Die drei Musketiere als Namensgeber

Eva möchte die drei inneren Stimmen zeichnen, ihnen ein Gesicht und einen Namen geben. Eva leidet an einer chronischen Depression und beschäftigt sich im Rahmen ihrer Therapie mit diesem Thema.

 

Sie fängt an den inneren Kritiker zu zeichnen, er bekommt bei ihr eine Brille und einen verkniffenen Mund. Schon meldet sich in ihr eine Stimme: "Du kannst überhaupt nicht zeichnen!" Da Eva sich schon etwas auskennt mit den inneren Stimmen fällt ihr gleich eine passende Antwort ihres wohlwollenden Begleiters ein: "Doch, kann ich. Siehst du doch!" Daraufhin der innere Kritiker: "Das sieht aber scheiße aus!" (Ja, so ist er, er verteilt einfach so solche Urteile ohne sie zu begründen.) Der wohlwollende Begleiter meint: "Macht nichts wenn es jemand blöd findet. Ich finde es gut, es zu tun! Denn – Erfolg hat drei Buchstaben: TUN."

 

Sie zeichnet weiter. Irgendwo hat sie gelesen, dass die drei Musketiere Porthos, Aramis und Athos den drei inneren Stimmen zugeordnet werden können. Porthos soll dabei für den inneren Kritiker stehen, Aramis für den wohlwollenden Begleiter und Athos für den Faulpelz. Also schreibt sie unter den Gesichtern die entsprechenden Namen und möchte noch ein Symbol dazu zeichnen. Sie findet die Symbole Feder, Schwert und die Shilouette einer Burg passend für die drei Musketiere und zeichnet neben Porthos eine Feder, neben Aramis ein Schwert und neben Artos die Umrisse der Burg. Schon meldet sich Porthos, der innere Kritiker, zu Wort. "Das mit den Symbolen muss aber schon logisch sein, wieso ist das Schwert bei Aramis und die Feder bei Porthos, es muss genau anders rum! Haha, ich wußte, dass du es versaust." Aramis, der wohlwollende Begleiter, entgegnet besonnen "Stimmt, das wäre schöner. Aber es ist erstmal okay so. Ich übe ja und die Idee an sich ist schon mal super!" Es ist ja nicht so, dass der innere Kritiker grundsätzlich unrecht hat. In diesem Fall wäre es tatsächlich passender ihm das Schwertsymbol zuzuordnen und dem freundlichen Aramis als wohlwollenden Begleiter die Feder.

 

Eva zeichnet die Haare von Aramis. Dies kommentiert Porthos "Naja, die Haare kann man ja auch schöner machen!" Der wohlwollende Begleiter, Aramis, entgegnet einfach "Könnte man. Ich habe es so gemacht und es ist gut genug." Manchmal muss Porthos auch einfach nur in seine Schranken gewiesen werden. Wie bei dem nächsten Kommentar zu der Zeichnung des Faulpelzes, Athos. "Athos guckt wie eine Kuh!" In diesem Fall antwortet ihr wohlwollender Begleiter einfach "Halt die Klappe, Porthos!"

 

Der Faulpelz sorgt für Pausen

Eva möchte nochmal nachlesen, wieso genau die drei Musketiere hier diese Entsprechungen bekommen haben. Sie findet aber die ursprüngliche Quelle nicht wieder und findet auch sonst keine schlüssigen Erklärungen dafür, dass die Eigenschaften zu den jeweiligen Musketieren passen. Sofort meldet sich der innere Kritiker "Wo hast du das schon wieder her mit den Namen der Musketiere, das passt hinten und vorne nicht! Du tust immer so schlau." Evas wohlwollender Begleiter antwortet "Hatte ich irgendwo gelesen. Macht aber nichts – war eine schöne Anregung um mich mit dem Thema auseinander zu setzen."

 

Eva möchte die Zeichnung noch etwas aquarellieren, wobei die Farben zu stark aufgetragen waren und dadurch zu stark verwischen. Ein gefundenes Fressen für unseren Porthos "Jetzt hast du es ganz versaut mit dem Wasser." Aramis, ihr wohlwollender Begleiter, fasst zusammen "Ich kann es nochmal machen, dabei das Schwert und die Feder tauschen und evtl. noch andere Entsprechungen zuordnen – es geht um die Idee und sie zu entwickeln. Gleichzeitig übe ich dabei und werde besser. Es ist ein schönes Hobby!"

 

Dies war eine Auseinandersetzung zwischen dem wohlwollenden Begleiter und dem inneren Kritiker, der Faulpelz kam hier gar nicht vor. Er würde aber, für den Fall dass Eva ihrem inneren Kritiker uneingeschränkt Glauben schenkt, wahrscheinlich dazu kommen und sagen, es wäre doch sowieso alles viel zu anstrengend und sie solle sich doch die Mühe nicht machen. Der Faulpelz ist aber auch durchaus wichtig, zum Beispiel wenn Eva sich zu viel vornimmt. Dann sorgt seine Stimme dafür, sich auch mal eine Pause zu gönnen. Wie gut zu erkennen ist, es macht durchaus Sinn dem inneren Kritiker zuzuhören und seine Anregungen auch mal sachlich anzunehmen. Eva hatte nur in den letzten Jahren den Fehler gemacht ihrem inneren Kritiker alles, wirklich alles zu glauben und war dadurch mutlos und immer depressiver geworden. Ohne die stabilisierende Kraft des wohlwollenden Begleiters ist der innere Kritiker destruktiv und verletzend.

Übungen zur Stärkung des wohlwollenden Begleiters

Um den wohlwollenden Begleiter zu stärken gibt es ein paar schöne Übungen. Eva macht nun jeden morgen eine Übung. Sie fragt sich, was würde mein wohlwollender Begleiter zu mir sagen. Das kann sich auf ihr Aussehen, auf vor ihr liegende Aufgaben oder Ziele beziehen. Sie sucht sich einen der Sätze aus, der ihr am besten gefällt und schreibt ihn auf eine schöne Karte oder in ein spezielles Notizbuch. So kann Eva tagsüber immer mal wieder einen Blick auf den Satz werfen und sich an ihm erfreuen.

 

Eine andere Übung ist für den Abend geeignet und besteht darin, sich selbst einen Brief zu schreiben aus der Sicht des liebevollen Begleiters. Er könnte darin erwähnen was bsonders gut gelungen ist, was Gutes geschehen ist. Eva beginnt ihren Brief mit den Worten: "Liebe Eva, ich habe dich heute begleitet und dir wohlwollend zugesehen..." So entsteht im Laufe der Zeit eine kleine Sammlung an Briefen, die Eva in einem Ordner abheftet. Sie freut sich immer wieder mal an einem der Briefe, wenn sie ihn später durchliest.

 

Eine gute Idee ist es auch, sich ab und zu einmal zu fragen, was würde "Aramis" (oder wie auch immer dein wohlwollender Begleiter heißt) zu meiner jetzigen Situation sagen. Eva schreibt sich auch diese Sätze zwischendurch mal auf, wann immer sie die Zeit dafür findet.

 

Weiterführende Literatur

Weiterführende Literaturempfehlungen: "Hermann! - vom klugen Umgang mit dem inneren Kritiker" von Tom Diesbrock und "So gewinnen Sie mehr Selbstvertrauen: Sich annehmen, Freundschaft mit sich schließen, den inneren Kritiker zähmen" von Rolf Merkle (auch als Hörbuch)

Autor seit 5 Monaten
3 Seiten
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