Tierische Kommunikation - Das Pferd und seine Ohren

Manche Vorurteile sind nicht auszurotten. Man kennt das ja: gerade in populärwissenschaftlichen Büchern schreibt auch noch einer vom anderen ab und transportiert die angebliche Information weiter, dass das Pferd Respekt vor dem Reiter habe, weil es ihn als Tier mit aggressiv angelegten Ohren interpretiert.

Dazu muss man ausholen. Was ein Pferd mit seinen Ohren anstellen kann, das können wir Menschen nur bewundern. Auch wenn jemand wie mein Onkel Waldemar mit seinen Ohren wackeln kann. Aber der Equide kann ein Ohr nach vorne auf den Weg richten und das andere nach hinten, um sich auf den Reiter zu konzentrieren. Das kann nun mal wirklich kein Homo sapiens nachmachen. Dabei sei hier nicht einmal die Rede davon, dass das Perdegehör in etwa so gut und empfindlich ist wie beim Hund.

Anelegte PferdeohrenMonty Roberts verdanken wir viel, was das Verständnis für Pferde angeht. In seinem Buch " The Man who listens to the Horses" - im Deutschen leider nicht korrekt übersetzt mit "Der mit den Pferden spricht", beschreibt er seine jahrelangen Beobachtungen der Mustangs und ihres Lebens sowie der Kommunikation der Tiere untereinander. Also weiß man, dass Vorsicht angesagt ist, wenn das Pferd die Ohren anlegt, die beiden Ohren ziemlich straff nach hinten stellt. Dann gefällt ihm etwas nicht und es kann wenig später auf Angriff gehen.

 

Gefährlich angelegte Ohren des Pferdes Raro

Experiment Ohrengewedel

KunstohrenIn den 90er Jahren machte Karola Baumann aus Düsseldorf  von sich reden, als sie sich ein Patent für einen Apparat mit beweglichen Kunstohren erteilen ließ, den sie sie sich auf den Kopf setzen konnte. Dann gewann sie Forscher der Universität Münster dazu, eine aufwendige Versuchsreihe auf mehreren Pferdehöfen der Umgebung zu starten. Dabei versteckten sie sich  unter Pferdeattrappen und wedelten vor den Tieren mit diesen Apparaten herum. Zwei Jahre dauerten diese Spielchen, dann mussten sie ihre Hoffnungen begraben: Den Pferden war dies alles gleichgültig, sie ignorierten die Wissenschaftler.

Der verantwortliche Universitätsprofessor Norbert Sachser: "Die Sache hätte ja auch positiv ausgehen können. Hätten die Pferde die Ohren als Schlüsselreize empfunden, wäre das fraglos ein Riesenfortschritt gewesen."

Das ist kein Aprilscherz oder Jägerlatein oder Presse-Ente, Ehrenwort!

Fazit

  • Karola Baumann und die Universität Münster sind einem jahrhundertealten Vorurteil aufgesessen, dass Pferde unsere Ohrenstellung beachten.
  • Pferde sind nicht so dumm wie manche meinen. 

 

Bildnachweise: Marie-Luise Hofer, Reinhard Hefele, Neue Osnabrücker Zeitung

Arlequina, am 01.02.2013
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Bildquelle:
Johannes Philipp (Spanien - Paradies für Geier)
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Warum haben Rosen keine Dornen?)

Autor seit 5 Jahren
206 Seiten
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