Tango tanzen im Filmcasino, München

Tango tanzen im Filmcasino, München

Códigos de la Milonga – Regeln für die Milonga

Auf einer Milonga Tango tanzen ist ein bisschen wie Autobahn fahren. Es gibt auf der Tanzfläche oder Pista normalerweise zwei Spuren, eine innere und eine äußere Spur. Bei großen Sälen kann es auch drei Spuren geben. Man sollte die Spur nie wechseln, ohne zu kontrollieren, ob dies auch in Sicherheit geschieht. Im Allgemeinen ist es besser, die äußere Spur zu benutzen, da es dort eine Seite weniger gibt, mit der es Kollisionen geben kann. Die Mitte der Tanzfläche ist eine Zone, die man nicht betritt, außer man ist Anfänger und kommt noch nicht mit der Ronda – der Tanzrunde zurecht.

Das Tempo wird dem vorangehenden Paar angepasst und überholen sollte man nicht – wenn es dennoch unbedingt nötig erscheint, dann nur links überholen! Tango ist kein Rennen: Es gibt keine Ziellinie. Daher hat man eigentlich auch keinen Grund zu überholen. Man kann so langsam oder so schnell tanzen wie man möchte, man kann große oder kleine Schritte machen – es ist aber wichtig, dass die Geschwindigkeit der Vorwärtsbewegung bei allen ungefähr dieselbe ist und der Abstand zum Vordermann gleich bleibt. Die wichtigste Tugend ist hier der Respekt vor dem Tanzfluss!

Die Tanzpiste – Ordnung statt Chaos
Entspanntes Tanzen geht nur auf ...

Entspanntes Tanzen geht nur auf einer geordneten Tanzfläche

Video: Kurs "Codigos de la Milonga"

Tango tanzen wie ein Milonguero

Milonguero-Stil ist der Tanzstil, den man auf auf einer Milonga mit voller Tanzfläche tanzt. Bei diesem konsequent in enger Umarmung getanzten Stil geht es darum, dass das Paar in seinem Kreis bleibt. Dank der Improvisation kann man hier bereits mit einem kleinen Figurenrepertoire unendlich viele musikalische Nuancen ausdrücken und trotz der engen Platzverhältnisse viel Spaß haben, die Musik zu interpretieren.

Tipps zur Navigation auf der Tanzpiste

Es gibt genügend Techniken, abzubremsen, wenn das Paar vor einem sich nicht schnell genug weiterbewegt: Man macht einen großen Schritt und hält danach an, oder man dreht mehrmals und bewegt sich mit jeder Drehung ein bisschen vorwärts. Man kann auch Rückwärts-Schritte machen, aber niemals gegen die Tanzrichtung. Es passt immer, kleine Drehungen hinter dem vorangehenden Paar zu machen und darauf zu warten, dass es sich weiterbewegt. Und es gibt natürlich die Cunita – den Wiegeschritt, sehr einfach und schön, um mit der Musik zu spielen. Geduldig zu sein bringt die Chance mit sich, kreativ mit der Umgebung umzugehen, anstatt nur für sich selbst wie in einem Vakuum zu tanzen.

Umgekehrt sollte man nicht selber Verursacher eines Staus sein. Vielleicht hat man einige tolle Figuren erlernt, aber trotzdem sollten langwierige, am Platz stehend ausgeführte Sequenzen auf einer vollen Pista vermieden werden. Man kann auch lernen, diese Figuren Stück für Stück weiterzubewegen. Schließlich tanzen wir nicht nur mit unserem Partner/unserer Partnerin, sondern mit dem ganzen Raum.

Wenn man den Tanz in der Mitte eines Tangostückes beginnt, sollte man wissen, dass die anderen Tänzer bereits einen Bewegungsfluss in Tanzrichtung – eine Ronda – gebildet haben, der man sich anschließt. Das geht nicht so, dass man sich auf eine der Spuren stellt, mit seinem Partner ein Schwätzchen hält und dann plötzlich lostanzt. Dies lässt die anderen Paare auflaufen oder veranlasst sie, zu überholen und womöglich mit Paaren auf der anderen Spur zu kollidieren. Die eigenen schlechten Angewohnheiten schaden einem manchmal nicht direkt selbst, können aber Zusammenstöße anderer Tanzpaare verursachen! Also: immer Blickkontakt zum nachfolgenden Paar herstellen, bevor man sich in die Spur einfädelt.

Tango tanzen im Zickzack ist ebenfalls schlechter Stil und gefährlich, genauso wie Paare zu schneiden oder den Raum zu durchqueren. In Buenos Aires gilt dies als unhöfliches Benehmen, egal wie elegant oder musikalisch man sonst ist.

Wenn man Voleos (fliegende Beine), Ganchos (Beinhaken) oder andere ausladende Figuren führt, sollte man extrem vorsichtig sein oder besser warten, bis sich die Tanzpiste leert. Andere Paare können sonst verletzt werden.

Wenn man gerade nicht tanzt und durch den Raum gehen möchte: immer nur vorsichtig am Rand der Tanzfläche entlang, niemals über die Tanzfläche, während andere Paare tanzen!

Tango tanzen in Gesellschaft ist kein Kampf um Raum und Aufmerksamkeit, sondern eine musikalische Umarmung mit der Tanzpartnerin oder dem Tanzpartner – und eine schöne Zeit mit Gleichgesinnten auf der Tanzfläche!

Auffordern per "Cabeceo"

Die eleganteste Form des Aufforderns zum Tango tanzen ist zweifellos die Kombination von Mirada, dem Blickkontakt und Cabeceo, dem Kopfnicken. Es braucht ein wenig Übung, aber mit der Zeit schätzt man es sehr, auf diese Art keine – meist etwas peinlichen – verbalen Absagen geben oder hinnehmen zu müssen! So funktioniert es: Die Musik ist bei den meisten Milongas aufgeteilt in Tandas, also vier Stücke gleichen Stils, und Cortinas, kurz angespielte Musikstücke, welche die Tandas trennen und während derer sich auch die Tanzpaare trennen und neu bilden. Eine Cortina erkennt man am gänzlich anderen Musikstil – sie ist in keinem Fall Tango, Vals oder Milonga (hier gemeint: die Musikrichtung Milonga)!

Kurz nach der Cortina, wenn die nächste Tanda beginnt und man weiß, welcher Musikstil – Tango, Vals oder Milonga – gespielt wird, ist Zeit zum "Blicke werfen": Frauen und Männer schauen aufmerksam durch den Raum und suchen Blickkontakt mit dem Wunschpartner oder der Wunschpartnerin. Treffen sich die Blicke, neigt der Mann leicht den Kopf in Richtung Tanzfläche, die Frau erwidert mit einem Kopfnicken, wenn sie tanzen möchte – ansonsten schaut sie einfach unbeteiligt in eine andere Richtung! Dies ist ein klares Zeichen, dass sie nicht tanzen möchte.

Haben sich zwei Tanzwillige mittels Cabeceo einvernehmlich zum Tango tanzen verabredet, geht der Mann auf die Frau zu, währenddessen behalten beide möglichst den Blickkontakt. Erst wenn der Mann bei der Frau ankommt, steht sie auf und kommt ihm auf der Tanzfläche entgegen. Nach dem Ende der Tanda begleitet er sie zum Platz zurück.

Tango tanzen auf der Milonga im ...

Tango tanzen auf der Milonga im Schlachthof, München

Ein schöner Tanzfluss macht die ...

Ein schöner Tanzfluss macht die Milonga zum Vergnügen

Weitere Umgangsformen auf einer Milonga

Die Sitzordnung

Da die Sitzplätze auf einer Milonga meist nur für etwa die Hälfte der Gäste reichen, hat man keinen "Anspruch" auf einen festen Platz. Man kann sich dort hinsetzen, wo gerade etwas frei ist. So kommt jeder zwischen den Tänzen einmal zum Relaxen. Auf manchen Milongas, besonders in Argentinien, gibt es auch eine feste Sitzordnung, aber darauf wird dann bei der Ankunft deutlich hingewiesen.

Reden während des Tanzens

... sollte man nur kurz und im Ausnahmefall. Es stört die Konzentration auf die Musik und den eigenen Tanz, der ja durch das gegenseitige Erspüren erst funktioniert und genussvoll wird. Auch die anderen Paare fühlen sich möglicherweise belästigt, wenn jemand während des Tanzens lautstark seine Urlaubserlebnisse zum Besten gibt. Zeit zum Plausch ist zwischen den einzelnen Tangos oder nach der Tanda.

Apropos Reden

Milongas sind natürlich ein sozialer Treffpunkt, wo man nette Leute sehen und sich auch unterhalten möchte. Dennoch kommen die meisten Besucher in erster Linie zum Tango tanzen. Man vertreibt sich die Zeit zwischen zwei Tänzen gerne mit etwas Plaudern, doch sollte man Verständnis haben, wenn der Gesprächspartner während einer Cortina ­– also der nächsten Chance zum Cabeceo, Auffordern oder Aufgefordert werden – lieber die Blicke durch den Raum schweifen lässt ...

Kleine Notlügen akzeptieren

Falls eine Frau bei einer verbalen Aufforderung sagt, dass sie gerade Pause macht, will sie eventuell nur höflich ausdrücken, dass sie mit diesem Mann (momentan) nicht tanzen will. Es ist keine gute Idee, die Dame nun zu belagern und in ein Gespräch zu verwickeln, in der Hoffnung, dass ihre "Pause" bald vorbei ist ...

Mehrmals mit demselben Partner oder derselben Partnerin – ja oder nein?

In der Regel tanzt man pro Abend nur eine Tanda mit derselben Partnerin oder demselben Partner. Dies erspart beiden die Verlegenheit "Nein" sagen zu müssen, falls es beim Tango tanzen doch nicht so gut harmoniert hat. Doch Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Wenn man einen Tanzpartner kennt und weiß, dass man sich mag oder gut miteinander tanzen kann, spricht nichts dagegen, gleich oder besser später am Abend eine zweite Tanda zu tanzen. Und frisch verliebte Paare bleiben selbstverständlich oft den ganzen Abend zusammen!

Den Tanzpartner während einer Tanda verlassen

... gilt als unhöflich und wird nur gemacht, wenn es mit dem Tango tanzen überhaupt nicht klappen will oder sonst irgendwie unangenehm ist. Eine Tanda dauert 10-15 Minuten, das sollte man in den meisten Fällen aushalten können … Wenn man dennoch die Tanda unterbrechen und gehen möchte, macht man das möglichst zwischen zwei Tangos und sagt "danke".

Die Cortina tanzen?

Die kurze Zwischenmusik zwischen zwei Tandas dauert etwa eine Minute und dient dazu, dass sich die Tanzpaare trennen und neu zusammenfinden. Dieses selbstverständliche Auseinandergehen verhindert unangenehme Situationen, z. B. mit jemandem weiter tanzen zu "müssen", der einem vielleicht nicht so liegt. Die Cortina wird generell nicht mitgetanzt und man räumt die Tanzfläche, damit den noch sitzenden Gästen der freie Blick durch den Raum und damit das Auffordern per Cabeceo ermöglicht wird. In Buenos Aires kommt es aber durchaus vor, dass auch die Cortinas getanzt werden. Es werden Salsa, Swing, Cumbia etc. als Zwischenmusik gespielt. Da die Tänzer nicht nur Tango tanzen, sondern oft auch in diesen Tanzstilen zu Hause sind, kann sich die Tanzfläche eben auch bei einer Cortina füllen. In machen Fällen kann die Cortina dann sogar zu einer Salsa-, Cumbia- etc. Tanda überleiten.

Die Nase tanzt mit ...

Körperpflege ist wichtig: Beim Tango tanzen kommt man sich so nahe, dass jeder Geruch wahrgenommen wird. Duschen und Deo vor dem Milongabesuch sollten selbstverständlich sein, frische Kleidung ist ein Muss und ein gelegentliches Pfefferminzbonbon für frischen Atem ist auch nicht zu verachten. Wer beim Tanzen stark schwitzt, nimmt frische Hemden oder Tops zum Wechseln mit.

und das Auge ebenfalls

Eine Kleiderordnung gibt es nicht, aber sich zum Tango tanzen ein bisschen schöner anzuziehen als im Alltag kann nie schaden. Den Damen macht es meistens sowieso Spaß, sich zum abendlichen Ausgehen ein wenig hübsch zu machen und viele wünschen sich, dass auch die Herren entsprechend gekleidet sind. Tango ist ein so stilvoller, eleganter Tanz, dass es fast ein bisschen schade ist, auf einer Milonga in ausgebeulten Jeans, Holzfällerhemd oder altem T-Shirt aufzutauchen. Für Zweifler unter den Herren: Mit einem schwarzen Hemd und schwarzer Hose liegt man immer richtig! In jedem Fall sollte die Kleidung bequem und nicht zu warm sein. Auf modernen Milongas, wo auch Neo- und Non-Tango gespielt wird, geht es meist legerer zu und alles von schick bis Streetwear ist üblich.

Mehr zum Thema auf unserem Newsblog!

http://tango-lugo.de/news/tango-tanzen-mit-genuss/

Tango-Tanzpaar Fabian und Michaela Lugo

Tango-Tanzpaar Fabian und Michaela Lugo

Andere Länder, andere Sitten?

Es gibt noch viele weitere kleine "Milonga-Regeln", geschriebene und ungeschriebene, mit denen man ganze Bücher füllen könnte. Dies würde hier den Rahmen sprengen, außerdem hängt es immer auch ein wenig von den Sitten des jeweiligen Landes, der Stadt oder der Szene ab. Mit der Zeit lernt man die Gebräuche schon kennen, wenn man auf sein Tango-Umfeld achtet ...

Und nun viel Spaß und Genuss beim Tango tanzen auf den Milongas in München und dem Rest der Welt!

Witziges Video zur Navigation auf der Tanzpiste
Autor seit 3 Jahren
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