Maisfeld in Baden-Württemberg

Maisfeld in Baden-Württemberg (Bild: ©Monika Hermeling)

Grundlagenforschung mit Kindern zum Thema

Gertraud Benke studierte an der Stanford University School of Education. Sie arbeitet am Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung und schloss 2015 an der Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt ihre Habilitation zum Thema Unterrichtsforschung ab. Sie untersuchte die Hintergründe der Frage: Sind Pflanzen Lebewesen?
Im Anfang bat sie Schüler einer Grundschule ihr zu erklären, was eine Pflanze sei. Die Jüngeren beschränkten sich auf die Auskunft der Farben und Formen. Ältere Kinder gingen auf die unterschiedlichen Formen von Blüten, Stängeln und Blättern ein. Erst noch reifere Kinder gaben als wesentlichen Unterschied der Pflanzen zu den Tieren und Menschen an, dass Pflanzen aus der Erde wachsen. Die Wissenschaftlerin betont, dass erst Kinder die diesen Schritt gedanklich vollzogen haben, Pflanzen als Lebewesen einordnen. Vor dieser Erkenntnis, werden nur Mensch und Tier von Kindern als Lebewesen angesehen.
Anhand dieser Beobachtung erkannte Gertraud Benke dass die Veränderung der eigenen Position für ein erweitertes Denken maßgebend ist.
Die Wissenschaftlerin führte als Beispiel an, das Kinder sich die Erde meist als Scheibe vorstellen. Damit sie erkennen, dass die Welt eine Kugel sei müssten sie, um zu einem realen Bild zu kommen, Bilder der Erde betrachten, die aus dem Weltall fotografiert wurden.
Durch diesen Positionswechsel werde das Denken verändert und die Möglichkeit erwogen, dass nicht immer der eigene Standpunkt und die eigene Perspektive absolut richtig sei.
Benke stellte fest, dass erlernte Konzepte das Denken der Kinder über die Natur nachdrücklich beeinflussen. Als Gärtner definierten die Kinder überwiegend einen Menschen, der Pflanzen hegt und pflegt.

Bärlauch (Bild: ©Monika Hermeling)

Himbeeren aus dem Garten (Bild: ©Monika Hermeling)

Was tun Pflanzen für den Menschen?

Vereinfacht gesehen gibt es eine religiöse und eine biologische Antwort auf die Frage. Laut Bibel wurde die Erde mit Pflanzen ausgestattet, damit Menschen komfortabel auf ihr leben können.

Die Liste der Eigenschaften die Pflanzen haben und die sie Menschen und Tieren unentgeltlich zur Verfügung stellen, ist lang.

Einige Beispiele für die Tätigkeit von Pflanzen:
• Pflanzen erzeugen Sauerstoff und ermöglichen damit, dass Menschen und Tiere auf der Erde leben können
• Sie reinigen die Atemluft
• Sie erzeugen, durch die Aufspaltung von CO 2, Energie
• Pflanzen erhalten uns, durch Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzstoffe gesund und schmecken lecker
• Pflanzen wirken erotisierend
• Blumen erfreuen uns durch ihre Form- und Farbenpracht und ihren Duft
• Sie haben eine eigene Sprache
• Pflanzen sind friedlich, vertilgen aber auch Insekten
• Pflanzen regulieren das Ökosystem und den Wasserkreislauf

Ein ergänzender Artikel: Mit Wildpflanzen eine bessere Ernte?

Apfelblüte in Sigmaringen am Schloss (Bild: ©Monika Hermeling)

Gemüsegeschäft (Bild: ©Monika Hermeling)

Was tun Menschen für die Pflanzen?

Auf die Frage der Wissenschaftlerin an ältere Grundschulkinder, ob Pflanzen Menschen zum überleben brauchen, stellten viele Kinder fest, dass Pflanzen die Menschen brauchen, weil sie sonst die Erde überwuchern. Nur so könnten sie im ökologischen Gleichgewicht miteinander bleiben. Sie wussten ebenfalls, dass Pflanzen die Atemluft verbessern
Mindestens 99 Sachen sind es, die Pflanzen kostenlos für uns erledigen. Umgekehrt sieht es eher dürftig aus. In der Gegenüberstellung zu wenig.

Was Lehrern in ihrer Ausbildung zukünftig vermittelt werden muss

Die Forschungsergebnisse von Gertraud Benke haben einen großen Einfluss auf die Unterrichtsinhalte und Fachliteratur der zukünftigen Lehrer. Die bisherigen Lehrbücher zeigen zwei Wege auf wie gelernt wird:

  1. Das Gelernte wird als Gesamtmodell im Gehirn gespeichert und ist so abrufbar
  2. Einzelne Bausteine werden gelernt und flexibel zusammen gesetzt und können dann abgerufen werden

Wenn ein Lerninhalt offensichtlich vom Kind nicht verstanden wurde, gilt es zu hinterfragen, ob das gesamte Modell falsch gespeichert wurde oder nur eine Komponente.

Gertraud Benke favorisiert das Lernen in Konzepten. Diese Art zu lernen vereint beide bisherigen Lernmethoden. Benke gibt zu bedenken, dass es beim Lernen in Konzepten noch Forschungsbedarf beim Verständnis von Pflanzen gibt. Bisher stehen nur zahlreiche Forschungen zum Thema Tier zur Verfügung.

Palme in Überlingen

Palme in Überlingen (Bild: ©Monika Hermeling)

Fazit - Sind Pflanzen Lebewesen?

In der Beurteilung ob Pflanzen Lebewesen sind, kommt es auf den eigenen Standpunkt an

Menschen, die akzeptieren das Pflanzen Lebewesen sind, haben oft schon als Kind, ein umfassendes Verantwortungsgefühl für Pflanzen, Tiere und andere Menschen gezeigt

Damit mehr Menschen lernen ökologisch zu denken und zu verhalten, bietet sich zukünftig in der Ausbildung zum Lehrer, eine Lernform in Konzepten an.

MonikaHermeling, am 28.06.2015
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Bildquelle:
Monika Hermeling (Was sind "Wildpflanzen" und wo verwendet man sie?)
Monika Hermeling (Brauchen Pflanzen einen Schutz?)
Chr. Wißler (Wie reagieren Pflanzen auf den Schadstoff Blei?)

Autor seit 4 Jahren
163 Seiten
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