Kultserie kehrt zurück: "V - Die Besucher"

V – Die außerirdischen Besucher kommen

V - Die BesucherEs war einmal... in den 1980er-Jahren. Videorekorder begannen allmählich Einzug in die Wohnzimmer zu halten. Anfangs noch in sehr wenige, da die riesigen Geräte enorm teuer waren - gleiches galt für Videokassetten. Ein vom Fernsehprogramm unabhängiges Filmwochenende glich einem Abenteuerausflug. Zum einen musste man aus der Videothek einen Videorekorder entleihen, zum anderen hoffen, dass zumindest ein paar interessante Filme vorrätig waren. Und selbst wenn man mit reicher Beute nach Hause kam war nicht gesichert, dass der Videorekorder funktionieren würde. Tat er das, begann das nächste große Zittern: Waren die Videobänder noch in Ordnung oder durch das häufige Abspielen bereits "abgenudelt" und lieferten größtenteils nur noch Streifen auf dem Bildschirm?

Einerlei: Es war eine spannende Zeit! Und trotzdem konnte nichts die Fans harmloser Science-Fiction-Serien oder -Filme wie "Raumschiff Enterprise" oder "E.T." auf die von Kenneth Johnson produzierte Miniserie vorbereiten, die den mysteriösen Titel "V – Die außerirdischen Besucher kommen" trug. Von Beginn weg zog die Reihe ihre Zuschauer in den Bann. Dabei wirkte der Plot auf den ersten Blick geradezu bieder: Außerirdische in Gestalt weißhäutiger, durchwegs attraktiver Menschen landen auf der Erde, um den Menschen Frieden und Freude zu bringen.

Oder etwa doch nicht? Trash-Ikone Marc Singer verkörperte einen misstrauischen Journalisten, der ein unfassbares Geheimnis ergründet: In Wahrheit handelt es sich bei den stets freundlich lächelnden, scheinbar gutmütigen Aliens um grässliche Reptilien, die sich dank künstlicher Hautschichten das Aussehen von Menschen verleihen! Und ihre Motive sind bösartiger Natur...

Niemand, der als Kind oder Jugendlicher zum ersten Mal jene bereits legendäre Szene sah, in der das Geheimnis im wahrsten Sinne des Wortes gelüftet wurde, konnte sie je wieder vergessen.

Trotz des sichtlich geringen Budgets, der aus heutiger Sicht rührenden Spezialeffekte und sattsam bekannter Klischees (selbst aus wenigen Metern Entfernung ballern die Aliens am flüchtenden Helden vorbei) war "V – Die außerirdischen Besucher kommen" die Science-Fiction-Serie der 1980er-Jahre!

Verständlicherweise war die Skepsis groß, als ABC ein Remake der Serie produzieren ließ.


Kultserie kehrt zurück:
Offizieller Trailer "V" (Deutsch: "V - DIe Besucher")

V - Die Besucher - Powered bei Morena Baccarin

Kommen "Die Besucher" in Frieden?

Die Welt ist in heller Aufruhr: Gigantische Raumschiffe erscheinen über dutzenden Städten. Der Beginn einer Invasion ähnlich "Independence Day"? Mitnichten, wie die Anführerin der "Besucher", die attraktive Anna (Morena Baccarin), in der jeweiligen Landessprache erklärt. Die Außerirdischen seien mit friedlichen Absichten gekommen und würden den Terranern Geschenke in Form ihrer überragenden Technologie bringen. Erleichtert begrüßen die meisten Menschen die Besucher als Heilsbringer

Nur eine kleine Schar beobachtet die Ankunft der Aliens mit großer Skepsis. Ihre Motive sind dabei unterschiedlicher Natur, haben aber allesamt eines gemeinsam: Sie wissen, dass die "Besucher" keineswegs jene gütige, selbstlose Rasse sind, als die sich medienwirksam präsentieren. Doch solange ihre Mitmenschen die Augen vor der Wahrheit verschließen müssen FBI-Agentin Erica Evans (Elizabeth Mitchell), der abtrünnige Priester Jack Landry (Joel Gretsch) und ihre Mitstreiter der Resistance im Untergrund agieren. Ihr wertvollster Verbündeter ist mit Ryan (Morris Chestnut) ausgerechnet ein seit langem auf der Erde lebender "Besucher"... aber können sie ihm wirklich trauen?

Zwischen 2009 und 2010 sendete ABC insgesamt ein Dutzend Folgen von "V - Die Besucher", wobei der Pilotfilm mit dem wenig originellen Titel "Pilot" von über 14 Millionen Zuschauern verfolgt wurde. Zwar sanken die Quoten, auch bedingt durch eine willkürliche Pause von vier Monaten zwischen dem vierten und dem fünften Teil. Am insgesamt zufriedenstellenden Ergebnis für ABC änderte dies nichts.

In Deutschland sicherte sich Kabel 1 die Rechte an der Ausstrahlung von "V - Die Besucher". 2011 sollen die ersten Folgen gesendet werden. Freilich: Nostalgische Gefühle werden dabei nicht erwachen. Zu unterschiedlich sind der Zugang zum Thema sowie die technische Umsetzung. Trotz des vergleichweise hohen Produktionsbudgets wirken viele Sets steril und sind ganz klar als Computereffekte erkennbar.

Charismatische Morena Baccarin

Trotzdem überwiegen die positiven Aspekte: Die Brasilianerin Morena Baccarin verkörpert die charismatische Anführerin der "Besucher" mit einer Mischung aus Anmut und unterschwelliger Bedrohlichkeit, was zum Kontext der Serie ausgezeichnet passt. Für Wirbel sorgten die politischen Untertöne und deutlichen Anspielungen auf aktuelle Ereignisse, beispielsweise die US-amerikanische Gesundheitsreform, Anschläge unter "falscher Flagge" oder die Beschneidung von Freiheiten zugunsten von Sicherheit. Manche Beobachter beschuldigten die Serie deshalb, rechtspopulistische Propaganda zu betreiben oder der republikanischen Parteilinie zumindest freundlich gesinnt zu sein.

In Deutschland dürften derlei Diskussionen wohl nicht aufkeimen, womit sich die Zuschauer voll und ganz auf das spannende Szenario und die Ent- und Verwicklungen konzentrieren können. Bereits die ersten Folgen machen eines klar: Mit "V - Die außerirdischen Besucher kommen" hat das Remake nur lose Gemeinsamkeiten. Glücklicherweise! Anstatt einen lauen Abklatsch zu bilden, überzeugt die Serie durch ein ganz eigenes, bisweilen sogar originelles Konzept. Da verzeiht man Plotschwächen oder die abgesehen von Morena Baccarin etwas blassen Darstellerleistungen.

"V - Die Besucher" empfiehlt sich als spannende Science-Fiction-Serie mit nachdenklich stimmenden Untertönen.

Update: ABC stampft "V" ein!

Ausgerechnet an einem Freitag den Dreizehnten (13. Mai 2011) gab ABC bekannt, dass "V" eingestampft werde. Somit endet die TV-Serie nach nur zwei Staffeln und lässt Millionen enttäuschte Zuschauer zurück. Denn auch wenn die Qualität des Originals nicht erreicht werden konnte, bot das Remake solide und durchaus spannende Unterhaltung.

Dass "V" nicht ganz zum erhofften Zuschauermagneten wurde, lässt sich wohl vor allem mit der katastrophalen Ausstrahlungspolitik erklären. Acht (!) Monate Pause zwischen dem Ende der ersten und dem Beginn der zweiten Staffel war schlichtweg ein Unding und rächte sich konsequenterweise, wobei die Einschaltquoten gegen Ende der zweiten Staffel wieder leicht zu steigen begannen.

Kein Wunder also, wenn sich immer mehr Zuschauer aus dem traditionellen Fernsehgeschehen ausklinken und TV-Serien lieber auf DVD gucken, anstatt sich über das plötzliche Absetzen einer liebgewonnenen Serie zu ärgern oder monatelang bange darauf warten, ob sie überhaupt fortgesetzt wird.

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