Die Bedeutung von Träumen aus psychologischer Sicht

Im Traum werden Probleme und Konflikte oder Enttäuschungen bearbeitet oder sogar gelöst. Auch wenn es sich manchmal um Scheinlösungen handelt, wird doch die Seele dadurch entlastet. Im Traum gibt es ebenso wenig Gesetze von Moral oder Vernunft wie Zeit oder Raum. Dadurch ist es möglich, Ersatzhandlungen, viele geheime Wünsche, Triebe und Begierden scheinbar auszuleben. Da das Eingeständnis dieser selbst im Traum oftmals noch schwierig ist, erfolgt die traumhafte Befriedigung häufig nur in symbolischer Form. Eine derartige Traumbefriedigung befreit die Psyche von Spannungen, Konflikten, gestauten Gefühlen und Trieben, die sich ansonsten summieren und dazu führen würden, dass ein geringer negativer Anlass genügt, um den betroffenen Menschen emotional explodieren zu lassen. Jedes Unterbewusstsein hat Inhalte zu denen man im Wachzustand normalerweise keinen Zugang hat. Diese Inhalte sind oft Enttäuschungen oder andere verdrängte Lebenserfahrungen, die in den meisten Fällen von negativen Gefühlen begleitet waren. Die unbewussten Inhalte verlieren jedoch nicht ihren Einfluss auf das Leben des Träumenden. Darum ist es wichtig, ihnen auf die Spur zu kommen, wenn man sich selbst besser verstehen will und mehr Selbsterkenntnisse sammeln möchte. Ein guter Weg dazu ist die Deutung unserer Träume. Das ist jedoch im Allgemeinen nicht ganz so einfach, weil die Trauminhalte oft verschlüsselt sind. Da Kinder meist noch wenig verschlüsselt träumen, ist davon auszugehen, dass die Traumchiffrierung abhängt von der Erziehung zur Befolgung gesellschaftlicher Normen und Wertvorstellungen. Es lassen sich verschiedene Arten von Träumen unterteilen.

Alltagsträume, Angstträume und Alpträume

In Alltagsträumen werden Alltagserlebnisse mit den Eindrücken und Erfahrungen des kürzlich erlebten Alltags noch einmal widergespiegelt. Dieser Art von Träumen fällt im Allgemeinen kein besonderes Gewicht im Hinblick auf eine versteckte Bedeutung zu.

Einen Angst- oder Alptraum wird ein Träumender schon allein deswegen stärker beachten, weil sie stark gefühlsbetont sind. Ein Angsttraum unterscheidet sich vom Alptraum dadurch, dass er den Träumenden nicht zum Aufwachen veranlasst, sondern die Angst im Traum überwunden wird. Beide Arten von Träumen können die gleichen unbewussten Gründe haben, aber beim Alptraum wird die Botschaft aus dem Unterbewusstsein mit viel mehr Nachdruck übermittelt. Eine Botschaft zum Beispiel, wie ein starkes unterdrücktes Gefühl, das sich einen Platz im bewussten Leben des Träumenden verschaffen will oder ein großer innerer Konflikt, der wahrgenommen und gelöst werden möchte.

Hemmungsträume, Körperbedingte Träume und Krankheitsträume

Eine weitere Kategorie sind die sogenannten Hemmungsträume. Charakteristisch für sie sind Fall- oder Lähmungssituationen, die sich ausdrücken können durch einen Absturz nach einem Aufstieg oder die Bewegungslosigkeit des ganzen Körpers oder einzelner Körperteile. Der seelische Hintergrund von Hemmungsträumen ist fehlendes Selbstvertrauen oder ein allgemeines Gefühl der Sinnlosigkeit aller eigenen Bemühungen.

Zwei Faktoren können verursachend sein für einen körperbedingten Traum oder einen Krankheitstraum. Sie entstehen entweder durch Reize aus der Umgebung des Schläfers, da Gehirn und Sinnesorgane im Schlaf nie völlig ausgeblendet sind, oder aber sie reagieren auf Reize aus dem Körperinneren, wie beispielsweise leichte Schmerzen. Körperbedingte Träume sind aber durchaus ernst zu nehmen, da sie uns möglicherweise hinweisen auf tatsächlich beginnende Erkrankungen, deren erste Anzeichen man im Wachzustand wegen der abgelenkten Aufmerksamkeit noch nicht wahrnehmen kann.

Erotische Träume, Verlegenheitsträume und Wunschträume

Manchmal dienen Sexualträume als Ventil für gestaute sexuelle oder erotische Bedürfnisse und Empfindungen, die im Leben des Träumenden nicht ausreichend befriedigt werden und werden dann oft zensiert und ihre Botschaften verschlüsselt und entstellt übermittelt. Ein erotischer Traum kann aber ebenso den Wunsch nach psychischer Geborgenheit ausdrücken - symbolisch dargestellt durch eine physische Vereinigung - oder einen Konflikt zwischen den weiblichen und männlichen Persönlichkeitsanteilen des Träumenden aufzeigen.

Verlegenheitsträume sind oft mit Angstzuständen verbunden und können auf Situationen beruhen, die tatsächlich in der Realität erlebt wurden. Sie stellen Situationen dar, in denen man sich aus Verlegenheit falsch verhält und vielleicht etwas Falsches sagt oder tut. Minderwertigkeitsgefühle und Versagensängste sind oft der Auslöser. Ist der Verlegenheitstraum allerdings ein Nackttraum und läuft der Träumende unbekleidet vor ebenfalls im Traum anwesenden angekleideten Personen davon, liegt ihm oft Angst vor einer Bloßstellung zugrunde oder ein Aufruf des eigenen Unbewussten zu mehr Ehrlichkeit und Offenheit im wachen Leben.

Wunschträume sind zum Teil verschlüsselt, zum Teil auch nicht, je nachdem, ob das eigene Gewissen die Inhalte unbesorgt zulassen kann. Direkte, unverschlüsselte Wunschträume sind besonders häufig bei Kindern zu finden und können leicht selbst gedeutet werden.

Traumdeutung

Über die Traumdeutung selbst gibt es unzählige Bücher und Nachschlagewerke, die meistens Träume anhand von im Traum vorgekommenen Symbolen zu erklären versuchen. Auf andere Weise werden Träume im psychologischen Kontext ergründet. Eine der Grundannahmen der psychologischen Traumdeutung ist es, dass die Persönlichkeit des Träumenden sich nicht im Gleichgewicht befindet und sich die unterdrückten Persönlichkeitsanteile mit ihren Interessen und Begabungen zu Wort melden. Um darüber Genaueres herauszufinden, wird der Träumende im Nachhinein in einer psychologischen Gesprächssituation aufgefordert, die Rolle aller im Traum vorgekommenen Personen nacheinander anzunehmen und dabei auf die verschiedenen Gefühle zu achten.

Autor seit 5 Jahren
96 Seiten
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