Applaus ist Koks für die Seele

"Es ist bedauernswert, dass Drogen, falsche Menschen und ein schlechter Einfluss Whitneys Träume übernommen haben" Im ersten Schock nach Whitney Houstons tragischem Tod in der Badewanne nahm sich Celion Dion kein Blatt vor dem Mund. Trotz aller Versuche der Polizei, Spekulationen über die Todesursachen im Keim zu ersticken, gibt es kaum jemanden, der daran zweifelt, dass Drogen, Tabletten oder Alkohol die große Stimme für immer verklingen ließen. Widersprüchlich sind die Aussagen über die letzten Tage der Diva. Manche meinen, sie sei verwirrt durch eine Party getorkelt, andere haben sie als fröhlich und entspannt empfunden.

Schon auf ihrer letzten Tour schwankte sie zwischen ständigen Auf und Abs. Als sie am 19. Mai 2010 in die Wiener Stadthalle kam, hatte sie einen guten Tag. "Ich habe sie damals vom Tourbus abgeholt und in ihre Garderobe gebracht", erinnert sich der Konzertveranstalter. "Ich war wirklich überrascht, wie gut drauf sie war, von Drogen oder Alkoholkonsum war nichts zu sehen, sie war witzig, gut gelaunt und sehr herzlich." Der Abend gehörte zu den Höhepunkten ihrer Tour, in anderen Städten stand sie als schwitzender, kurzatmiger Abklatsch einer Diva auf der Bühne. Ein trauriger Vorbote eines tragischen Endes.

"Ich habe Angst vor dem Business, vor den Drogen und Partys."

Es ist das Business, das die Menschen aussaugt, sind viele überzeugt. "Ich habe Angst vor dem Showbusiness, vor den Drogen und den Partys, deswegen gehe ich auch auf keine", gestand Celine Dion. "Wenn man Elvis Presley, Marilyn Monroe, Amy Winehouse, Michael Jackson denkt.... wir verlieren viel zu viele Menschen und das auch noch viel zu früh."

Es scheint, als ob die ganz Großen, die Stars, die schon zu Lebzeiten zu Legenden werden, zu nahe an der Sonne fliegen und an ihrem eigenen Ruhm verbrennen. Nur die Flucht in den Drogen- und Tablettenrausch lässt sie das rund um die Uhr grell scheinende Rampenlicht ertragen. "Stars haben ein großes Maß an Selbstdarstellung und Exzess in sich, das zu leben wird ständig von ihnen erwartet", meint eine Psychologin. " Mit Alkohol und Drogen kann man sich in diesen Ausnahmezustand katapultiere. Die Gefahr, abhängig zu werden, ist groß, weil man es bald nicht mehr wagt, ohne "Stütze" auf die Bühne zu gehen."

"Einmal nass, nie mehr trocken", brachte es der österreichische Überflieger Falco traurig-treffend auf den Punkt - ihm selbst wurde 1998 ein Mix aus Alkohol und Kokain zum letalen Verhängnis.

Nicht nur Drogen, auch Tabletten gehören zum Alltag vieler Stars. Beruhigungspillen in der Nacht, Aufputschmittel, um durch den Tag zu kommen. Schon Judy Garland schlief nach einer Überdosis Babituraten für immer ein, genauso wie Marilyn Monroe. Und auch Michael Jackson fand ohne medizinische Hilfsmittel keine Ruhe - und schließlich verkraftete sein Körper die Menge Propofol nicht mehr, die ihm sein Arzt spritzte,

Genau wie bei Jackson lagen auch bei Whitney Houston die größten Jahre hinter ihr, immer wieder versuchte sie, an ihre Glanzzeiten anzuschließen.

Superstars sind immer auf der Suche nach Kicks

"Menschen, die einen Suchtcharakter haben, zehren auch von der Liebe des Publikums. Man kann von der Energie, dem Adrenalin, das bei einem Konzert freigesetzt wird, und von dem Jubel abhängig werden", erklärt eine Psychologin. Doch wenn der Jubel weniger wird, braucht man eine Ersatzdroge.

Borwin Bandelow, der deutsche Psychiatrie-Professor und Autor des Buches "Celebrities: Vom schwierigen Glück berühmt zu sein", führt diese Sucht nach Ruhm auf einePersönlichkeitsstörung zurück. -Borderline. "Diese Störung geht einher mit Drogenabhängigkeit, partnerschaftlichen Problemen, aber auch einem gewissen Narzismus - Ehrgeiz und Geltungsdrang", erläutert Bandelow. " Diese Menschen sind auf einer verzweifelten Suche nach Aufmerksamkeit. Vermutlich werden sie mit einem Defekt im Wohlfühl-Hormonsystem geboren. Da fehlt ihnen etwas, und darum sind sie immer auf der Suche nach Kicks, und diese Kicks versuchen sie durch Aufmerksamkeit zu bekommen. Applaus ist Koks für die Seele."

In den höchsten Höhen ist die Luft sehr dünn. Und es kann sehr einsam sein. "EInsamkeit heißt, in der Zeitung zu stehen", meinte auch Falco einmal. Whitney Hosuton hatte Familie, Menschen, die sie geliebt haben, eine Tochter, die sie vergötterte. Aber anscheinend fehlte ihr etwas, was sie in einem ihrer größten Hits besang: "Learning To Love Yourself, It Is The Greatest Love Of All". zu lernen, sich selbst zu lieben, ist die größte Liebe, die es gibt... es ist ihr nicht gelungen.

Autor seit 4 Jahren
2 Seiten
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