Wo Geld, Anerkennung und Ruhm locken, drängen Schwindler unweigerlich ins Rampenlicht. Dies gilt nicht nur, sondern auch insbesondere für das UFO-Phänomen. Seit Jahrzehnten überschatten Lügengeschichten und Scharlatane jeglichen Versuch der ernsthaften Auseinandersetzung mit dieser Materie. Zumindest eines verbindet die nachfolgende Auflistung der bekanntesten Lügenbarone: Viele Zeitgenossen gingen ihnen mitunter allzu leichtfertig auf den Leim!

Aurora: UFO-Crash 50 Jahre vor Roswell?

Liegt hier irgendwo ein abgestürztes UFO?

Verlorener Kampf gegen Windmühlen

Obwohl das Phänomen erst gegen Ende der 1940er Jahre so richtig weltweite Bekanntheit erlangte, reichen die UFO-Sichtungen wohl bis zu den Ursprüngen der Menschheit zurück. Geheimnisvolle Objekte oder göttliche Zeichen am Himmel sind quer durch alle bedeutenden Kulturen zurückverfolgbar. Eine mittelalterliche britische Sage etwa berichtet, wie die Besucher einer Messe Zeuge seltsamer Vorgänge wurden. Demnach hätte sich bei dichtem Nebel ein Anker in einem Grabstein verfangen, woraufhin ein Mann an dem gespannten Seil nach unten geklettert sei und den Anker aus dem Hindernis gerissen hätte. Der Unbekannte sei von den Augenzeugen ergriffen worden und starb angeblich an Ort und Stelle.

Die Deutung dieser mysteriösen Objekte als mögliche Fluggeräte außerirdischer Besucher, entstammt freilich der Moderne. Es ist wohl auch kein Zufall, dass sich der erste einschlägige Bericht als Schwindel entpuppte - und verblüffende Ähnlichkeiten mit dem Roswell-Zwischenfall 1947 aufwies. Wie der Journalist H. E. Haydon am 17. April 1897 in einer Zeitung berichtete, sei am Vortag ein Raumschiff über der texanischen Kleinstadt Aurora gegen eine Windmühle gekracht und explodiert. Dem nicht genug, habe man den Leichnam eines außerirdischen Insassen gefunden, der von den Stadtbewohnern auf dem örtlichen Friedhof beigesetzt worden sei.

Bis 1973 war die ganze Geschichte wieder vergessen, ehe ein gewisser Hayden Hewes den Stein erneut ins Rollen brachte und Nachforschungen anstellte. Diese endeten aber in einer Sackgasse: Potenzielle Augenzeugen waren längst verblichen und eine Exhumierung des angeblichen Alien-Grabes wurde ihm behördlich untersagt. Außer dem Zeitungsbericht selbst und vagen Aussagen älterer Bewohner, wonach ihnen Verwandte von dem Absturz erzählt hätten, gab es keinerlei greifbare Indizien. Ganz im Gegenteil: Die Tatsache, dass in Aurora 1897 keine Windmühle stand, und das spätere Eingeständnis des Journalisten Haydon, es habe sich um eine frei erfundene Geschichte gehandelt, lassen nur einen einzigen Schluss zu: Der angebliche UFO-Absturz in Aurora war eine klassische Zeitungsente. Gerade zu jener Zeit übertrumpften sich die Zeitungen mit aus der Luft gegriffenen Sensationsartikeln. Und Zufall oder nicht: Roswell, wo fast exakt 50 Jahre später ebenfalls ein außerirdisches Raumschiff abgestürzt sein soll, liegt nur etwa 800 Kilometer von Aurora entfernt...

Krieg der Welten: Die Ankunft der Marsianer

Orson Welles narrt eine ganze Nation - oder doch nicht?

H. G. Wells "Krieg der Welten": Vorlage zum HörspielAusgerechnet am Vorabend zu Halloween des Jahres 1938 landeten die Außerirdischen in New Jersey. Und sie kamen unzweifelhaft in feindlicher Absicht, eröffneten das Feuer auf arglose Schaulustige und das Militär. Jedenfalls berichtete dies ein damals unbekannter junger Mann namens Orson Welles in Form einer angeblichen Live-Reportage. Entgegen späterer Behauptungen löste sein clever inszeniertes Hörspiel allerdings keine Massenpanik an der Ostküste aus. Beim Sender CBS, der das Hörspiel ausstrahlte, gingen lediglich wenige besorgte Anrufe ein, ob das Gehörte tatsächlich wahr sei. Weder flohen tausende Menschen aus der vorgeblichen Todeszone, noch wurden die Leitungen von CBS und den örtlichen Polizeistellen von entsetzten Anrufern blockiert.

Orson Welles hatte am 30. Oktober 1938 lediglich den berühmten Roman "The War of the Worlds" (auf Deutsch unter dem Titel "Krieg der Welten" veröffentlicht) seines Beinahe-Namensvetters H. G. Wells für ein gruseliges Hörspiel adaptiert. Um den Wirkungsgrad für das amerikanische Publikum zu erhöhen, verlegte er die Handlung von England nach New Jersey. Nicht nur für Welles stellte der Erfolg des Stückes den Grundstock einer großen Karriere dar. Howard Koch, der das Script verfasst hatte, sollte später zu einem der bedeutendsten Drehbuchautoren Hollywoods aufsteigen. Sein Drehbuch zum Klassiker "Casablanca" brachte ihm sogar den Oscar ein.

Trotzdem ließ ihn sein erfolgreiches Hörspiel nicht mehr los. 1970 erschien ein Buch, das sich mit der Produktion sowie der Rezeption von "Krieg der Welten" auseinandersetzte und 1975 verfasste er das Drehbuch für den Spielfilm "The Night That Panicked America" ("Die Nacht, als die Marsmenschen Amerika angriffen"). Der Film schildert die Geschichte hinter dem Hörspiel sowohl aus Orson Welles' Sicht, als auch jener einer fiktiven Familie, die das Gehörte für bare Münze nimmt. Wissentlich oder unwissentlich schuf Howard Koch einen doppelten Mythos: Zunächst jenen des Hörspiels "Krieg der Welten" selbst, Jahrzehnte später den des eine Massenpanik auslösenden Radiostückes.

Nicht mehr alle Fliegenden Untertassen im Schrank: Der Fall George Adamski

Die Küchenlampe von der Venus

Planet Mars. Nicht im Bild: MarsbewohnerNachdem ein gewitzter Reporter Kenneth Arnolds UFO-Sichtung am 24. Juni 1947 als "Fliegende Untertassen" bezeichnet hatte, stieg das Interesse der Öffentlichkeit an angeblichen oder tatsächlichen UFO-Begegnungen. Je sensationeller die Behauptungen, desto besser! Und keiner fabulierte aufregender, als ein gewisser George Adamski. Adamski war gebürtiger Pole, der allerdings in den USA aufgewachsen war und sich unter anderem als Soldat verdingt hatte. Der Hobby-Astronom zeigte schon früh größtes Interesse an der Idee außerirdischer Besucher auf Erden und schrieb einige Science-Fiction-Geschichten. In einer dieser Geschichten reist der Erzähler an Bord eines zigarrenförmigen Raumschiffes zu den Planeten Mars und Venus, die als bewohnt beschrieben wurden. Damit hob er sich freilich nicht vom Gros erfolgloser Science-Fiction-Autoren ab.

Erst seine in den 1950er Jahren veröffentlichten Werke erregten Aufmerksamkeit und wurden zu Bestsellern. Anstatt seine Geschichten als fiktiv zu deklarieren, behauptete er nun, er stünde tatsächlich in Kontakt mit außerirdischen Besuchern und wäre von ihnen zu Rundflügen auf den Mond, den Mars und die Venus eingeladen worden. Seine Behauptungen untermauerte er mit Augenzeugenberichten seiner Freunde von den Treffen, dem Gipsabdruck der Schuhsole eines Besuchers sowie Fotos. Bei einem dieser Treffen gelang ihm die wohl berühmteste (angebliche) UFO-Aufnahme, die das Raumschiff seiner Freunde von der Venus zeigen sollte. Tatsächlich stellte sich das Objekt auf dem Foto als ganz gewöhnliche Küchenlampe heraus, bei dem sogar der Bügel zum Befestigen an der Decke deutlich zu erkennen war.

Dessen ungeachtet zogen seine phantasievollen Erzählungen zahlreiche Menschen in den Bann und George Adamski wurde zu Vorträgen in Europa eingeladen, wo er unter anderem die niederländische Königin zum Smalltalk treffen durfte. Erhebliche Zweifel an seinen Behauptungen bestanden natürlich von Anfang an. Vielmehr erscheint es rückblickend unglaublich, dass seine unscharfen oder eindeutig gewöhnliche Alltagsgegenstände zeigenden Fotos von vielen Zeitgenossen als Abbildungen echter Raumschiffe von anderen Planeten akzeptiert wurden. Selbst die Botschaften der höchst attraktiven, blonden Venusianer konnten simpler nicht sein: Sie warnten vor den Verheerungen, die ein atomarer Schlagabtausch mit sich bringen würden. Eine selbst damals wenig verblüffende Erkenntnis. Als entschuldigend könnte man höchstens die weitgehende Unkenntnis über die Lebensfeindlichkeit der Nachbarplaneten werten. Noch bis in die 1960er Jahre hinein hielten manche Wissenschaftler Leben auf der Venus oder dem Mars für möglich. George Adamski starb am 23. April 1964. Das Begräbnis fand in Abwesenheit blonder Venusianer statt.

Mein Liebhaber vom Saturn: Howard Menger

Männer sind vom Saturn, Frauen von der Venus

George Adamski sollte nicht der einzige UFO-Kontaktler bleiben. Im Gegenteil: Zahlreiche Nachahmer sprangen mit mal mehr, mal weniger Erfolg auf den fahrenden Zug auf. Unter ihnen stach allenfalls der ehemalige Werbezeichner Howard Menger heraus, der angeblich bereits seit seiner Kindheit mit venusianischen Besuchern Kontakt hatte. Gleich dem berühmteren Adamski, unternahm auch Menger Weltraumreisen an Bord außerirdischer Raumschiffe und schoss als Beweis seiner Behauptungen unscharfe Fotos.

Seine Geschichten peppte er mit weiteren abenteuerlichen Behauptungen auf, etwa jener, er habe ein funktionierendes Perpetuum mobile gebaut, das aber auf mysteriöse Weise zerstört wurde. Über seine Kontakte und im späteren Verlauf religiösen Offenbarungen berichtete er bis ins hohe Alter. Bei einem seiner Vorträge traf er auf die attraktive Reporterin Marla, die sich ihm als Außerirdische zu erkennen gab. Die beiden wurden ein Paar und heirateten. Wie sich später herausstellen sollte, war es eine standesgemäße Hochzeit, enthüllte Marla in ihrem Buch "Mein Liebhaber vom Saturn" doch, dass ihr Liebster gleichfalls extraterrestrischer Herkunft sei. Gleich und gleich gesellt sich eben gern...

Mensch, Meier! UFOs über der Schweiz

Außerirdische in der Dean-Martin-Show?

Der bekannteste europäische UFO-Kontaktler stammt aus der Schweiz. Billy Meier (eigentlich Eduard Meier) behauptet, er stünde in regelmäßigen Kontakt zu Bewohnern der Plejaden. Diese Treffen fänden sowohl direkt, als auch via Telepathie statt. Ungewöhnlich ist die Anzahl an "Beweisen" für die angebliche Echtheit seiner Kontakte. Zahlreiche Fotos, Tonbandaufzeichnungen und sogar Metallproben gäbe es von seinen Treffen. Allerdings konnte kein Beweis bislang überzeugen, was seitens der Besucher offenbar auch nicht erwünscht sei.

Laut dem Skeptiker Karl Corff sind zumindest Meiers Fotos von zweifelhafter Authentizität. Manche von ihnen seien lediglich Spielzeugmodelle mit Bonsaibäumchen im Hintergrund. Die Fotos angeblicher Außerirdischer sollen von Models aus Katalogen stammen sowie die vom Fernsehbildschirm abfotografierte Tänzerin einer Dean-Martin-Show darstellen. Seine Anhänger ließen sich von den Enthüllungen aber kaum beeindrucken. Meier gründete 1975 FIGU, die "Freie Interessengemeinschaft für Grenz- und Geisteswissenschaften und Ufologiestudien". Zumindest einen gewissen Unterhaltungswert kann man Billy Meiers Behauptungen nicht absprechen, wiewohl die Echtheit durchaus bezweifelt werden darf.

Die Tragödie von "Heaven's Gate"

Bis 1997 assoziierte man allenfalls Michael Ciminos Filmflop "Heaven's Gate" mit diesem Titel. Am 26. März 1997 schockierte der Massenselbstmord der gleichnamigen UFO-Sekte die Weltöffentlichkeit. Erst nach und nach kamen die Details der Tragödie ans Tageslicht. Die US-Amerikaner Marshall Applewhite und Bonnie Nettles hatten bereits in den 1970er Jahren die New-Age-Sekte gegründet. Als 1996 Fotos des Kometen Hale-Bopp veröffentlicht wurden, glaubten Einige, darunter Applewhite, ein riesiges Raumschiff im Schweif des Kometen erkennen zu können. In Wahrheit handelte es sich bei dem Objekt um einen Stern. Für die Sektenmitglieder war dies ein lange erhofftes Zeichen. Das angebliche Raumschiff würde ihre Seelen aufnehmen und in die nächsthöhere Entwicklungsstufe bringen.

Zwischen dem 24. und dem 26. März 1997 begingen neben Applewhite 38 Mitglieder von "Heaven's Gate" Selbstmord. Die Toten wurden in ihren Betten gefunden, wobei sie allesamt Armbänder trugen, auf die "Heaven's Gate Away Team" gedruckt war. "Away Team" bezeichnete in "Star Trek" die Erkundungsmitglieder auf fremden Planeten. Makabrerweise befand sich unter den toten Sektenmitgliedern der Bruder von Schauspielerin Nichelle Nichols, die in der "Star Trek"-Serie Lieutenant Uhura verkörperte. Nur ein einziges Mitglied der Sekte durfte überleben, um die Botschaften von "Heaven's Gate" weiterhin verbreiten zu können.

Der große Santilli!

Alien oder Puppe auf dem Seziertisch?

Helle Aufruhr erfasste 1995 selbst Kreise weit außerhalb der UFO-Szene. Ein englischer Filmproduzent namens Ray Santilli behauptete, im Besitz eines Filmes zu sein, der die Autopsie eines 1947 beim Absturz seines Raumschiffes nahe Roswell getöteten UFO-Piloten zeige. Der rund 16 Minuten lange Schwarzweiß-Streifen sei von der US-Armee gedreht worden, wobei der Kameramann eine Kopie des Originalfilmes anfertigte und nach draußen schmuggelte. Knapp ein halbes Jahrhundert später habe er Santilli das Material angeboten, der anfangs skeptisch gewesen sei, den Film aber dennoch kaufte.

Ende August 1995 war es dann endlich soweit: RTL strahlte einige Szenen des Filmes aus, der sofort für heftige Diskussionen sorgte. Dabei wurde nicht nur über die Authentizität des Streifens debattiert, sondern auch darüber, ob es sich bei dem tatsächlich fremdartig aussehenden Wesen nicht möglicherweise um die Leiche eines an Progerie erkrankten Menschen handelte. Auf den ersten Blick wirkte das Video verblüffend realistisch. Doch die - wohl absichtlich - wackelige Kameraführung, die bei interessanteren Details unscharf wurde, wie auch die selbst für Laien als unprofessionell erkennbare Autopsie stärkten den Verdacht eines Schwindels.

Schließlich gestand Ray Santilli 2005 einem britischen TV-Sender, den Film selbst gedreht zu haben. Zwar sei er im Besitz authentischen Materials, doch habe sich dieses nach all den Jahrzehnten im Zustand der Zersetzung befunden, weshalb er und zwei Freunde die echte Autopsie nachgefilmt hätten. Damit war der Schwindel endgültig aufgedeckt, was aber die Gerüchte rund um den angeblichen Roswell-Absturz nicht zum Verstummen brachte. Denn von Beginn weg hatten Fürsprecher des UFO-Crashs 1947 darauf hingewiesen, dass das Alien auf dem Seziertisch (in Wahrheit handelte es sich dabei um eine Puppe) den in Roswell abgestürzten Außerirdischen kaum ähnelte. Wieder sah sich die Szene um die große Hoffnung auf einen unwiderlegbaren Beweis für die Anwesenheit fremder Besucher betrogen.

Stan Romaneks Peeping Alien

Es scheint so, als habe der Schwindel rund um das Santilli-Video dazu geführt, dass jegliche mediale Auseinandersetzung mit dem UFO-Phänomen automatisch ins Lächerliche gezogen wird. Durchaus verständlich: Wer möchte schon als der Nächste gelten, der auf einen Schwindel hereingefallen ist? Folglich hielt sich die Begeisterung in Grenzen, als 2008 ein gewisser Stan Romanek bei Larry King auftrat und behauptete, ein Video von einem durchs Fenster linsenden Alien zu besitzen.

Man beachte Stan Romaneks "natürliches" Verhalten

Leslie Keans Bestseller "UFOs"Er hatte die Kamera aufgestellt, um einen angeblichen Voyeur aufzunehmen, der seine Familie belästigte. Wie sich zeigen sollte, sind offenbar auch Außerirdische vor niederen Gelüsten nicht gefeit. Romanek behauptet weiters, er wäre mehrfach von Aliens entführt worden. Natürlich ist auch in diesem Fall die Beweislage äußerst dünn und der US-Amerikaner wird nicht der letzte UFO-Kontaktler mit abenteuerlichen Behauptungen sein.

Nach all den Jahrzehnten an Lügengebilden und Schwindeleien, die mitunter sogar tragisch endeten, scheint es zweifelhaft, ob jemals ein glasklarer Beweis für die Anwesenheit außerirdischer Besucher erbracht werden kann. Außer Frage steht lediglich, dass die Betrügereien und Lügen, selbst wenn sie in "bester Absicht" erfolgten, dem UFO-Phänomen einen Bärendienst erwiesen haben.

Autor seit 6 Jahren
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