Im Paradies der Geier
Zweifarbiges Gefieder, majestätische ...

Zweifarbiges Gefieder, majestätisches Gleiten: der Gänsegeier (Bild: Johanna Mayrhofer)

Im Tal der Geier

Wer zum Beispiel im Parque Alcornocales wandert oder in der Nähe von Casares, oder in der Sierra von Ronda ausreitet, dem kann nicht selten passieren, dass plötzlich Geier über ihm kreisen – so wie uns es geschah bei einem Besuch auf der Burg von Jimena de la Frontera. Ein seltsames Gefühl, aber auch faszinierend.

Sie sind geschützt und gehören zu den Gänsegeiern, die übrigens keinen gelben Schnabel haben. Seit dem Klimawandel kann es auch passieren, dass sie im Sommer in die Alpen ziehen. Und keine Angst, sie sind Aasfresser oft größerer Nutztiere. Auf Nahrungssuche gehen sie bereits morgens und sie schaffen Entfernungen weit über 50 Kilometer. Und sie orientieren sich an Artgenossen, die schon fündig wurden. Weshalb man nie einen Geier allein bei einem Kadaver sieht. Ich kannte einen Bauern in der andalusischen Sierra, der seine toten Pferde in die Nähe der Geier-Nester brachte, weil er dies für die natürlichste Beseitigungsart hielt! Erinnert an den amerikanischen Wilden Western.
Im Mittelalter gab es sehr viel mehr an Geiern, bis die Klimaverschlechterung kam. So hielten sich aber im wärmeren Spanien die meisten Paare. Ende der 60er Jahre begann man dann mit dem Schutz und wieder der Ansiedelung von Brutpaaren auch in benachbarten Ländern. Heute gelten sie eigentlich als ungefährdet - wäre da nicht die Windenergie, deren Mühlen ihnen zum Verhängnis gereichen können.

 

 

Brüten im späten Winter und frühen Frühling
Seltenes Bild brütender Geier, bei ...

Seltenes Bild brütender Geier, bei einer Wanderung gefunden (Bild: Johanna Mayrhofer)

Über ganz Spanien verbreitet

Fünfzig bis sechzig Brutpaare vermutet man allein in der Sierra Crestallina beziehungsweise dem Tal des Rio Genal oberhalb von Gaucin, im Hinterland der Costa del Sol. Dort finden sie die beliebten steilen Felsen und Schluchten und genügend Material an grünen Zweigen und Gras für die Nester. Aber Vorsicht, bitte nicht die unwegsam in Felsen gelegenen Nester stören und beim Klettern in ihre Nähe geraten. Wie viele brütende Vögel verstehen sie dann keinen Spaß!

Am besten kriegt man sie am frühen Morgen vor die Kamera, wenn man sich ruhig verhält, wobei der professionelle Tierfotograf Simon Littlejohn beobachtete, dass die weiblichen Geier nervöser seien als die männlichen. Ihre Spannweite der Flügel beträgt bis zu zweieinhalb Metern.Typisch für sie ist auch der zweifarbige Flügel, was sich gegen das Sonnenlicht gut beobachten läßt, also kaum zu verwechseln mit anderen Raubvögeln.

Sie kreisen wie die Adler mit sehr langsamen, majestätischen Flügelschlägen, mit eingezogenem Kopf. Sie können bei Auseinandersetzungen heiser fauchen und zischen mit außerdem fast gänseartigen Keckrufen. Übrigens sind sie über ganz Spanien verbreitet, aber auch in Nordafrika, Südfrankreich und dem südlichen Balkan sowie dem Nahen Osten, man denke nur an Karl May und seine Beschreibungen! Sie geraten aber immer mehr auch nach Norden.

Arlequina, am 13.04.2015
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Bildquelle:
Marie-Luise Hofer (Warum Pferde sich nicht für menschliche Ohren interessieren)

Autor seit 5 Jahren
206 Seiten
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