Ein 7000 Jahre altes Verfahren aus dem Amazonasgebiet stellt sich vor

Bodenkundler Haiko Pieplow erklärt, die Bodenverhältnisse am Amazonas. Im dortigen Regenwald werden die für die Pflanzen notwendigen Nährstoffe durch den beständigen Wasserkreislauf, aus dem Boden geschwemmt. Um den Humusgehalt des Bodens zu verbessern, entwickelten die dort lebenden Indios schon vor etwa 7.000 Jahren ein Verfahren. Wie der Biologe weiter ausführt, riss diese Entwicklung etwa vor 500 Jahren, als das Gebiet von Spaniern und Portugiesen erobert wurde, ab. Wie Untersuchungen dieser Erde ergaben, besteht Terra Preta ursprünglich aus Holzkohle, gemischt mit menschlichen und tierischen Abfallstoffen, Asche und Abfällen von Lebensmitteln. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Ureinwohner diese Stoffe in luftdichte Tongefäße sammelten, sie mit Holzkohle vermengten und durch Vergärung fruchtbare Erde erhielten.

Luftaufnahme der Embrapa-Forschungsstation im westlichen Amazonas-Gebiet. Foto: Embrapa and Gilvan Coimbra Martins
Luftaufnahme der Embrapa-Forschungss ...

Luftaufnahme der Embrapa-Forschungsstation im westlichen Amazonas-Gebiet. (Bild: Foto: Embrapa and Gilvan Coimbra Martins)

Düngung mit Holzkohle war früher auch in Europa üblich

Vor mehr als 2000 Jahren war, besonders im Siegerland, eine Herstellung von Kohle in Meilern schon den Kelten bekannt. Laut Pflanzenökologie Professor Dr. Christoph Müller vom Institut für Pflanzenökologie der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), sind diese Meilerböden mit den Terra Preta Böden am ehesten vergleichbar, wurden allerdings im Gegensatz zum Amazonasgebiet nicht landwirtschaftlich genutzt.

Was die Zugabe von Holzkohle bewirkt

Die Holzkohle in dem Erdgemisch verhindert beim Gärungsprozess, die Entstehung von Fäulnis und Methangasen. Da die Gefäße luftdicht abgeschlossen werden, können sich auf der Masse ebenfalls keine Insekten vermehren. Da Holzkohle eine Oberfläche hat, die nur eine Besiedlung mit lebensfördernden Mikroorganismen erlaubt, werden alle anderen Nährstoffe in ihr eingelagert. Gärtner, die ihren Kompost schon einmal mit Holzkohle anreicherten, wissen, dass diese dem Boden lange erhalten bleibt. Aus diesem Grund bleibt auch die Düngekraft der Terra Preta dem Boden lange erhalten. Der Biologe Pieplow weist darauf hin, dass die Herstellung von Terra Preta eher für Kleingärtner einen Sinn macht. Für eine industrielle Nutzung aber nicht, weil seiner Meinung nach, der Einsatz von Mineraldünger, Pestiziden, Monokulturen und schwerem Gerät, eine günstige Vermehrung der Mikroorganismen erschwert, wenn nicht gar unmöglich mache.

Biokohle-Versuchsfeld in der Klimafolgenforschungsstation in Linden-Leihgestern,Foto: Jochen Senkbeil
Biokohle-Versuchsfeld in der ...

Biokohle-Versuchsfeld in der Klimafolgenforschungsstation in Linden-Leihgestern. (Bild: Foto: Jochen Senkbeil)

Wichtig ist der Zusatz von Holzkohle als Staub

Wer Holzkohle kauft, stellt oft verärgert fest, dass sich viel Staub in der Packung befindet, die scheinbar wertlos ist. Für Hobbygärtner ist gerade dieser wertvoll, weil der feine Holzkohlenstaub eine noch intensivere Struktur hat und eine gleichmäßigere Verteilung der Nährstoffe bewirkt.

So können Naturliebhaber Terra Preta selbst herstellen

Gärtner werden darauf hingewiesen, dass Asche den Zweck der Düngung nicht erfüllt, weil in ihr alle Nährstoffe mit verbrannt wurden. Besser ist es Holzkohlestaub zu kaufen oder, mit einem speziellen Aztekenofen selbst herzustellen. Dazu wird Grasschnitt, Garten und Küchenabfälle möglichst klein geschnitten oder gehäckselt. Diese Abfälle werden mit einer Menge von etwa zehn Prozent hochwertiger Holzkohle und etwas Urgesteinsmehl, vermischt. Damit die Masse fermentiert und dadurch haltbar wird, werden Effektive Mikroorganismen, die man im Fachhandel als Flüssigkeit oder Granulat erwerben kann, hinzugefügt und die Masse gut vermengt. Das gewählte Gefäß wird gut verschlossen und sollte etwa zwei Wochen, ohne es zu öffnen, ruhen. Die Mikroorganismen brauchen, um zufriedenstellend arbeiten zu können, eine gleichmäßig warme Temperatur von etwa 15 Grad und kein Licht oder Sauerstoff. Wenn die Zeit vorüber ist, ist der Bioabfall fertig, obwohl seine anfängliche Struktur erhalten geblieben ist. Er kann nun in die Gartenerde eingearbeitet werden und dient den Mikroorganismen und Kleinstlebewesen im Boden als Nahrung. Damit diese den Boden ausreichend lockern und strukturieren können, sorgt der erfahrene Gärtner, mit Mulch oder spezieller Folie für einen Wetterschutz und hält die Biomasse feucht. Nach etwa einem halben Jahr ist die selbst hergestellte Terra Preta zum Gebrauch fertig.

Achtung! Kräuter, Erbsen und Bohnen gedeihen in Terra-Preta-Erden nur schlecht

Viele Gartenfreunde wollen ihren Pflanzen mit der Zugabe von Terra Preta etwas gutes tun, scheuen aber die Herstellung. Sie können diese in einem Gartencenter kaufen, müssen dazu aber wissen, dass, wie Marianne Scheu-Helgert von der bayerischen Gartenakademie in Veitshöchheim erklärt, viele pflanzenkohlenhaltigen Substrate, die im Handel sind, einen zu hohen Salzgehalt und einen zu hohen pH-Wert haben. Darin wachsen salzempfindliche Kulturen wie Kräuter, Erbsen und Bohnen schlecht. Sie führt weiter aus, dass Erde mit der Bezeichnung Terra Preta zwar im Handel sei, der Abbau und Export dieses natürlich gewachsenen Bodens in Südamerika verboten ist und es sich bei dem Artikel, da der Name rechtlich nicht geschützt ist, um eine selbst hergestellte Substanz handelt.

Weitere Wissenschaftler stimmen dem Gebrauch von Terra Preta zu

Es sind Wissenschaftler des Leibnitz-Institutes in Potsdam, die sich seit Jahren der Frage widmen ob Biokohle eine Bereicherung für den Boden sein könnte und gleichzeitig klimaverbessernd wirkt. Nach ihrer Erkenntnis bewirkt die Verkohlung von Biomasse, dass diese in eine dauerstabile Form gewandelt wird. Das heißt, sie bereichert den Boden, und gibt diesem die Fähigkeit zurück Luftkohlenstoff zu binden und Wasser zu speichern. Bei einer Expedition zum Amazonas untersuchte der Gießener Pflanzenökologie Professor Dr. Christoph Müller vom Institut für Pflanzenökologie der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), wie uralte Bewirtschaftungsmethoden zur dauerhaften Speicherung von Kohlendioxid im Boden führen. Er kam zu der Erkenntnis, dass die Verwendung von Biokohle im Garten und Feld die momentan effektivste Methode sei um Kohlenstoff in Form von CO2 der Atmosphäre zu entziehen und in einer dauerhaften Form im Boden zu speichern.

Kritik die zur Verwendung von Biokohle laut wurde

Forscher um den ATB-Nachwuchsgruppenleiter Jan Mumme entwickelten ein Verfahren, um die Reststoffe aus Biogasanlagen zu kohleähnlichen Materialien zu wandeln. Das HTC-Verfahren unterscheidet sich vn Anderen dadurch, dass mit ihm auch nasse Biomassen verarbeitet werden kann. Erste Versuche dieser Forscher zeigen, dass das Einbringen von Biokohle in Böden bisweilen auch negative Effekte auf das Pflanzenwachstum hervorrufen kann. Dass kann durch unerwünschte Begleitstoffe, wie Phenole und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe., geschehen. Zu bedenken sei, so die Wissenschaftler, dass viele Wirkmechanismen von Biokohle noch nicht verstanden wurden, und darum die Bodenwirkung der Biokohle in Gewächshaus- und Feldversuchen weiter untersucht. werde.

MonikaHermeling, am 22.04.2020
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Bildquelle:
Monika Hermeling (Humusschwund durch Klimawandel?)
Monika Hermeling, Journalistin (Die Auswirkungen des Klimawandels verstehen lernen)

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