Lederhosen (Bild: Romi / Pixabay)

Dirndl und Lederhosen

Auf einer Reisemesse in Göteborg erfreute eine bayerische Volksmusikgruppe die Besucher, was den Unmut der Norddeutschen meines Nachbarstandes auf sich zog. Schimpfend mussten sie die ganztägige Vorführung ertragen.

Sind Männer in Lederhosen und Frauen in Dirndl typisch deutsch? Im fernen Ausland werden gerne die Länder Deutschland (Bayern), Österreich und die Schweiz in einen Topf geworfen, herauskommt das Klischee der jodelnden und Trachten tragenden Deutschen. Da wird nicht unterschieden! Nun sind Dirndl und Lederhosen oberhalb der Weißwurstgrenze eher nicht zu finden, so schön sie auch sein mögen. Andererseits finden sich auf dem Oktoberfest zahlreiche Japaner, Italiener und andere Besucher in der so typischen Tracht. Jo, mei.

Der Ursprung der bayerischen Tracht soll übrigens auf das Jahr 1626 zurückgehen. Kurfürst Maximilian I. erließ eine Kleiderordnung zur Kennzeichnung der Gesellschaftsklassen und Aufrechterhaltung der Standesunterschiede. Die Gesellschaft wurde in sieben Stände wie Bauern, Bürger, Kaufleute, Gewerbeleute, Geschlechter, Ritterschaft und Adel unterteilt. Es entwickelte sich eine von Stand und Beruf abhängige Volkstracht. Im Jahr 1886 regte Prinzregent Luitpold dann die typische bayerische Tracht an, mit zünftigen Lederhosen für den Mann und feschem Dirndlgewand für die Frau. Diese soll der oberbayerischen Gebirgstracht nachempfunden sein.

Dirndl und Lederhosen stehen demnach eher für Bayern oder den Alpenraum, wenige für ganz Deutschland.

Bratwurst und Sauerkraut (Bild: aranha / Pixabay)

Das Sauerkraut und die Krauts

Bratwurst und Sauerkraut gelten als typisch deutsches Nationalgericht. Bei einem Besuch eines amerikanischen Vergnügungspark wurde es mir von einer Dame im Dirndl im deutschen Dorf lächelnd so verkauft. Das Merkwürdige – es wurde zusammen mit der Bratwurst in ein Hamburgerbrötchen gestopft. Abgesehen davon, dass das Kraut völlig anders als bei uns schmeckte, eine neue Kombination.

Eine deutsche Erfindung ist es leider nicht. Bereits die Chinesen sollen sich im 3. Jahrhundert vor Christus von gesäuertem Kohl ernährt haben. Die Mongolen sollen es in den Westen gebracht haben. Auch die Römer sollen es bereits geschätzt haben. Den Seeleuten half es bei der Verhinderung von Krankheiten wie dem Skorbut. In Europa soll es bereits im 15. Jahrhundert in Fässern verarbeitet worden sein. Einem französischen Küchenmeister gelang es 1804 die Konservierung von gekochten Lebensmitteln in geschlossenen Verhältnissen. So führte Napoleon Sauerkraut bei seinen Eroberungen mit sich. Im Ersten Weltkrieg gehörte es zur deutschen Heeresverpflegung, weshalb die Deutschen den Spitznamen "The Krauts" bekamen.

Wiener Schnitzel (Bild: Hans / Pixabay)

Das geliebte Schnitzel

Auf deutschen Speisekarten landauf landab findet sich das Schnitzel, meist mit Pommes frites und Salat als Beilage. Für unsere ausländischen Gäste muss es typisch deutsch erscheinen, da andere regionale Gerichte nicht immer gut vertreten sind. Ein mehrwöchiger Aufenthalt mit Restaurantessen kann da eintönig werden.

Dennoch schmeckt ihnen das panierte Schweineschnitzel meist gut. Amerikanische Freunde schwärmen davon, wenn sie hören, dass ich aus Deutschland bin. Bereits die Mauren in Spanien sollen Fleisch mit Bröseln paniert haben. Die jüdischen Gemeinden in Konstantinopel kannten im 12. Jahrhundert ebenfalls ein ähnliches Gericht. Die Italiener behaupten gar, das Wiener Schnitzel gehe auf ein Cotoletta alla milanese, das Mailänder Kotelett, zurück, was die Österreicher erboste. Glücklicherweise konnte der Sprachforscher Hans Dieter Pohl diese These in 2007 widerlegen.

Das Wiener Schnitzel ist ein echter Österreicher. Es soll aus der Tradition panierte Speisen in flüssigem Fett zu backen, entstanden sein.

Die Brezel, ein christliches Gebäck. (Bild: Labedudel / Pixabay)

Die Brezel

Die Brezel soll aus dem römischen Ringbrot entstanden sein. Im antiken Christentum wurde es beim Abendmahl gereicht. Bei der Urform stand ein Ärmchen aus dem Ring hervor, ähnlich der Nummer sechs. Aus der einarmigen Brezel wurde die heutige Form. Wer sie erfunden hat, kann nicht sicher nachgewiesen werden. 

Die geschlungene Form war bereits im Jahr 1111 nach Christus verbreitet. Sie soll die beim Beten verschlungenen Arme symbolisieren. Die Brezel galt als heiliges Gebäck.
In verschiedenen Mythen streiten sich Franzosen und Deutsche um ihre Erfindung. Mal war es ein französischer Mönch, der im Jahre 610 dabei an die betenden Pater dachte, ein anderes Mal ein schwäbischer Bäcker aus Bad Urach. Als Hofbäcker bei Graf Eberhard im Barte in Ungnade gefallen, sollte er, um dem Tode zu entgehen, einen Kuchen zu backen, durch den die Sonne dreimal scheint.

Heidi und andere Vornamen

Auch wenn unsere Vorzeige-Heidi alias Klum als Deutsche in Bergisch-Gladbach geboren wurde, ist doch die berühmteste Heidi keine Deutsche. Unsere geliebte Heidi und Geissenpeter aus Kindertagen entstammen der Schweizer Autorin Johanna Spyri und wuchsen auf einem Einsiedlerhof des Großvaters in Graubünden auf.

Und unsere Kinder heißen Mia, Emma, Ben oder Lukas, wenn sie nicht gar Chantal, Cindy, Sylvana, Sarafina oder Estafania heißen.

Reisefieber, am 30.01.2015
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Bildquelle:
Reisefieber / Biergarten (Was ist typisch deutsch?)
Droemer-Verlag ("Wunder muss man selber machen" von Sina Trinkwalder - mehr als ein...)

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