Das Leben des Thietmar von Walbeck

Thietmar kam am 25. Juli 975 als Sohn des Grafen Siegfried von Walbeck, einem Territorium nordöstlich von Helmstedt, und seiner Gattin Kunigunde von Stade zur Welt. Die Familie war mit dem sächsischen Könighaus verwandt. Sie stellte die Grafen der Nordmark und etliche hohe kirchliche Würdenträger.

Der Knabe Thietmar erhielt seine Bildung im Stift St. Servatius in Quedlinburg und im Kloster Berge zu Magdeburg. Er bereiste offensichtlich die Gebiete der damaligen Nordmark und des nördlichen Thüringen.

Im Jahr 1000 wurde er Domherr in Magdeburg und 1002 Propst des Klosters Walbeck, das sein Großvater Graf Lothar II. stiftete. In seiner Zeit im Kloster unternahm er eine Pilgerreise nach Köln. 1004 erhielt er in Allstedt die Priesterweihe. 1009 wurde er auf Vorschlag des Magdeburger Erzbischofs Tagino zum Bischof von Merseburg ernannt. Hier musste er viele Fragen im Zusammenhang mit der Wiedererrichtung des Bistums Merseburg lösen und den Besitz des Domstifts sichern und ausweiten. Dabei half seine enge Verbindung mit König Heinrich II., der die Pfalz in Merseburg als Residenz anderen Pfalzen deutlich vorzog.

Thietmar starb 1018 und wurde im Dom zu Merseburg beigesetzt. Ein Grabmal ist dort nicht vorhanden. Doch wird ein Grab ohne Inschrift ihm zugeschrieben.

Der Bischof Thietmar von Merseburg

Das Bistum Merseburg war 968 von König Otto I. begründet worden. 981 wurde es aber aufgelöst. 1004 gründete König Heinrich II. das Merseburger Bistum erneut. 1008 kam Thietmar von Walbeck auf den Bischofstuhl. Durch zahlreiche Urkunden im Merseburger Domstiftsarchiv werden die recht erfolgreichen Anstrengungen Thietmars deutlich, mit denen er ursprünglichen Besitz des Merseburger Bistums dank königlicher Schenkungen wieder herstellen konnte. Dabei griff der Bischof auch zum Mittel der Fälschung von Urkunden. Dies war zu seiner Zeit nicht unüblich. Thietmar perfektionierte dieses Vorgehen durch seine Darstellungen als Chronist. Seine Chronik diente auch zur Untermauerung von Ansprüchen des Merseburger Bistums gegenüber dem König und anderen Territorialherren.

Tafel an einem Brunnen in Tangermünde

Tafel an einem Brunnen in Tangermünde (Bild: haros)

Der Chronist Thietmar von Merseburg

Thietmar verfasste zwischen 1012 und 1018 eine Chronik des Zeitraums von 908 bis 1018. In acht Bänden wird über die Geschichte und Ereignisse vor allem aus dem Bereich des Erzbistums Magdeburg berichtet.

Die Chronik des Thietmar von Merseburg ist die wichtigste Quelle zur Gründung, Auflösung und Wiederherstellung des Bistums Merseburg. Recht genau berichtet Thietmar über die Geschichte der ottonischen Herrscher und das Verhältnis von Merseburg zum Erzbistum Magdeburg. So ist seine Chronik eine wichtige Quelle für die frühe Geschichte von Merseburg, Sachsen, Polen und der von Slawen besiedelten Gebiete östlich der Elbe. So berichtet er über die Kämpfe zwischen den ostfränkischen Rittern und slawischen Stämmen. Und über die Kämpfe zwischen Heinrich II. mit dem polnischen Königs Boleslaw Chrobry berichtete er aus eigener Anschauung. Denn er begleitete den König Heinrich II. auf diesem Feldzug. Neben den Berichten aus dem Osten notierte Thietmar auch die wichtigsten Begebenheiten im Reich.

So werden die Aufzeichnungen Thietmars als wichtige historische Quelle für das 10. und frühe 11. Jahrhundert gesehen. Allerdings muss bei ihrer Nutzung die Interessenlage Thietmars als Bischof von Merseburg beachtet werden. Da hat er doch für Merseburg geschrieben. Daneben ist seine Chronik ein wichtiges Zeugnis für das Leben der adeligen Kleriker und die Mission der Gebiete östlich von Elbe und Saale.

Thietmars Chronik ist für viele Orte die Quelle ihrer ersten Erwähnung. Dazu gehören neben anderen Tangermünde, Leipzig, Bautzen, Zerbst, Jüterbog und Doberlug-Kirchhain.

Die Geschichte seiner Chronik

Acht Schreibkundige haben die Chronik niedergeschrieben. Thietmar selbst brachte eigenhändig viele Korrekturen und Ergänzungen an.

Seit 1570 wurde die Handschrift der Chronik in Dresden verwahrt. 1905 wurde ein Faksimile angefertigt. So steht der Originaltext auch heute noch zur Verfügung. Denn die Handschrift wurde 1945 bei der Bombardierung Dresdens arg in Mitleidenschaft gezogen. Nur wenige Seiten des Originals überstanden dies.

Daneben gibt es eine sogenannte Brüsseler Handschrift. Das ist wahrscheinlich eine von Thietmar selbst überarbeitete Fassung seiner Chronik, die außerdem im Kloster Corvey bearbeitet wurde. Sie gelangte über das Jesuitenkolleg in Paderborn via Antwerpen nach Brüssel.

Mehr zum Thema

Die Merseburger Fassung der Chronik kann direkt im Internet aufgerufen werden. Für Otto Normalverbraucher sind die Wiedergaben der Texte, die lateinisch abgefasst sind, und wegen der Schrift allerdings nur schwer lesbar.

Leichter zu lesen ist das folgende Werk:

Die Chronik des Thietmar von Merseburg. Nach der Übersetzung von Johann Christian Moritz Laurent, Johannes Strebitzki und Wilhelm Wattenbach. Neu übertragen und bearbeitet von Robert Holtzmann. Mit 48 Illustrationen von Klaus F. Messerschmidt, Mitteldeutscher Verlag Halle 2008, 320 Seiten, gebunden, ISBN 978-3-89812-513-0

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