Aber schauen wir doch mal kurz zurück:

Über 17.000 Arbeitsplätze verlor Bochum mit dem großen Zechensterben zu Beginn der 60er-Jahre. Es mangelte an Infrastruktur, die Arbeitslosigkeit war erdrückend, der Staat konnte nicht helfen und Bochum schien aufgegeben worden zu sein. Da kam Opel und eröffnete am 10. Oktober 1962 das erste Werk in Bochum und der erste Kadett rollte vom Band. Bis zu 20 000 Opelaner haben bei Opel in Hochzeiten gearbeitet, oder wie man hier sagt malocht. Bochum war die Opelstadt, jedes Kind kannte den Spruch: "Jeder Popel fährt einen Opel" und musste darüber lachen, da auch die eigene Familie einen Kadett, einen Corsa oder später einen Astra fuhr.

Wo man hin sah Opel und die Bochumer waren stolz auf ihr Auto. Selbst die heute betroffenen Mitarbeiter geraten regelrecht ins schwärmen, wenn sie an damals denken: "Als Mitarbeiter hat man einen tollen Rabatt auf die Autos bekommen, wir haben alle zwei Jahre ein neues Auto gefahren und von unserem Gehalt haben wir uns ein kleines Häuschen bauen können. Ich bin Opel dankbar für die schönen Jahre. Aber wir sind auch enttäuscht, dass Opel sich nun endgültig von uns trennen möchte – wir haben doch so für den Standort gekämpft und wollen auch jetzt nicht aufgeben. Bochum könnte viel verlieren – aber wir schaffen auch diese Hürde."

Wie konnte es zu dieser Abwärtsspirale kommen?

In den achtziger Jahren kommt, bedingt durch die Ölkrise, Opel das erste mal in die roten Zahlen. Der Stellenabbau beginnt, so dass die Mitarbeiterzahl bis 2006 auf 6000 Beschäftigte sank. Seit 2008 verschlechtert sich die finanzielle Lage von General Motors, der Mutterfirma, infolge der Finanzkrise weiter. Opel Deutschland gerät wieder in die Kritik, der Stellenabbau geht weiter. Nun arbeiten knapp 3000 Beschäftigte bei Opel. Nicht zu diesen 3000 Beschäftigten gehören diejenigen, die über Leiharbeitsfirmen oder ausgegliederten Zulieferern für Opel arbeiten. Wenn diese dazu gerechnet werden, sind es deutlich mehr. Hier liegen Schätzungen vom 40.000-50.000 Arbeitsplätzen vor, die bei einer kompletten Werksschließung wegfallen könnten. Die stammen jedoch nicht nur aus Bochum, sondern verteilen sich im gesamten Ruhrgebiet und darüber hinaus. Nun wissen wir, dass in Bochum ab 2016 keine kompletten Fahrzeuge mehr hergestellt werden sollen. Bochum muss sich also wieder auf sich besinnen und Anreize schaffen, um neue Arbeitgeber anzulocken.

Gibt es ein Leben nach Opel?

Was hat Bochum noch zu bieten?

Bochum hat viel zu bieten. Eine gut funktionierende Infrastruktur, eine gute Anbindungen an drei Bundesautobahnen und natürlich die Menschen die hier wohnen. Gut qualifizierte Mitarbeiter kann man hier schneller finden als anderswo. Dies liegt natürlich besonders an der Ruhr-Universität Bochum, der Hochschule Bochum, dem Gesundheitscampus, der technischen Fachhochschule Georg Agricola und den anderen Hochschulen, welche für ihre hohe Qualität der Lehre bekannt sind.

 

Zudem gibt es fünf berufsbildende Schulen, welche die meisten Ausbildungsberufe abdecken. Ordentliche Standorte für neue Firmen gibt es auch genug und die Stadt Bochum engagiert sich und greift neuen Firmen unterstützend unter den Arm. Die Schaffung von guten Arbeitsplätzen liegt der Stadt am Herzen.

 

Es steht nichts im Wege für Bochum weiterhin ein attraktiver und vielseitiger Standort zu bleiben. Unser Glück hängt nicht an Geschäftsmodellen, welche sich selbst überlebt haben oder an den falschen Entscheidungen der Geschäftswelt kranken. Nachdem Nokia die Entscheidung die Handys in Rumänien zu bauen mittlerweile bereuen wird, können wir in Bochum nur lachen. Der Standort lebt bei uns wieder, auch ohne Nokia. Qualität zahlt sich aus und die bekommt man eben nur hier. General Motors, wie auch Opel, wird dies auch noch erkennen müssen.

Durchhalten

Bis dahin müssen die Opelaner durchhalten. Die Bochumer Bürger stehen hinter ihnen und hoffen, dass diese qualifizierten Männer und Frauen bald eine Beschäftigung finden, in der sie für ihre Qualitäten gewürdigt werden, so wie es ihnen auch zusteht.

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