Die Person Helmut Schmidt

Wenn man die Person Helmut Schmidt beurteilen will, muss man seine Herkunft kennen und seinen persönlichen Werdegang verfolgen. Geboren wurde er am 23. Dez. 1918 in Hamburg als drittes Kind der Eheleute Gustav und Ludovica Schmidt. Nach seinem Abitur absolvierte er 1937 seinen Wehrdienst. Obwohl sein Vater jüdischer Herkunft war, ist Schmidt Protesant, was ihm damals zu Gute kam. Obwohl er kein überzeugter Nationalsozialist war, war er anfangs doch beeindruckt von deren Aufstieg.Nach dem Abitur absolvierte er seinen Wehrdienst und nahm aktiv am zweiten Weltkrieg teil. Diese Kriegszeit prägte seinen weiteren Werdegang und er wandte sich später von den Nationalsozialisten ab. Seine politischen Ansichten waren, dass sich so etwas nie mehr wiederholen darf.

Nach dem Krieg und der Entlassung studierte Schmidt Volkswirtschaft in Hamburg, unter anderem unter Karl Schiller. Persönlich bezeichnet er sich nicht als ehrgeizig, dennoch ist es ihm wichtig, wenn er besondere Aufmerksamkeit genießt. Dies zeigt sein gesamtes politischer Werdegang.

Helmut Schmidt heiratete am 01.07.1942 seine Jugendfreundin Hannelore (Loki) Glaser (1921 - 2010). Die Eheleute Schmidt haben zwei Kinder, Helmut Walter und Susanne. Der Sohn Helmut Walter verstarb 1945. Helmut Schmidt war sehr vielseitig, so malte er unter anderem und nahm als Pianist mehrere Schallplatten auf.

Politischer Werdegang

Helmut Schmidt war seit frühester Jugend an politisch interessiert. Dies setzte sich sein ganzes Leben fort. So zog er schon sehr früh in den Deutschen Bundestag ein. Dessen Mitglied war er von 1953 - 1962 und von 1965 - 1987. War er anfangs nur einfaches Mitglied, rückte er später immer mehr in Führungsrollen der Partei und der Regierung unter Willi Brandt.

Dazwischen war er in seiner Heimatstadt Hamburg ein führender Politiker. 1961 war er Senator der Polizeibehörde in Hamburg . Bekannt wurde er 1962 als Krisenmanager bei der Sturmflut 1962 in Hamburg. Hier trat er als aktiver Gestalter der Hilfsorganisation in Erscheinung.

In der zweiten Phase seiner Mitgliedschaft im Deutschen Bundestag (1965 - 1987) trat er auch auf Bundesebene in den Vordergrund. Zunächst nahm er eine Führungsrolle in der SPD wahr, hier war er von 1967 bis 1969 Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. Durch sein Redetalent fiel er hier besonders auf und wurde alsbald als Schmidt-Schnauze bezeichnet.

Ab 1969 übernahm er aktive Regierungsverantwortung in Form von verschiedenen Positionen als Bundesminister. Von 1969 bis 1972 war er Bundesminister der Verteidigung, von 1972 Bundesminister für Wirtschaft und Finanzen, im gleichen Jahr bis 1974 Bundesminister für Finanzen. Als Willi Brandt als Bundeskanzler zurückgetreten war, wurde Helmut Schmidt der fünfte Bundeskanzler der BRD. Bis 1982 war er als Bundeskanzler für die politische Gestaltung verantwortlich. Durch das Verlassen der FDP-Minister 1982, trat er nach einem Misstrauensvotum als Bundeskanzler zurück. Bis 1987 war er noch Mitglied des Deutschen Bundestages, schied danach aus.

Politik und Zeitkommentator

Schwerpunkte seiner Politik

Seine Kanzlerschaft war geprägt durch innen- als außenpolitische brisante Themen. Bei Amtsantritt hatte die Wirtschaftskrise schon begonnen, ausgelöst durch die Ölkrise 1973. War sein Ziel Vollbeschäftigung und Wachstum der Wirtschaft, so konnte er dieses Ziel doch nie erreichen. Eine besonders schwierige Zeit war für ihn die terroristischen Aktivitäten der RAF. Im September 1977 wurde der Arbeitgeberpräsidenten Hans-Martin Schleyer entführt und am 13. Oktober die Lufthansamaschine "Landshut". Die Entführung des Flugzeuges der Lufthansa durch palästinensische Aktivisten mit der Forderung nach Freilassung von RAF Häftlingen waren eine schwere Zeit für ihn als Bundeskanzler. Einerseits konnte er die Forderung nach Freilassung nicht nachgeben, andererseits musste er um die Ermordung der Insassen fürchten. Die Entscheidung durch die Erstürmung durch die GSG 9 am 18.10.1977 prägte ihn sehr. Am Tag darauf fand man Schleyer tot im Auto.

Ein weiterer zentraler Aspekt seiner Kanzlerschaft war die Sicherheitspolitik der BRD. Als die Sowjetunion SS 20 Bomben in der DDR stationierte, betrieb Schmidt zusammen mit den US Präsidenten Carter und Reagan die Aufrüstung der NATO mit Pershing II und Cruise-Missil-Raketen. Schmidt setzte sich sehr stark für den Nato-Doppelbeschluss ein und knüpfte sogar seine politische Zukunft an die Ratifizierung des Vertrages. Der Bundestag beschloss die Ratifizierung, jedoch belastete dieser Beschluss die Koalition mit der FDP. Auch Gesellschaftspolitisch war der NATO-Doppelbeschluss sehr umstritten. Zwar gewann Schmidt die Bundestagswahl 1980, jedoch verliesen die FDP-Minister 1981 die Koalition. In einem konstruktiven Misstrauensvotum verlor er am 01.10.1982 die Mehrheit und trat als Bundeskanzler zurück.

Helmut als Mitherausgeber der Zeit

Die Verantwortlichen der Zeitung "Die Zeit" erkannten den Wert der Person Helmut Schmidt und machten ihn zum Mitherausgeber. In vielen Kommentaren für diese Zeitung äußerte sich Schmidt kritisch zur allgemeinen Politik und beschrieb nationale und internationale ökonomische Zusammenhänge . Seine Reputation durch diese Veröffentlichungen nahm deutlich zu. Ebenfalls schrieb er mehrere Bücher, in denen er seine Gedanken zusammenfasste. Noch heute tritt Schmitt gelegentlich in Talkshows auf und nimmt Stellung zu politischen Themen.

Worauf basiert seine Popularität

Wie bei vielen Politikern beruht seine Popularität darauf, dass er über ein ausgeprägtes Redetalent verfügt. Er verstand es seine Ansichten und Meinungen in hervorragender Weise rhetorisch darzustellen. Große Anerkennung brachten ihm sein Krisenmanagement, sowohl in Hamburg nach der Springflut 1962, als auch bei der Befreiung der Landshut durch die GSG 9. Er verkörperte den pragmatischen Kanzler, dessen Entscheidungen von der Bevölkerung nachvollzogen werden konnten. Schmidt setzte sich trotz der Aufrüstung des Westens für die unter Brandt begonnene Entspannungspolitik gegenüber dem Ostblock ein. So pflegte er ein gutes Verhältnis zu Breschnew.

Schmidt bemühte sich ebenfalls um ein gutes Verhältnis mit dem deutschen Nachbarn Frankreich. Zu dem französischen Präsidenten Valéry Giscard D'Estaing hatte er ein sehr gutes Verhältnis, was das Deutsch-Französische Beziehung sehr stark förderte. Schmidt war stets ein international denkender Politiker, der besonders den europäischen Gedanken weiterentwickelte. Durch seine Erlebnisse im zweiten Weltkrieg war er stark geprägt und erkannte, dass eine Vermeidung zukünftiger Kriege durch den europäischen Gedanken und Weiterentwicklung der Europäischen Gemeinschaft der beste Schutz vor neuen kriegerischen Auseinandersetzungen ist. Er war aber auch Realist, was das Verhältnis gegenüber der Sowjetunion und dem Warschauer Pakt betraf.

Seine Popularität beruht auch darauf, dass seine politischen Entscheidungen im Nachhinein oftmals als richtig anerkannt wurden. Obwohl er manchmal als unnahbar gilt, wird seine Ausstrahlung als Charisma gewertet.Ein Markenzeichen von Schmidt ist sein ständiges Rauchen. Dies tut er auch im Fernsehen, obwohl es in keiner Sendung mehr Personen gibt die rauchen.

Autor seit 3 Jahren
90 Seiten
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