboy: Verlier nicht die kindliche Unschuld, mit der du dir den Sonnenuntergang ansiehst. Werd nicht abgebrüht und prosaisch, wie so viele andere, wie die meisten Erwachsenen.

Der vollständige Roman

Die vollständige Version (113 min) stimmt ziemlich genau mit der ursprünglichen Version des Films überein, die Regisseur Francis Ford Coppola damals auf Druck des Studios auf 91 min herunterschneiden musste. Seit der Film 1983 in den Kinos lief, erhielt Coppola über die Jahre hinweg immer wieder Briefe, in denen gefragt wurde, was mit der einen oder der anderen Szene aus dem Buch geschehen sei. Das hatte auf Dauer so viel Wirkung, dass Coppola sich an die Arbeit machte. Da die neue Version sich jetzt noch enger an die Vorlage von Susan E. Hinton hält, heißt sie jetzt: "The Outsiders. The Complete Novel".

Die ergänzten Szenen

Besonders am Anfang und am Ende hat Coppola Lücken gefüllt. Die Kinofassung beginnt nach dem Vorspann gleich mit Ponyboy, Johnny und Dallas in der Stadt. Jetzt sieht man endlich auch die Eingangsszene des Romans, in der Ponyboy das Kino verlässt (Es läuft ein Film mit Paul Newman: "The Hustler"/"Haie der Großstadt"von 1961) und auf dem Heimweg von Socs verfolgt und überfallen wird. Die Brüder und Freunde, die kommen und helfen, werden hier jetzt viel ausführlicher vorgestellt. Eingefügt wurde ein längeres Gespräch zwischen Ponyboy und Sodapop vor dem Einschlafen, so wie am Ende eine Aussprache zwischen den drei Brüdern, die jetzt mehr im Mittelpunkt stehen. Am Schluss gibt es nun auch die Gerichtsszene und vor allem die Aufforderung des Lehrers an Ponyboy, einen Aufsatz zu schreiben, um seine Versetzung zu retten. Jetzt weiß auch derjenige, der das Buch nicht gelesen hat, warum Ponyboy sich an den Schreibtisch gesetzt hat, um dann mit diesen Worten zu beginnen: "Als ich aus dem Kinodunkel in den Sonnenschein trat, hatte ich nur zweierlei im Kopf: Paul Newman und einen Anhalter nach Hause."

Die Outsider (Bild: AllPosters)

Ein Rock ’n’ Roll-Film

Die neuen Szenen verändern den Film natürlich im Grunde nicht, und trotzdem handelt es sich in gewisser Weise um einen anderen Film, denn Coppola hat einen neuen Soundtrack eingefügt.

Jetzt wirkt alles realistischer, bodenständiger, da Coppola sich für die Musik entschieden, die, "die Kids selbst hören". Gleich am Anfang kommt z.B. "Real Wild Child" von Jerry Lee Lewis und im Folgenden eine Menge passender Instrumentals oder viel Elvis, was im Buch allgemein Greaser-Musik genannt wird. (Socs mögen ja lieber die Beatles.) "The Outsiders" wirkt jetzt viel eher wie ein Rock´n´Roll-Film, was ihm aber Einiges von seiner Wirkung nimmt.

Denn die großen Gefühlen oder das Lyrische, für das "Vom Winde verweht" oder der Sonnenaufgang oder das Gedicht von Robert Frost stehen, treffen jetzt auf thematisch mitunter ziemlich schematisch ausgesuchte Songs. Sitzen Johnny und Ponyboy am Lagerfeuer unter freiem Himmel, singt Elvis "Blue Moon", steigen sie in einen Güterzug, hört man "Mystery Train" von Elvis.

Gone with the Wind Movie Rhett ...

Gone with the Wind Movie Rhett Butler and Scarlett O'Hara Embrace (Bild: AllPosters)

Elvis

Elvis (Bild: AllPosters)

Die DVD

Die DVD kann mit schönen Extras aufwarten kann: Darunter sind ein Wiedersehen mit den Darstellern, Interviews, ein Film-Familien-Treffen bei Coppola in Kalifornien, Bilder vom Casting, den Proben, den Dreharbeiten und sogar noch einige zusätzliche Szenen. Besonders schön ist eine kleine Doku mit Susan. E. Hinton, die durch ihre Heimatstadt Tulsa an einige Drehorte führt und von den Dreharbeiten erzählt. (Hinton ist im Film die Krankenschwester, die Dallas (Matt Dillon) fluchend aus dem Zimmer schmeißt: "You make my stomach sick.")

Leider ist die Kinofassung momentan nicht mehr erhältlich. Wenn man den Film also sehen will, muss man nun zu dieser neuen Version greifen, die einserseits den wunderbaren Vorteil der Vollständigkeit hat. Andererseits werden gerade die, die den Film von früher gut kennen und lieben, die alte Atmosphäre schmerzlich vermissen.

Ralph Macchio - The Outsiders (Bild: AllPosters)

Matt Dillon - The Outsiders

Matt Dillon - The Outsiders (Bild: AllPosters)

Eine weitere S. E. Hinton-Verfilmung von Coppola:
"Rumble Fish" auf Englisch:
Rumble Fish
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