Die Legende der Salome

Die hübsche Tochter der Herodias tanzte mit sieben Schleiern auf der Geburtstagsfeier des Königs Herodes. Er war so verzückt von ihrem Tanz, dass er ihr jeden Wunsch erfüllen wollte, sogar sein Königreich wollte er ihr geben. Sie forderte jedoch das Haupt Johannes des Täufers, das man ihr auf einem Silbertablett lieferte.

Dies war ein Racheakt ihrer Mutter. Sie war in erster Ehe mit dem verstoßenen Onkel Herodes Boethos verheiratet, soll aber eine Beziehung mit dem reichen Herodes Antipas eingegangen sein. Johannes der Täufer kritisierte den Ehebruch, was zu seiner Gefangennahme und seinem Tod führte.

Tanzte Salome mit sieben Schleiern?

Der Name der Salome wird in der Bibel nicht erwähnt. Der Mythos geht auf Ischtar zurück, der babylonischen Göttin der Liebe und der Fruchtbarkeit. Ischtars Liebhaber Tammuz stirbt und geht in die Unterwelt, welche auch der Mutter Erde entspricht. Darüber ist Ischtar so unglücklich, dass sie sich mit ihren prächtigsten Kleidern und Geschmeide schmückt, um ihn zurückzuholen. Um in die dunkle Unterwelt zu gelangen, muss sie sieben Mal sieben Tore durchschreiten. An jedem Tor muss sie dabei ein Pfand in Form eines Kleidung- oder Schmuckstückes hinterlassen. Während ihrer Abwesenheit ist Welt wie im Todesschlaf und erstarrt vor Kälte. Blumen und Pflanzen wachsen nicht und die Menschen finden keine Liebe und keine Fröhlichkeit. Als sie Tammuz unter ihrem Schleier in ihre Arme nehmen kann, steigen beide auf und der Winter ist vorbei. Der Frühling ist zurück und mit ihm erwacht die Welt zu neuem Leben.

Ischtar, babylonische Göttin (Bild: Evelyn Paul / AllPosters)

Ischtar Tor aus Babylon im Pergamon Museum, Berlin (Bild: AllPosters)

Von der Muttergöttin zum Patriarchat

Die Fruchtbarkeitsgöttin Ischtar schenkt in dieser Legende das Leben, Salome soll Leben genommen haben. In diesem Gegensatz ist der Wandel von weiblichen Muttergöttinnen auf eine patriarchalische Religion zu erkennen. Tanzten die Frauen vorher vor ihren Göttinnen im Tempel, wurden sie jetzt aus der Öffentlichkeit in das Haus verband. Die Macht der Frauen wurde beschränkt. Man nahm ihnen ihren Besitz. Sie wurden Eigentum des Mannes. Das Ischtar-Tor kann im Pergamon-Museum in Berlin bestaunt werden.

Aus dem Tanz der sieben Schleier der Ischtar wurde der Willkommenstanz oder auch Shalome-Tanz (Shalom hebräisch: Guten Tag, Frieden) und später der Tanz der Salome.

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Maud Allan Dancing During a Performance at the Varietes, Paris (Bild: AllPosters)

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Teresa Cerutti Italian Singer, as Salome in Strauss's Opera (Bild: AllPosters)

Ist der Schleiertanz typisch orientalisch?

Schleiertänze sind eine Erfindung des Westens. Sie stellen den Orient so dar, wie man sich ihn im 19. Jahrhundert ausmalte. Die wenigsten Künstler hatten den Orient mit eigenen Augen gesehen oder je einen Harem von innen gesehen. Sie malten prächtige Bilder von Orientaltänzerinnen und Frauen beim Bade im Hamam. Der Schleier war für sie etwas Geheimnisvolles, welches den Blick in diese Welt versperrt. Für Orientalinnen war der Schleier ein Kleidungsstück, ein Tanz mit dem Schleier wäre eher einem Striptease nahe gekommen. Auch heute nutzen orientalische Tänzerinnen den Schleier meist nur kurz zu Beginn ihrer Aufführung.

Der Orient auf der Weltausstellung

In der Great Columbia Exposition in Chicago in 1893, sah die westliche Welt erste Orientaltänzerinnen wie z.B. Little Egypt, die so gar nicht ihrer Fantasie und ihren Moralvorstellungen entsprachen. Waren sie doch eher klein und kräftig. Beim Tanz bewegten sie geschmeidig ihre Hüften, während es noch unschicklich war, Knöchel oder gar Bein zu zeigen. Trotz aller Aufregung und Beschwerden wegen unsittlichen Verhaltens fand Little Egypt zahlreichen Nachahmerinnen. In den Burlesque-Shows tanzten plötzlich lauter kleine Little Egypts, die zwar vom orientalischen Tanz keine Ahnung hatten, dafür aber umso mehr Haut zeigten.

Der amerikanische Bauchtanz

Die amerikanischen Tänzerinnen adoptierten den Bauchtanz. Der Orient wurde modern. Häuser wurden orientalisch geschmückt, die Haremshose kam in Mode. Die Serpentinentänzerin Loie Fuller tanze ihren Schleiertanz mit einem beleuchteten Cape. Die Künstlerin Ruth St. Denis ließ sich davon inspirieren und entwickelte Schleiertänze. Der Schleiertanz gehört zu den Fantasietänzen, der in den 80er-Jahren nach Europa kam.

Die Figur der Salome fand Einzug in Oper, Theater und später auch im Film. Die Oper Salome von Richard Strauss geht zurück auf das von Oscar Wilde in 1891 geschriebene Drama. Auch Hollywood fand Gefallen an dem Thema.

Schleiertanz

Meinen ersten Tanz der sieben Schleier sah ich mit Begeisterung auf einem Video mit den Namen Magisches Feuer des Orients des Oasis Dance Ensembles aus Berlin. Die Tänzerin Fidi Cioponea-Schweer tanzt hier fast magisch ihre sieben Schleier ab. Die Beleuchtung ist in Schwarzlicht gehalten, was der Szene noch mehr Mystik verleiht.

Wer sich tänzerisch an dieses Thema wagen möcht findet mehr Informationen unter: Bauchtanz - Schleier in verschiedenen Formen.

Quelle: Die Schlange vom Nil, Wendy Buonavatura.

Das Buch wurde im Jahre 1992 von Zweitausendeins herausgebracht. Es ist leider nur noch gebraucht erhältlich. Für mich ist es eines der besten Bücher über die Geschichte des Bauchtanzes, mit zahlreichen alten Fotos und berühmten Gemälden auf 208 Seiten im Bildbandformat (28,4 x 24,9 x 2,3 cm). Ich würde es nie mehr hergeben wollen.

 

 

 

 

 

 

Die Paperback-Version wurde im Februar 2012 neu herausgegeben. Es ist eine aktualisierte Ausgabe, die aus dem Englischen übersetzt wurde. Die liebevoll bebilderte Ausgabe geht den Ursprüngen des orientalischen Bauchtanzes nach. Ein Geschenk für sich selbst oder die beste Freundin.

Reisefieber, am 18.11.2013
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Bildquelle:
Reisefieber (Bauchtanz – Schleier in verschiedenen Formen)

Autor seit 3 Jahren
164 Seiten
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