Kindheit in Österreich

Otto Preminger wurde am 5.Dezember in einer jüdischen Familie in Österreich geboren. Wiener Urkunden bestehen auf dem Jahr 1905, doch Preminger in seiner Autobiographie auf 1906. In seiner Autobiographie schreibt Preminger fast nur über seinen sehr geliebten Vater Mark, der im Kaiserreich als Jude dennoch Karriere gemacht hatte und danach als erfolgreicher Anwalt arbeitete. Mit acht Jahren wurde Otto Preminger von älteren Jungen brutal verrügelt und bekam damit den Antisemitismus trotz der privilegierten Stellung der Familie zu spüren. Er sollte später nie wirklich seinen Frieden mit der alten Heimat schließen und meinte, daß man in Österreich und Bayern nicht weit davon entfernt sei, zu glauben, dass es schade sei, dass Hitler den Krieg verloren habe.

Fil Director Otto Preminger During ...

Fil Director Otto Preminger During Shooting of "The 13th Letter" (Bild: AllPosters)

Anfänge beim Theater und die frühen Filme

Früh zog es ihn zum Theater. Er geriet ins Umfeld von Max Reinhardt und wurde in den 30'ern selbst eine Theaterpersönlichkeit Wiens, als er das Theater in der Josefstadt leitete. Diesem Ruhm verdankte er den Ruf nach Hollywood zur gerade entstandenen 20th Century Fox, doch wegen Auseinandersetzungen mit Darryl F. Zanuck ging er nach zwei kleinen Filmen als Theaterregisseur nach New York. Einer Nazi-Rolle in dem Stück "Margin for error" (1939) verdankte er die Möglichkeit zur Regie bei der gleichnamigen Verfilmung von 1943. Nach anfänglichem Widerstand von Zanuck drehte er dann 1944 mit "Laura" seinen ersten Klassiker, einen 'Film Noir' über Männerphantasien, in dem ein Detektiv sich bei Nachforschungen in das vermeintlich erschossene Opfer verliebt. Mit den Hauptdarstellern Gene Tierney und Dana Andrews entstanden noch weitere Filme, darunter der gemeinsame Krimi "Faustrecht der Großstadt" (1950). Trotz der hohen Qualität von diesen und anderen Studioproduktionen ("Whirlpool" (1949) ist trotz eines Happy Endings ein dunkler Film über die Rolle der amerikanischen (Haus-)Frau in der bürgerlichen Ehe) war Preminger in dem von ihm Wurstfabrik titulierten Hollywood wegen fehlender Freiheit nicht glücklich.

"Laura" (Trailer)
"Laura" auf DVD
Laura

Mit Vorliebe zur Kontroverse gegen die Zensur

Solange er für ein Studio arbeitete, musste er sich auch den üblichen Zensurauflagen beugen. So mussten bei der Verfilmung des Skandalromans "Amber die große Kurtisane" (1947) Zugeständnisse gemacht werden. Daher war es nur konsequent, dass er sich unabhängig machte. Die erste eigene Produktion wurde die heitere Boulevard-Komödie "Wolken sind überall" (1953), die wegen Begriffen wie "Jungfrau" und "Verführung" ohne das Einverständnis des Hays Office und der katholischen Anstandsliga entstand und daher nur in den Städten ein Erfolg war.

Nach dem Western-Melodram "Fluß ohne Wiederkehr" (1954) endlich vollständig 'independent', entwickelte Preminger eine sich wiederholende Marketing-Strategie. Er wählte gerne Bestseller über ein kontroverses Thema. In der Folge ging er dann keiner Diskussion und keiner Auseinandersetzung aus dem Weg, was natürlich eine großartige Werbung darstellte. Durch viele Interviews und Fernseh-Talkshows wurde er eine Medienberühmtheit. Prozesse scheute er dabei nicht. Sie waren eine Prinzipienfrage für ihn. Er bestand auf seinem Recht auf freie Meinungsäußerung, die für ihn der zentrale Punkt der amerikanischen Verfassung und ihrer Freiheitsrechte war.

"Fluß ohne Wiederkehr" (Trailer)

Eine Reihe von Klassikern

Das Opernmusical "Carmen Jones" (1954) war der erste allgemein erfolgreiche Film nur mit schwarzen Schauspielern. "Der Mann mit dem goldenen Arm" (1955), mit Sinatras unvergesslicher Cold-Turkey-Sequenz, ist immer noch einer der besten Filme zum Thema Heroin. In dem handlungsarmen "Bonjour Tristesse" (1957) mit Jean Seberg konzentriert Preminger sich ganz auf die Figurenpsychologie. "Anatomie eines Mordes" (1959) ist nicht nur ein packender Gerichtsfilm, sondern auch eine Lektion in amerikanischer Justiz und ihren grundlegenden Prinzipien. "Exodus" (1960) zeigt dank des Drehbuchs von Dalton Trumbo die Gründungszeit des Staates Israel weitestgehend ausgewogen und zurückhaltend. In der Regierungsunterstützung für den systemkritischen Washingtonfilm "Sturm über Washington" (1962) sah Preminger gerade den Beweis für die grundsätzliche Funktionsfähigkeit des amerikanischen Systems. "Der Kardinal" (1963) widmet sich ohne Polemik der katholischen Kirche und spart auch ihre Rolle während der Nazizeit nicht aus. Im Allgemeinen versuchte Preminger auch bei kontroversen Themen, objektiv zu bleiben, und verzichtete möglichst auf Schurken. "Erster Sieg" (1964) ist ein Kriegsfilm mit ungewöhnlich geringem Interesse für Schlachtszenen.

 

"Exodus" (Trailer)
"Exodus" auf DVD
Exodus

Die späten Filme

Später drehte er eine Reihe weniger erfolgreicher Filme, darunter das zu theoretische, etwas zähe Rassisten-Drama "Morgen ist ein neuer Tag" (1967), die Komik-Katastrophe "Skidoo" (1968) oder das Terroristendrama "Unternehmen Rosebud" (1975). Doch auch wenn er nicht mehr so viel Ausehen erregen konnte wie früher, so hatte er seine inszenatorischen Fähigkeiten nicht verloren. "So gute Freunde" (1971) ist ein interessanter Beziehungsfilm und nebenbei eine unglaublich wahre Arztsatire. Auch sein letzter Film ist gelungen: Die formal geschlossene und kühl beobachtende Graham-Greene-Adaption "Der menschliche Faktor" (1979) endet allerdings in auswegloser Einsamkeit.

"Der mann mit dem goldenen Arm" (Trailer)

Premingers visueller Stil

Preminger bevorzugte lange Kameraeinstellungen, sorgfältig komponierte Plansequenzen. Statt eines Schnittes entschied er sich im Zweifelsfall für eine Kamerabewegung, denn er wollte keine Zerstörung der Illusion. Nur so konnte er sorgfältig die Beziehungen zwischen den Figuren ausloten. Geeignetes Hilfsmittel hierfür war das seit 1954 von ihm genutzte Cinemascope-Verfahren. Sehr wichtig war ihm die Natürlichkeit der Darstellung der Schauspieler, denen das Spielen nicht, wie auf dem Theater, angemerkt werden sollte. Dies ist sicher eine der großen Qualitäten seiner besten Filme, wobei er darüberhinaus ein ausgezeichnetes Gespür für die richtige Besetzung hatte.

Otto Preminger starb am 23.4.1986 an Alzheimer. Von seinen drei Ehen war nur die letzte mit Hope wirklich harmonisch. Die beiden hatten Zwillinge. Ein weiterer Sohn stammt aus einer nichtehelichen Bekanntschaft.

Preminger höchstpersönlich macht in einem Kinotrailer Werbung à la Hitchcock: "Anatomie eines Mordes"
"Anatomie eines Mordes" auf DVD:
Anatomie eines Mordes

Otto Preminger Raising Champagne Glass in Hollywood Office During "Anatomy of a Murder." (Bild: Gjon Mili / AllPosters)

Otto Preminger Behind a Camera ...

Otto Preminger Behind a Camera During Production of Anatomy of a Murder (Bild: Gjon Mili / AllPosters)

Otto Preminger Looking at Stray ...

Otto Preminger Looking at Stray Cats on Venice Street (Bild: Gjon Mili / AllPosters)

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