Die Auswirkungen vom Wetter auf der anderen Seite des Globus

Die Forschungsergebnisse zeigen auf, dass eine Veränderung der Niederschlagsverhältnisse an einem Ort ihren Ursprung auf der anderen Seite des Globus haben. Dieser Prozess wird von den Experten als "Telekonnektionen" bezeichnet. Diese Klimaschaukel ließ, so die Wissenschaftler, am Ende der letzten Eiszeit Ostasien, tendenziell abkühlen und Europa erwärmen. Sie folgern, dass, wenn sie diesen Prozess besser verstehen, sie künftige Klimaänderungen präziser voraussehen können. Dabei ist ihnen ein Blick in die Vergangenheit der Erde nützlich, denn das Klima folgt einem komplexen Zusammenspiel von Ursache und Wirkung, einschließlich der Kettenreaktionen.

Probennahme auf dem See Suigetsu, Japan
Probennahme auf dem See Suigetsu, Japan

Probennahme auf dem See Suigetsu, Japan (Bild: A. Brauer, GFZ)

Was die Ablagerungen am Meeresgrund aussagen

Die Seesedimente, die sich über die Jahrhunderte der Kaltphase ablagerten, bestehen aus Algen, Pollen und Sporen von der umgebenen Vegetation. Ihre Veränderung in der chemischen Zusammensetzung liefert Wissenschaftlern wichtige Hinweise darauf, wie sich lokal gesehen, Temperatur und Niederschläge veränderten. Diese Sedimentschichten sind so fein abgelagert, dass die Veränderungen, ähnlich wie bei Jahresringen am Baum, abgebildet werden.

Dadurch st es möglich Ostasiatische Sedimenten mit Europäischen zu vergleichen und Rückschlüsse auf die Wetterentwicklung zu ziehen. Zusätzlich liefern grönländische Eisbohrkerne und Meeressedimente aus dem Nordatlantik Hinweise auf Temperaturveränderungen der nördlichen Hemisphäre. Ähnlich wie bei einem Puzzlespiel ergeben die regionalen Forschungsergebnisse ein aussagekräftiges Gesamtbild der Klimaveränderung der Vergangenheit. Es wird aufgezeigt, wie sich lokale Klimaveränderungen weltweit auswirken.

Sedimentkern in der Nahaufnahme
Sedimentkern in der Nahaufnahme

Sedimentkern in der Nahaufnahme (Bild: A. Brauer, GFZ)

Was die japanischen Ablagerungen über die Vergangenheit aussagen

Der letzte, etwa zweitausend Jahre andauernde Kälteeinbruch war vor etwa 13 tausend bis 12 tausend Jahren. Damals schien es so als sei die Welt in eine wärmere Phase eingetreten.Tatsächlich kehrte sie, mit einer Abnahme der globalen Durchschnittstemperaturen von drei bis vier Grad innerhalb weniger Jahrzehnte, in eine deutlich kühlere Zeit zurück. Aus welchem Grund ist bislang unklar. Das Team um den ehemaligen GFZ-Doktoranden der Sektion Klimadynamik und Landschaftsentwicklung, Gordon Schlolaut untersuchten, um Klimaveränderungen in Ostasien während der Jüngeren Dryas zu rekonstruieren, Sedimente aus dem Suigetsu See in Japan

Die Forschungsergebnisse zeigten, dass die Kaltphase in einen europäischen und einem asiatischen Abschnitt, mit umgekehrten Auswirkungen, unterteilt war. Die an der Studie beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler führten diese Klimaentwicklung auf eine Telekonnektionen zurück. Achim Brauer, der Leiter der GFZ-Sektion Klimadynamik und Landschaftsentwicklung und Direktor des Departments Geoarchive, bestätigt, dass die Wissenschaft das Zusammenspiel lokaler Klimaänderungen immer besser verstünden. Er ergänzt, dass damit zukünftige Klimaveränderungen korrekter abgeschätzt werden könnten.

Auf dem Bohrfloß
Auf dem Bohrfloß

Auf dem Bohrfloß (Bild: A. Brauer, GFZ)

Die Untersuchung der Ablagerungen am Meeresboden ergaben, dass die erste Hälfte der Kaltphase vor etwa 12.200 Jahren, in Europa kalt und trocken und die Zweite wärmer und feuchter war. Die Ursache in der Erwärmung sehen die Biologen darin, dass sich durch eine Veränderung des Luftdrucks währen der Eiszeit, polare Luftzonen sich in den Norden zurück zogen. Der für das Klima in Europa bestimmende Westwinddrift schloss sich an und beförderte mehr Luftfeuchtigkeit nach Europa.

In Ostasien zeigt sich diese Entwicklung genau umgekehrt. Dort war die erste Hälfte der Kaltphase im Vergleich wärmer und die zweite Hälfte, durch kräftige Winterniederschläge gekennzeichnet und kalt.

So setzt sich die Klimaschaukel in Gang

Die jeweiligen Klimaveränderungen setzten durch eine höhere Luftfeuchtigkeit und höhere Temperaturen in Europa, eine Klimaschauckel in Gang.

Das bedeutet, dass in Europa mehr Wasser vorhanden ist, dieses nicht in seiner gesamten Menge in die Atmosphäre aufsteigt und örtlich begrenzt als Regen herunterkommt, sondern ein Teil der Wolken weiter in Richtung Ostasien transportiert werden und dort zu hohen Schneefallmengen führen.

Eine dicke Schneedecke bildet sich, wodurch sich die Luftmassen über Ostasien abkühlen. Weil das Auswirkungen auf den dortigen Monsun hat, ändern sich auch die Niederschlagsmengen: der Wintermonsun wird gestärkt und der Sommermonsun leicht abgeschwächt, wodurch die Winter ', dort, in der Folge, schneereicher und die Sommer trockener werden.

MonikaHermeling, am 24.07.2019
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Bildquelle:
Monika Hermeling (Humusschwund durch Klimawandel?)

Autor seit 7 Jahren
176 Seiten
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