Bewegungslandschaften werden immer wichtiger

Was früher der Wald war ist heute die Turnhalle

Weshalb Bewegungslandschaften immer wichtiger werden, um die Kinder bei der Entwicklung zu unterstützen, liegt auf auf der Hand. Einerseits haben viele Kinder gar nicht mehr die Möglichkeit, nachmittags einfach raus zu gehen und sich im Garten auszutoben, am Bach zu spielen oder durch den Wald zu streifen, andererseits muss man ihnen etwas Abwechslungsreiches bieten, damit sie auch spielerisch das Interesse an der Bewegung nicht verlieren, zumal die Konkurrenz wie Fernseher und Spielkonsole schon bei den Jüngsten traurig groß ist.

Sowohl im Kindergarten als auch in den Sportvereinen sind Bewegungslandschaften daher fester Bestandteil und es gehört fast schon zu einem Ritual, diese zu erkunden und Neues zu entdecken. Der Begriff »Bewegungslandschaft« drückt auch sehr schön das aus, was es tatsächlich ist: Eine künstliche Landschaft, die alles beinhalten kann, was die Natur draußen auch zu bieten hat, entscheidend ist ein wenig Kreativität beim Aufbau und beim Benennen der einzelnen Teile.

So findet man in einer spannend gestalteten Bewegungslandschaft etwa die höchsten Berge, gefährliche Schluchten, die man überwinden muss, verborgene Höhlen die in eine unbekannte Welt führen oder Gletscher-Rutschen die von tief verschneiten Bergen herab führen. Und in diese Landschaft können die Kinder mit viel Fantasie eintauchen und sich darin bewegen, sie somit selber mit Leben erfüllen. Und genau das macht letzten Endes auch der Reiz einer Bewegungslandschaft aus.

Was kann man für eine Bewegungslandschaft einsetzen?

Materialien und Geräte

Grundsätzlich gilt natürlich wie immer, man kann nahezu alles verwenden, um eine Bewegungslandschaft abwechslungsreich zu gestalten. Das Wichtigste, insbesondere um nicht unendlich viel Zeit aufbringen zu müssen, ist es aber, drei Dinge vor dem Aufbau zu bedenken:

  1.  Auf was möchte ich den Schwerpunkt setzen? (Ausdauer, Kräftigung, Geschicklichkeit …)
  2.  Welche Materialien kann ich mehrfach nutzen?
  3.  Kann der Aufbau von Kindern nachvollzogen werden?

Hat man sich diese banal klingenden, aber umso wichtigeren Fragen beantwortet, lässt sich das Material zusammenstellen. Hier sollte man zunächst auf vertraute Geräte zurückgreifen, denn auch eine Bewegungslandschaft die Neugierde wecken möchte, ist dann gut, wenn man sich an Bekanntem festhalten kann. Standardmäßig bilden Kästen, Matte, Seile, Taue, Schwedenbänke, Schwebebalken, Minitrampolin und Barren die Basis einer Bewegungslandschaft. Mit ihnen lassen sich die wesentlichen Elemente errichten, ob dies nun ein hoher Mattenberg ist oder eine gefährliche Hängebrücke, die von Seilen an den Barrenholmen gebildet wird. Für spezielle Aufgaben die es zu lösen gibt oder für fantasievolle Fahrzeuge etc. kann man dann noch Rollbretter, Teppichfliesen, Tücher, Bälle, Sandsäckchen und Ähnliches hinzunehmen.

Dabei aber immer an den überall gültigen Leitsatz denken, »weniger ist mehr«. Abwechslung schaffen ist gut, dies erreicht man aber nicht durch den verschwenderischen Einsatz von Materialien, sondern durch Kreativität, wie man diese nutzt, wie man sie benennt und welche Eigenschaften man ihnen beimisst. Wichtig ist es für Kinder, auch nachvollziehen zu können, welche Funktion der Aufbau hat und da sind weniger Materialien meist besser und fördern zudem die Fantasie.

Bewegungslandschaft im Kindergarten

Ideen für die Kleinsten

Gerade im Kindergarten eignen sich Bewegungslandschaften sehr gut, vor allem solche, die die Kinder an der Gestaltung und Umgestaltung teilhaben lassen. Am besten geeignet für eine Bewegungslandschaft ist natürlich ein großer Raum oder im Sommer auch, wenn vorhanden, der Garten oder das Außengelände. Während größere Kinder gerne einen Parcours durchlaufen, halten sich kleinere Kinder eher an einzelnen Stationen auf, weshalb im Kindergarten quasi mehrere »einzelne Bewegungslandschaften« aufgebaut werden sollten. Material das man für eine Bewegungslandschaft im Kindergarten verwenden kann, steht in der Regel ausreichend zur Verfügung. Bänke und Kisten, Schaumstoffblöcke, Matten, Balancebretter, Tücher und Decken, Reife oder diverse Gymnastik-Kleingeräte sind meist immer vorhanden.

Bei der Wahl der Materialien muss selbstverständlich darauf geachtet werden, dass möglichst keine Verletzungsgefahr davon ausgeht, denn nicht alles ist zweckentfremdet auch noch sicher. Gerade bei Seilen und Ähnlichem ist immer Vorsicht geboten. Stationen bei denen Kinder klettern, hochsteigen oder herunterhüpfen müssen, ist es wichtig, dass stets eine Person dabeisteht. Neben der sinnvollen Gestaltung der Station sollte auch darauf geachtet werden, dass diese entsprechend genutzt werden kann, dies bedeutet insbesondere, dass nicht zu viele Kinder gleichzeitig dort sein wollen. Ansonsten kann dies nicht nur für unnötige Streitereien führen, sondern auch zu Verletzungen und der Sinn und Zweck der Bewegungslandschaft wäre somit dahin.

Auch und gerade im Kindergartenalter ist weniger wieder einmal mehr. Je kleiner die Kinder sind umso »unspektakulärer« muss der Aufbau sein. Meist reichen schon verschiedene Möglichkeiten über unebenes Gelände aus Matten und Decken zu krabbeln oder über eine Bank zu balancieren.

Die Kinder lieben es besonders, wenn sich hinter ihrem Tun auch etwas Geheimnisvolles verbirgt. Eine spannende kleine Geschichte, am besten mit einigen bekannten Elementen ausgeschmückt, macht noch mehr Lust, sich zu betätigen. Bekannte Elemente können dabei etwa die Namen der Erzieherinnen sein, die dann als verwunschene Prinzessin, als Zauberin oder was auch immer in der Geschichte auftauchen, es können regionale Dinge sein oder auch die Kinder selbst.

Bewegungslandschaften im Mutter-Kind-Turnen und Vorschulturnen

Ideen für den Sportverein

Für Bewegungslandschaften im Sportverein gilt zunächst natürlich Ähnliches wie im Kindergarten. Als Erstes hat man sich die Frage zu stellen,

  1.  Auf was möchte ich den Schwerpunkt setzen? (Ausdauer, Kräftigung, Geschicklichkeit …)
  2.  Welche Geräte sind für die Kinder geeignet?
  3.  Wie kann ich die Kinder für die Bewegungslandschaft begeistern?

Kinder im Mutter-Kind-Turnen, insbesondere aber im Vorschulturnen kann man in der Regel bereits etwas mehr bieten, als im Kindergarten, da im Sportverein meist diejenigen sind, die ohnehin schon ein entsprechendes Interesse haben. Hier muss man Anreize schaffen, Neues zu entdecken, neue Erfahrungen zu machen und auch seine eigenen Grenzen kennen und einschätzen zu lernen. Durch einen abwechslungsreichen Aufbau einer Bewegungslandschaft lassen sich Motorik und Koordination gezielt schulen und viele Grundfertigkeiten enorm verbessern. Beim Aufbau einer Bewegungslandschaft ist sowohl die Fertigkeit als auch die Körpergröße der Kinder zu beachten. Natürlich darf es bei motorisch fitten Kindern auch mal »eine Etage höher« gehen, doch muss die Station dann gut abgesichert sein. 

Auch im Vorschulturnen muss die Bewegungslandschaft nicht möglichst komplex im Aufbau sein, vielmehr ist es wichtiger diese abwechslungsreich zu gestalten, was häufig schon dadurch erreicht wird, dass einzelne Stationen mehrfach genutzt werden, etwa zum Drüberklettern, oder Untendurchkriechen, zum Drüberhüpfen und zum Drüberziehen, etc. Dadurch lässt sich auch das Selbstbewusstsein leicht stärken, denn mit einfacheren, gut durchschaubaren Stationen und Übungen, hat das Kind schneller Erfolgserlebnisse, weil es nicht erst über Sinn und Zweck oder über Abläufe die sich ein Erwachsener ausgedacht hat, nachdenken muss.

Mit vielen Matten lässt sich beispielsweise ein hoher Mattenberg errichten, dessen Oberfläche völlig unregelmäßig ist und zum Klettern, Rutschen, Balancieren, Herunterrollen etc. einlädt. Matten sind ohnehin sehr vielseitig und zudem leicht einzusetzen. Etwa Tunnels lassen sich einfach formen oder mehrere Matten zum Hüpfen (z.B. über einen reißenden Fluss) hintereinander auf Abstand legen. Legt man einige Gymnastikstäbe unter die Matten werden sie zu Rollbrettern oder Flossen und fördern den Gleichgewichtssinn. Eingespannt in drei Gymnastikreifen werden sie zur Schaukel.

Wichtig auch bei Bewegungslandschaften im Vorschulturnen oder Mutter-Kind-Turnen ist die »Verpackung«. Es ist wenig ermutigend, den Kindern einen Parcours aufzubauen und ihnen die Anweisung zu geben »durchlauft ihn so oft ihr könnt«. Es sind Geschichten die uns bewegen und so geht es auch den Kindern. Erfinden Sie eine kleine Abenteuergeschichte, vielleicht die Suche nach einem Schatz, die Rettung einer Prinzessin, Abenteuerexpeditionen in eine unbekanntes Land etc. Für solche Geschichten muss man weder ein großer Autor noch ein Germanist sein, es reichen die einfachsten Ideen, die zudem auch lustig, wirr oder »abgedreht« sein dürfen. Einige wichtige Stätten des Ortes, den Schulnamen, den Namen der Übungsleiter usw. mit einbauen und schon sind die Kinder gänzlich bei der Sache.

Laden ...
Fehler!