Wie Spiegelneuronen wirken

Die Simulation der eigenen Spiegelneuronen läuft größtenteils unbewusst ab. Es gibt Spiegelneuronen, die Verhaltensweisen und Handlungen als Programme zuerst speichern und später in ähnlichen Situationen diese Verhaltensweisen und Handlungen abrufen und zur Verfügung stellen, mit dem Ziel, sich in ein Gegenüber einfühlen zu können. Eine andere Art von Spiegelneuronen ist verantwortlich für die Vorstellung von Gefühlen, Empfindungen und körperlichen Prozessen. Diese beiden Arten arbeiten zusammen und führen dazu, dass Menschen nicht einfach etwas wiederholen können, was sie beobachtet haben, ohne gleichzeitig Informationen darüber zu bekommen, wie sich diese Handlung auf den eigenen Körper auswirken und wie sich diese Handlung anfühlen wird. Damit ist sichergestellt, dass der Beobachter sich beim Wiederholen einer beobachteten Handlung nicht selbst in Gefahr bringt. Wenn also jemand einen anderen Menschen dabei beobachtet, wie er eine gefährliche Handlung begeht mit einem negativen Ausgang, werden ihn in diesem Fall nicht automatisch und unbewusst seine Spiegelneuronen dazu anleiten, dieselbe Handlung durchzuführen.

Ein Beispiel aus dem Alltag

Zwei Menschen begegnen sich und einer von beiden fängt an zu weinen. Sofort werden die Spiegelneuronen des Beobachters aktiviert und simulieren einen inneren Zustand, den der Beobachter mit "Weinen" verknüpft. Auf diese Weise ist es möglich, emotional zu verstehen, wie sich die andere Person fühlt. Wie genau der innere Zustand aussieht, den der Beobachter jetzt mit "Weinen" verknüpft, hängt wiederum von seinen eigenen, bisher gemachten Lebenserfahrungen im Zusammenhang mit "Weinen" in seinem sozialen Kontext ab. Oder anders ausgedrückt, wie er in seiner sozialen Lebensgeschichte gelernt hat, mit eigenem oder fremdem Weinen umzugehen. Und nach diesen gelernten und gespeicherten Erfahrungen wird nun die Reaktion des Beobachtenden auf den Weinenden ausfallen. Entweder begibt er sich in ähnliche Emotionen, wird selbst traurig und versucht sein weinendes Gegenüber zu trösten. Oder aber er reagiert abwehrend und fordert den anderen auf, mit dem Heulen aufzuhören. Oder aber er "übersieht" die Tränen des anderen schlichtweg und tut so, als wäre nichts, weil er eine Konfrontation mit einer als problematisch empfundenen Situation ablehnt. Die Simulation des Gegenübers beruht immer auf den eigenen Erfahrungen des Beobachters.

Die Folgen der Spiegelneuronenaktivierung aus psychologischer Sicht

Ist ein Mensch beispielsweise schlecht gelaunt und begegnet einem anderen, werden die Spiegelneuronen mit Hilfe von Neurotransmittern aktiviert und stellen eine Simulation der möglichen inneren Zustände des Gegenübers her. Sie ermöglichen es auf diese Weise, den anderen in seiner emotionalen Situation wahrzunehmen und nachzuvollziehen. Um nun nicht selbst in der simulierten schlechten Laune des anderen hängen zu bleiben, ist es sehr wichtig, sich klarzumachen, dass das eigene Gehirn lediglich Information geliefert hat über den Zustand des Gegenüber, der mit dem eigenen nichts zu tun hat. Nur wer sich dies bewusst macht, wird aus dem "Schlechte-Laune-Sog" wieder aussteigen können und die eigene vorübergehend gefühlte schlechte Laune als das begreifen, als was sie gemeint war: als Information darüber, wie es dem Gegenüber gerade geht. Dann wird es auch möglich sein, nachzufragen, warum er schlecht gelaunt ist und ob man selbst etwas tun kann, um dies zu ändern. Erkennt man allerdings nicht diesen Informationsgehalt, bleibt man selbst in der eigenen, nun entstandenen schlechten Laune hängen. Und macht möglicherweise dem Gesprächspartner Vorwürfe, weil seine schlechte Laune ansteckend ist.

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96 Seiten
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