Ein amerikanisches Ringerteam unter Leitung des gestrengen Coach Harris (Genreveteran Todd Jensen, unter anderem "Wrong Turn 3: Left for Dead") bestreitet eine Reihe Turniere in Osteuropa. Das nächste soll in Odessa stattfinden.

Doch die jungen Sportler machen Harris' Plänen unbeabsichtigt einen Strich durch die Rechnung: Statt in den reservierten Hotelzimmern die Nacht zu verbringen, vergnügen sich Alex (Thora Birch), Willy (Gideon Emery), Sheldon (Kavan Reece), Todd (Derek Magyar) und Claire (Gloria Votsis) auf einer Technoparty, zu der sie ein Einheimischer eingeladen hat. Dadurch verpassen sie den Zug und sitzen offenbar hoffnungslos am Bahnhof fest. Doch wie aus heiterem Himmel taucht die aparte Velislava (Koyna Ruseva) auf und erklärt den Amerikanern in perfektem Englisch, dass schon bald ein Zug eintreffen werde, der nach Odessa fahre. 

Tatsächlich fährt besagter Zug kurz darauf in den Bahnhof ein. Erleichtert steigen die Sportler in die Waggons ein und machen es sich in den zugewiesenen Abteils bequem. Das merkwürdige Benehmen des Zugpersonals und einiger anderer Fahrgäste nehmen sie achselzuckend in Kauf. Aber dann verschwindet Willy und zu spät wird den Studenten klar, auf welche Weise sie ihre Fahrkarten bezahlen sollen – nämlich mit ihren Organen …

"Hostel" auf Schienen

Unbedarfte Amerikaner, die sich in Osteuropa verirren, kein Wort der Landessprache verstehen und auf grausige Weise umgebracht werden. Dieses Konzept sollte aus "Hostel" bekannt sein; einem Film, der wie eine Vorlage für "Train" wirkt. Die Folterkeller sind Waggons gewichen und anstatt gelangweilter westlicher Millionäre sind es in "Train" Menschen mit organischen Krankheiten, die ein frisches Spenderorgan benötigen. Ansonsten lassen sich kaum wesentliche Inhaltliche Unterschiede zwischen den Splatterstreifen finden.

Befremdlich wirkt erneut die extrem negative Darstellung Osteuropas, die fast schon an Propaganda denken lässt: Graue Gebäude, überall Schmutz und Unrat, unfreundliche Einheimische, die den Fremden gegenüber entweder abweisend oder feindlich gegenüberstehen, und allerorts Gewalt. Selbst auf das Militär oder die Polizei ist in derlei Filmen kein Verlass, stecken die Behörden doch mit den Verbrechern unter einer Decke. Gewiss: Dieses düstere Menschenbild wird mit Vorliebe auch auf den Süden der USA ausgeweitet, wo mutierte Menschenfresser wie in "Wrong Turn" auf knackige Yankees lauern. Laut dieser Diktion ist die Zivilisation der großen Städte der einzige sichere Hafen vor dem Grauen, das in ländlichen, abgeschiedenen Gebieten wartet. Der Gipfel dieser Angst vor dem Fremden verbirgt sich natürlich dort, wo noch vor wenigen Jahren der Erzfeind lauerte: In Osteuropa.

Krank wie "Saw", hart wie "Hostel" und blutig wie "REC"?

Beworben werden die DVD und die blu-ray mit folgenden Worten: "Krank wie "Saw", hart wie "Hostel" und blutig wie "REC". Ob es tatsächlich als cineastisches Qualitätssiegel gelten kann, einen "kranken" oder "blutigen" Film produziert zu haben, sei dahingestellt. Bezeichnend ist indes die erschreckende Einfallslosigkeit, mit der nicht nur das Marketing von "Train" betrieben wird, sondern vielmehr die komplett überraschungsfreie, vor Logikfehlern strotzende Handlung desselben.

So wenig originell auch "Saw", "Hostel" und "REC" inszeniert wurden: Dermaßen schlampig und unausgegoren wie "Train" wurde keines dieser Genrewerke produziert. Ursprünglich war Gideon Raffs Film als Remake des aus 1980 stammenden Slashermovie "Terror Train" (mit Jamie Lee Curtis in der Hauptrolle) konzipiert. Vielleicht in Folge des Erfolgs der "Saw"-Reihe wurde nur das Transportmittel übernommen und alles andere komplett über Bord geschmissen.

Wenn Klischees Kopfschmerzen verursachen

Zumindest das Special-Effects-Team stellt in "Train" eindrucksvoll seine Kompetenzen unter Beweis. Speziell bei den genüsslich in Szene gesetzten Ausweidungen noch lebender Menschenkörper wurde beste Arbeit geleistet. Leider sprang der kreative Funke weder aufs Drehbuch, noch die Regie über. Insbesondere das Script wimmelt von Klischees und Ungereimtheiten jeder Art.

Beispielsweise vertrauen zwei Studentinnen ihre Reisepässe obskuren Gestalten an, nachdem ihnen diese erklärten, es würden sich Diebe an Bord befinden. Echte Männer schieben auch schon mal mehrere Waggons durch die Gegend und die jungen amerikanischen Studenten werden von deutlich älteren Erwachsenen verkörpert. Nicht fehlen darf natürlich das Aufteilen der Gruppe, um es den Killern so einfach wie möglich zu machen. In einem der wohl dicksten Anschlussfehler der jüngeren Filmgeschichte löst sich eine komplette Zuggarnitur offenbar in Luft auf, um einem nachfolgenden Zug freundlicherweise Platz zu machen. Angesichts derlei Patzer stellt der geneigte Zuschauer fest, wie viel Mühe und Sorgfalt in die Produktion des Filmes geflossen sind. Herzlich wenig.

Thora Birch unter Wert geschlagen

Mitleid verspürt man für die tapfer gegen die Schurken und das schwache Drehbuch ankämpfende Thora Birch. Bekannt wurde sie mit ihrer Performance als Kevin Spaceys Tochter in "American Beautry". So richtig in Schwung kam ihre Karriere dennoch nicht, weshalb sie sich mittlerweile in letztklassigen Splatterfilmen wie "Train" verdingen muss. Wie sie es trotzdem schafft, ihre Rolle bis zum Schluss mit ernsthafter Miene zu verkörpern, das nötigt Respekt ab.

Im Gegensatz zu "Train", der neben seiner Xenophobie, einfallslosen Regie, fürchterlichen Logikfehlern und den unsäglichen Klischees auch noch frech am "Hostel"-Ruhm partizipieren möchte. Etwas Gutes bringt der Streifen dennoch mit sich, nämlich in Form eines neuen Gütesiegels: "Besser als ‚Train'", sollte sich hinkünftig jeder noch so lieblos hingeschluderte Genrefilm an die Fahnen, respektive aufs Cover heften dürfen.

Nikakoi, am 07.02.2015
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