Ich beschreibe hier einmal die zwei Hauptwege. Das heiß, wenn man die Voraussetzungen für diese Wege erfüllt, hat man gute Chancen, diesen Weg einschlagen zu können. Ich beschreibe die notwendigen Voraussetzungen, die Vorteile und die Nachteile der Hauptwege.

Hauptweg 1: Wirtschaftsanwalt – Soll ich deswegen Jura studieren?

Dies ist der Jura Weg für die guten. Also die richtig Guten, oft werden zwei vollbefriedigende Examina verlangt. Ein "VB" schaffen nur ungefähr 15 % eines Jahrgangs. Zusatzqualifikationen wie Fremdsprachenkenntnisse und ein Doktortitel werden sicher gerne gesehen, aber nach meiner Erfahrung ist ein VB ohne Zusatzkenntnisse besser als kein VB mit Zusatzkenntnissen. Also nicht ablenken lassen vom Studium, Hauptsache gute Noten.

Wirtschaftsanwälte arbeiten in großen Wirtschaftskanzleien wie Clifford Chance und vielen anderen - die andauernd die genaue Bezeichnung zu wechseln scheinen, deswegen spare ich mir die Nennung weiterer Kanzleinamen - als Angestellte oder mit Glück und viel Arbeit als Partner. Die Einstiegsbezahlung ist im Vergleich zu den meisten anderen juristischen Tätigkeitsgebieten recht ordentlich und wird häufig zum Abschluss einer privaten Krankenversicherung berechtigen (ob man das dann tun sollte, ist aber eine andere Geschichte).

 

Die Arbeitszeit ist leider entsprechend, so mit 50, 60 Stunden Wochen sollte man rechnen. Dass auch 40 Stunden pro Woche eine recht lange Zeit sind, habe ich erst im Studium bei einem Praktikum gemerkt. Inhaltlich geht es um Wirtschaftsrecht, oft auch um eine Due Diligence, dabei wird ein Unternehmen, meist aus Anlass eines geplanten Kaufes, bewertet.

Hauptweg 2 für Jura-Studenten: Sogenannter "Feld, Wald und Wiesen" Anwalt

Die positive Nachricht hierbei: Man muss die Examina nur bestehen. Irgendwie, zwei Mal 4 Punkte reicht. Das ist aber auch schon recht schwierig, und ein bisschen Wissen sollte man auch haben. Vor allem beim Studieren das Zivilrecht nicht vernachlässigen, das ist besonders wichtig.

 

Außerdem ist man - abgesehen von der Sache mit den Mandanten und besonders deren Gewinnung – sein eigener Herr und kann teilweise Leuten helfen (war für mich jetzt nicht so ein Argument, am Helfersyndrom leide ich überhaupt nicht, außerdem bin ich für die notwendig einseitige Sichtweise viel zu objektiv eingestellt). Es handelt sich bei der Tätigkeit als Allgemeinanwalt um eine urjuristische Tätigkeit, auf die das Jurastudium allerdings nicht so richtig vorbereitet, auch wenn daran gearbeitet wird. Denn das offizielle Ziel der Juristenausbildung ist die Richtertätigkeit. Da muss man "nur" entscheiden, was richtig ist bzw. bewiesen werden kann. Als Anwalt muss man eine Sichtweise einseitig vertreten, die richtigen Anträge stellen, mit den Mandanten umgehen, die Mandanten vor allem bekommen und ein kleines Wirtschaftsunternehmen führen.

 

Ob man bereit ist, in der eigenen Wohnung mit der Rechtsanwaltstätigkeit anzufangen und Hinz und Kunz in den Privatbereich lassen muss jeder selber entscheiden. Es ist natürlich viel billiger. Entweder, man stellt damit fest, dass es sowieso nichts wird, oder es werden irgendwann Praxenräume gebraucht. Das führt zu ordentliche Mietkosten bei unsicheren und vielfach auch geringen Einnahmen.

Soll ich Jura studieren: Gibt es auch andere berufliche Wege?

Aber ja, massig. Nur sind da die Voraussetzungen oft nicht so klar, und es gibt weniger Stellen bzw. Arbeitsmöglichkeiten. Wenn die beiden oben geschilderten Hauptwege nicht Infrage kommen oder nicht attraktiv erscheinen, ist es auf jeden Fall sinnvoll, sich frühzeitig darüber zu informieren.

Die genaue Darstellung der Möglichkeiten würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, daher nur kurz: Es gibt weitere Berufe, die hauptsächlich mit Jura zu tun haben, aber auch viele, die damit etwas zu tun haben oder bei denen ein juristisches Studium als hilfreich angesehen wird.

Man kann Richter werden, wenn es denn offene Stellen gibt und die Noten stimmen. In ein Wirtschaftsunternehmen gehen und dort häufig auch eher kaufmännische (Leitungs-) Funktionen übernehmen. Juristen gibt es in ganz vielen verschiedenen Bereichen, manchmal auch gehäuft, so wie z.B. im Deutschen Bundestag.

Autor seit 5 Jahren
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