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Katastrophenmeldungen gehören zum Frühstück

Ein Gespenst geht um in Deutschland. Und es sind viele pessimistische Stimmen zu hören, Desillusioniertheit und das Unvermögen, etwas tun zu können, grassieren. In einer Zuschauerbefragung per Video hört man, dass die eh machen, was sie wollen. Der Performance-Künstler Falk Rößler konstatiert, dass wir eigentlich gar nichts vom Krieg wissen. Kriegsberichte werden vom Blatt abgelesen, als handele es sich um den Wetterbericht. Man hat sich längst an Katastrophenmeldungen gewöhnt. Und doch hat der Krieg in Israel beispielsweise die Menschen verändert und eigene Gedanken geformt. Menschen, die auch etwas zum Thema Krieg zu sagen haben, sind Nachrichtensprecher und Moderaten. Wir sehen auf Video einen Wortbeitrag von Christian Sievers (ZDF), dessen Auftritt Rößler und Knobloch kritisch kommentieren. Nach ausbleibendem Publikumsbeifall ist Antonia Rados von RTL an der Reihe: "Ich bin mittendrin", sagt sie mit einem Ausdruck von Betroffenheit. Noch betroffener ist Uli Gack, ebenfalls ZDF, der in entsetzlichen Einschätzungen und Feststellungen schwelgt, etwa: "Die Intensität, die Brutalität und vor allem die Dimension der Zerstörung ist immer größer geworden". Das Rennen mach schließlich Spiegelredakteur und Islamexperte Christoph Reuter, der das Stechen – wer erhält den lautesten Beifall? - gegen Gack gewinnt. Das Publikum darf also mitmischen: Dieses Prinzip nennen [email protected] kollaborieren statt kollabieren.

 

Assymetrische Kriege dominieren

Mehr noch als die mediokren Fernsehtalente macht sich Falk Rößler Gedanken. Wer übernimmt zum Beispiel in Syrien das Coaching moderater Rebellen? Weiß er doch, dass wir in einer Welt assymetrischer Kriege leben, vor allem in puncto Waffentechnik und zahlenmäßiger Überlegenheit. Nun, wir haben nach innen geblickt, nach Deutschland und ins Ausland, behauptet Rößler. Er kommt zu einem vorläufigen Resultat und macht vier verschiedene Bereiche aus, die die moderne Kriegsführung dominieren: Multi Domain Warfare, Urbanisierung, Cyberwar und unbekannte Waffensysteme. Und letztlich geht es um eine Entgrenzung des Kriegs, aber wer möchte das nicht, von unverwüstlichen Kombattanten abgesehen? Am Ende lässt sich sagen, dass in dieser Performance mehr berichtet als analysiert wird. Die Gedankenflüge bleiben auf dem Boden und das Projekt ist doch sehr populistisch geraten. Auffallend sind innerer Antrieb und Verve von Marlene Knobloch. In Folge #4 wird das Internet behandelt. Warum keine Anti-Kriegs-Lyrik? Was man mit Worten sagt, obwohl die Worte fehlen.

 

#3 Krieg

von [email protected]

Regie/Performance: Marlene Knobloch, Falk Rößler, Konzept: Falk Rößler, Musik/Dramaturgie: Nils Michael Weishaupt.

Theaterdiscounter Berlin, Kritik vom 9. März 2018.

Dauer: 1 Stunde 45 Minuten

 

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