Ehrenpreis rund herum, wohin der Blick auch schweift.

Gamander-Ehrenpreis (Bild: a.sansone)

Systematik rund um den Ehrenpreis

Hinweis: Die Gattung Ehrenpreis, bot. Veronica, zählte früher zu den Braunwurzgewächsen, Scrophulariaceae. Mal fasste man sie sogar in eine eigene Pflanzenfamilie, nämlich die der Veronicaceae, zusammen. Nach neuesten stammesgeschichtlichen und molekularbiologischen Erkenntnissen gehört sie nun zur Familie der Wegerichgewächse, Plantaginaceae.

Eingeschlossen in die Gattung Ehrenpreis mit an 240 Vertretern, wird nun auch die ehemals eigene Gattung Hebe als sogenannte *Strauchveronika.

(*Diese etwa 100 Arten, tragen heute auch alle den Namen Veronica, Hebe ist jetzt synonym. So ist der deutsche Name Neuseeländische Strauch-Veronika gerechtfertigt. Heben sind nach Hebe benannt, der griechischen Göttin der Jugend.) Quelle: Wikipedia

Ehrenpreis - wie edel dieser Name doch klingt!

Seit dem 15. Jhdt ist der deutsche Name "Ehrenpreis" schriftlich erstmals vermerkt (Erwähnung um 1500 bei Hieronymus Brunschwyg als "Erenbris").

Gemeint damit war der Echte/Wald-Ehrenpreis, Veronica officinalis, und damit verbunden die Hochschätzung der heil wirkenden Pflanze,- "Ihm sei Ehr und Preis als vera unica medicina, das einzig wahre Heilmittel".

Im 16. u 17. Jhdt galt er als Wundermittel gegen viele Kranlkheiten. 1690 erfolgte über diese Pflanze eine Abhandlung von 300 Seiten von Johann Franke.

Das verweist auch gleich auf den botanischen Namen "Veronica", denn so meinen die einen Quellen, es sei eingedeutscht aus vera unica=Veronica. Andere Quellen wiederum beziehen sich auf die Heilige Veronika, wo aber der Verweis auf die Pflanze wiederum fehlt.

Legenden und damit auch andere volkstümliche Namen ranken sich jedenfalls reichlich darum.

So besagt eine weitere Legende, dass ein franz König unter Aussatz litt. Ein Hirte heilte ihn mit dem Ehrenpreiskräutlein, weil ein verletztes Schaf seiner Herde von diesem Kraut fraß, sich drin wälzte und so die Wunden verheilten. Also versuchte er Ehrenpreis-Umschläge mit Erfolg bei seinem König.

Wunderkräfte sagte man dem bescheidenen Kräutlein auch gegen Hexen, Blitze, Wunden, Pest usw. nach.

Männertreu, Gewitterblüamle - die Ironie der Trivialnamen

Bei den volkstümlichen Bezeichnungen/Volksnamen/Trivialnamen, fällt beim Ehrenpreis sofort das Männertreu auf

  • Männertreu, weil die Blüte das Pflücken kaum heil überlebt, die Blütenblätter fallen rasch ab. (Sie lösen sich an einer vorgegebenen Trennungsschicht, werden vom Kelch nach außen gedrückt).

Veronica chamaedrys, chamai=Eiche, eichenblattähnlich, chamai auf der Erde, wird in Minne-Liedern als das Blümlein Damandré besungen (Verkünder des Frühlings). Als Heiltee heißt es dann Kummertrost, Nimmerweh, im Elsaß Froschgiggele.

Auch als Gewitterblümchen ist es in den Wortschatz eingegangen, da man glaubte, dass es entweder in gewitterreichen Jahren vermehrt blühen oder ihr Abpflücken Regen oder Gewitter hervorruft. Die Regel lautete: "Nie nach Hause tragen, da es sonst den Blitz auf das Haus lenkt."

Die meist blauen Blüten der Ehrenpreis-Arten werden auch mit Tieraugen verglichen: Katzenäugelein, Gänseäugelein, Hennenäugli, Froschegückele.

Wie erkennt man den Ehrenpreis am leichtesten?

Dass es sich um eine Pflanze aus der Gattung Ehrenpreis (Veronica) handelt, das lässt sich glücklicherweise eigentlich leicht an der Blüte erkennen. Welche Art/Species es ist, ist schon eher eine kleine Wissenschaft.

Aber zurück zur Blüte. Die Blüten bestehen immer aus vier Blütenblättern.

Aufbau der Blüte: vier Kelchblätter, vier am Grund verwachsene Kronblätter, Zipfel sind ungleich, ein mittig breiteres Blütenblatt, seitlich zwei schmälere Zipfel, unterer Zipfel fast immer deutlich am kleinsten. 

Zwei deutlich herausstehende Staubblätter.

 

Auch die meist typisch verkehrt herzförmige Kapselfrucht in den Blattachseln macht eigentlich die Ehrenpreis-Arten leicht erkennbar.

 

Wie kann man die Ehrenpreis-Arten unterscheiden?

Der Ehrenpreis gehört bei uns zu einer der artenreichsten Gattungen. Es wäre zuviel, die einzelnen Arten und ihre Merkmale akribisch genau hier anzuführen. Mit einem guten botanischen Pflanzenführer (jaja, auch Bücher gibt es über Pflanzen) oder auch den momentan so beliebten Pflanzen-Apps kann man schon versuchen, einige Arten zu unterscheiden und eindeutig zu erkennen. Daran kann man sie, mit einiger botanischer Erfahrung, am ehesten unterscheiden:

  • Stellung der Blüte, Gestalt der Fruchtkapseln, Länge und Form der Fruchtstiele, Behaarung, Blattform und Blattstellung.

Blüte:

  • Blüten in seitlichen Ähren oder Trauben (das bedeutet, der Stängel trägt an der Spitze nur Laubblätter) (V. chamaedrys, V. officinalis)

  • Blüten in endständigen Ähren oder Trauben (V. arvensis, alpine Arten, V. verna, V. triphyllos)

  • Blüten stehen in Blattachseln (V. persica, V. polita, )

Der Persische Ehrenpreis

Veronica persica (Bild: anro0002 / Flickr)

Einige Ehrenpreis-Arten im Blick

Der Ehrenpreise sind zu viele, auch braucht es zu deren Unterscheidung oftmals sehr gute botanisch geschulte Augen. Deshalb möchte ich hier nur einige wenige, häufig vorkommende oder auch oft genannte näher vorstellen.
Heimische und eingewanderte sind dabei, weil sich in der Natur einfach alles in Bewegung befindet; sogar die Pflanzen.

Klein, fein, aber auch eher bestimmbar ist

der Persische Ehrenpreis (Veronica persica)

Pflanze eher liegend, am Ende aufstehend, die Blüten stehen einzeln in den Blattachseln. Im Schlund weiß-gelb, dunkel geadert, das kleinste Blütenblatt ist meist heller bis weiß. Der Stängel kraus behaart, erste Blätter rundlich bis nierenförmig, kurze Stiele, bald verzweigend, Blätter grob gesägt.

Eine sehr bienenfreundliche Pflanze, auch durch die lange Vegetationszeit von Frühjahr bis Herbst. Die flachen herzförmigen Kapselfrüchte werden auch durch Ameisen verbreitet.

Der Persische Ehrenpreis stammt aus dem Kaukasus, (um 1805) aus einem Botanischen Garten quasi ausgewildert.

Man kann ihn als lästiges Unkraut verteufeln, aber besser ist es ihn als Wildgemüse/Salat zu verwenden, zarte Blätter und Triebspitzen, Blüten als essbarer Dekor, auch Tee aus der ganzen oberirdischen Pflanze ist lecker. Auflagen aus Absud gegen Juckreiz, Verbrennungen.

 

Der Echte Ehrenpreis/Wald-Ehrenpreis

Veronica officinalis (Bild: anro0002 / Flickr)

Echter Ehrenpreis, Wald-Ehrenpreis, (Veronica officinalis)

Er ist das zu Beginn gerühmte Wunderblümchen aus den vergangenen Jahrhunderten.
Auch er ist ganz eindeutig an seiner Einzelblüte als Ehrenpreis-Art zu erkennen.

Veronica officinalis:
Der Stängel ist niederliegend und wurzelnd, rundum behaart, nur die Blütenstände stehen in aufrechten langen Blütentrauben. Die Blätter sind eiförmig, kurz gestielt. Die Blüten sind blasslila bis blauviolett, dunkel geadert. Er zeigt saure Böden an.

Auch Wald-Ehrenpreis/Köhlerkraut, Arznei-Ehrenpreis, Grundheilkraut, Wundheilkraut, Allerweltsheil genannt.

Gamander-Ehrenpreis

Veronica chamaedrys (Bild: a.sansone)

Ich wage zu wetten, wenn bei Ihnen im Garten ein Fleckchen blitzblauer kleiner Blümchen rasenförmig vorkommt, dass es sich höchstwahrscheinlich um den Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys) handelt.

Von V.persica lässt er sich schon durch seine eindeutig gegenständigen Blätter unterscheiden. Die wirklich blitzblauen Blüten mit weißem Schlund sind allerliebst und diese stehen in lockeren Trauben. Sie entspringen in den Blattachseln. Mit aufmerksamen Augen kann man die zweizeilige Haarleiste am Stängel erkennen; auch das ein eindeutiges Merkmal.
Und leider, "Männertreu bleibt eben Männertreu", auch diese Blüten haben abgepflückt kein langes Leben. Die Fruchtkapsel ist herzförmig/dreieckig. Wenn er als Halbschattenpflanze zu wenig Licht bekommt, bildet er Blüten nur auf der Lichtseite.

 

 

Alpine Arten vom Ehrenpreis

Nur kurz angeführt, es gibt einige alpin vorkommende Arten:

  • Felsen-Ehrenpreis Veronica fruticans

  • Alpen-Ehrenpreis, Veronica alpina, Ebenauskräutli

  • Berg-Ehrenpreis, Veronica montana

  • Maßliebchenblättriger-Ehrenpreis, Veronica bellidioides

  • Halbstrauch-Ehrenpreis, Veronica fruticulosa

     

Veronica fruticans (Bild: a.sansone)

Ehrenpreis für den Garten

Nein, ich empfehle Ihnen zwar, die kleinen Veronica-Arten nicht ausschließlich als Unkraut anzusehen, sondern sie zu genießen und an geeigneten Plätzen ruhig machen lassen, aber darüber hinaus gibt es ja auch die mit prächtigen Kerzen blühenden Arten und Gartensorten, die jede Mühe wert sind und die Sie anpflanzen könnten!

Veronika-Arten und Sorten für den Garten

  • Veronica gentianoides (aus Spanien/Kaukasus)
  • Veronica incana (Osteuropa) graufilziges Laub, für Staudenbeet u Steingarten
  • Veronica longifolia (Staude d Jahres 2018)
  • Veronica prostrata auch rosa u weiß blühende Sorten
  • Veronica teucrium (Syn. V latifolia) viele Sorten - wertvolle Insektenpflanze, heimisch, viele Wildbienen und Schmetterlinge profitieren von ihm.
  • Veronica fruticulosa rosa blühend, Steingarten
  • Veronica fruticans roter Schlundring, ebenfalls für Steingärten

weiß blühend sind

  • Veronica cymbalaria
  • Veronica scutellata
  • Veronica peregrina

 

Vermehrung: Teilen, von den kriechenden Sorten auch Stecklinge aus den Seitentrieben (Absenker). Arten für Steingarten und Staudenbeet bevorzugen eher trockene Standorte

Bei der folgenden Staudengärtnerei ist er in einem schönen Blau-Paket:

https://www.lichtnelke.de/14-stueck-stauden-pflanzen-fuer-ein-blaues-beet.html

Der kleinste und der größte Ehrenpreis

Veronica stelleri, heißt nicht zuletzt wegen seiner Größe von etwa 10 cm Zwerg-Ehrenpreis. Dicht gefolgt von Veronica prostrata, der niederliegende Ehrenpreis, der sich gut als Bodendecker eignet.

Zwar nicht heimisch, da ist der Langblättrige Ehrenpreis, Veronica longifolia, der höchste, aber den überragt noch locker der Kandelaber-Ehrenpreis, Veronica virginica, neuerdings Veronicastrum virginicum, mit 170 -200 cm.

Quellen

  • Botanica, Könemann; Verlagsgesellschaft mbH, 2000 Köln

  • Geheimnisse und Heilkräfte der Pflanzen, Verlag das Beste, 1980 Stuttgart

  • Heil-, Gewürz-, Nutz- und Giftpflanzen im Botanischen Garten der Universität Innsbruck, Bortenschlager/Vergörer, 2004 Innsbruck

 

  • Essbare Wildpflanzen, Fleischhauer/Guthmann/Spiegelberger; Weltbild Verlag, 2014 Augsburg

  • Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, Genaust; Nikol Verlag, 2012 Hamburg

  • Wird das was – oder kann das weg?, Bärbel Oftring; Franckh-Kosmos, 2017 Stuttgart

  • Naturnah gärtnern, Norbert Griebl; Haupt; Bern 2015

 

Wer sich noch weiter vertiefen möchte, ...

... dem kann ich hier weiterführende Links zum Thema Ehrenpreis anbieten:

In unserem Garten alleine fühlen sich folgende Ehrenpreis-Arten zuhause: Veronica persica, V. chamaedrys, V. hederifolia, V. praecox und V. serpyllifolia. Nicht unweit wächst an einem kleinen Bächlein Veronica beccabunga (bei ihr wurde der deutsche Name "Bachbunge" einfach lateinisiert zu beccabunga) und bergaufwärts erfreuen das aufmerksame Auge einige verschiedene alpine Arten. Man muss nur einmal den Blick schärfen. Vielleicht habe ich Sie ja angesteckt! Es soll Schlimmeres geben.

 

Adele_Sansone, am 17.05.2019
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Bildquelle:
https://www.flickr.com/photos/[email protected]/12497613144 (Langblättriger Ehrenpreis, Blume des Jahres 2018)

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