Unser Darm ist, neben der Haut, das größte Organ des Menschen.

Er beheimatet eine Unmenge, zum Teil noch nicht erforschter Mikroorganismen. Diese leben mit uns in Symbiose; sie ernähren sich von dem was wir zu uns nehmen und helfen uns somit bei der Verdauung. Außerdem versorgen sie uns gleichzeitig mit ihren Stoffwechselprodukten, die sie aus der Nahrung gewinnen. Jeder Mensch besitzt eine andere Zusammenstellung von Bakterien im Körper, welche sich im Laufe des Lebens auch verändert. Je nach Wohnort und Ernährung siedeln sich verschiedene Organismen in unserem Körper an. Das eine gesunde Darmflora für den Menschen lebenswichtig ist, haben wir erst eindrucksvoll in dem Buch "Darm mit Charme" erfahren können.

Bemerken wir aber eine Veränderung oder Verschlechterung unseres Gesundheitszustandes wird uns oft die Einnahme von Medikamenten empfohlen. Häufig wird bei Darmentzündungen Antibiotika verschrieben. Diese Behandlung ist jedoch ein drastischer Eingriff in unser Mikrobiom. Dieses Arzneimittel bekämpft die Bakterien in unserem Körper, krankheitserregende aber auch nützliche. Ist dann unser Darm frei von jeglichen Mikroorganismen haben es schlechte Bakterien leicht sich breit zu machen.

 

Letzte Rettung: Stuhltransplantation?

Erkrankungen, wie eine Clostridium-difficile-Infektion und chronische Darmentzündungen können mithilfe dieses Verfahrens geheilt werden. Hierbei wird bevorzugt der Kot von Verwandten benutzt, da diese ein ähnliches Mikrobiom in ihrem Körper beheimaten, wie der Patient selbst. Die Bakterien der Exkremente werden dann herausgefiltert, untersucht und mithilfe einer Sonde dem Betroffen unter Narkose in den Dünndarm injiziert. Dies kann sowohl oral, nasal und anal durchgeführt werden. Eine 1 bis 2malige Anwendung ist hier üblich.

Da bei einer Narkose jedoch immer ein Risiko für den Patienten besteht, wird zur Zeit aktiv an anderen unkomplizierten Anwendungsmöglichkeiten geforscht. Säureresistente Kapseln, welche dann auch den extrahierten Bakteriencocktail enthalten werden in der Uniklinik in Köln derzeit eingesetzt. Diese können problemlos den Magen passieren, welcher einen sauren pH-Wert von 2-4 aufweist. Sie lösen sich dann schlussendlich im Darm auf, wo sie ihren Inhalt freigeben.

 

Fazit

Mithilfe der Stuhltransplantation können auch Menschen geheilt werden, die den Glauben in die Medizin schon verloren haben. Sie stellt eine moderne zukunftsweisende Alternative zu der heutzutage üblichen medikamentösen Behandlung dar. Es wird nicht mehr lange dauern bis dieses Verfahren eine routinierte Methode zur Bekämpfung von Darmerkrankungen sein wird.

Ein weiteres Anwendungsgebiert der Fäkaltherapie könnte aber auch die Behandlung von Allergien und Hauterkrankungen, wie zum Beispiel der Schuppenflechte (Psoriasis) werden. Das ein nicht unwichtiger Zusammenhang zwischen dem Auftreten dieser Krankheiten und dem Mikrobiom in unserem Darm besteht, wurde schon von vielen Wissenschaftlern bestätigt. Dann hoffen wir mal, dass viele Gelder in die Forschung gesteckt werden und auch ein Umdenken auch in der Pharmaindustrie entsteht.

Denn: "Du bist, was du isst"!

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