Veronica longifolia (Bild: Mountain Partnership / Flickr)

Langblättriger Ehrenpreis/Blauweiderich/Kerzenehrenpreis

Wir beginnen bei den eindeutigen Aussagen, nämlich wo diese hübsche, aber seltene Pflanze dazu gehört.

  • Familie: Wegerichgewächse (Plantaginaceae) ab hier beginnen sich die botanischen Meinungen zu teilen:
  • Gattung: Veronica -geführt als Veronica longifolia/Synonym Veronica maritima,oder geführt als eigene eigene
  • Gattung Pseudolysimachion*/Pseudolysimachia: Pseudolysimachion longifolium

Die deutschen Namen sind ebenso vielfältig: Langblättriger Ehrenpreis, Hoher Ehrenpreis oder Blauweiderich*, Langblatt-Blauweiderich, Kerzenehrenpreis.

Ehrenpreis wird er dank seiner in der Naturheilkunde geschätzten Heilkraft genannt: "Ihm sei Ehr und Preis als vera unica medicina, das einzig wahre Heilmittel", gemeint (Veronica officinalis).

*Lysimachia=Gilbweidericharten aus der Familie der Primelgewächse, Primulaceae. Lysimachios, altgriechischer König.

Weiderich-vieles was Weidenblätter besitzt . Andere Weideriche (nach Farbeindruck getauft sind: Blutweiderich Lythrum salicaria, Gilbweiderich Lysimachia vulgaris, Blauweiderich Pseudolysimachion longifolium.

 

 

Pseudolysimachion longifolium (Bild: Du-Sa-Ni-Ma / Flickr)

Langblättriger Ehrenpreis, die Stromtal- oder Auenpflanze

Der Langblättrige Ehrenpreis ist eine Stromtalpflanze, das bedeutet sie wächst in feuchten Ufergebieten, in Auenwäldern, in Sumpf- und Moorwiesen. Die Standorte sind in der Regel wechselnass bis nass, nährstoff- und basenreich; vor allem sind es modrig-humose Ton- oder Torfböden, gelegentlich auch sandige Lehmböden.

Aussehen

  • Die Blätter stehen am (oben mit abwärts gerichteten Haaren) behaarten Stängel oft zu 3-4 in Quirlen, sind scharf gezähnt, deutlich gestielt und bis zu 10 cm (longifolium!) lang; sie ähneln Weidenblättern, daher auch der Weiderich im Zweitnamen. Die Pflanze wird bis zu 1m hoch.
  • Blüten:Die Blüten sind meist blau, selten weiß oder blaulila und trichterförmig; die Blütenröhre ist länger als breit. Die miteinander verwachsenen Blütenblätter stehen in dichter endständiger Traube.
  • Foto Copyright Stefan.lefnaer, Wikicommons
  • Die Früchte sind braune, kahle, herzförmige Kapseln, gemäß dem feuchten Standort für die Ausbreitung durch Fließgewässern (Bythisochorie) als Flussschwemmlinge oder Regenschwemmlinge bestens geeignet. Schwemmlinge keimen übrigens oft bereits während des Wassertransportes, damit sie sich dann an Land schnell ausbreiten können.

Als sogenannte Stromtalpflanze findet seine Ausbreitung über das Wasser statt – das ist natürlich nur dort möglich, wo der Fluss noch nicht verbaut wurde und Raum hat, über die Ufer zu treten.

*Der Langblättrige Ehrenpreis ähnelt dem bekannteren Ährigen Ehrenpreis, Veronica spicata/Pseudosymachia spicata, der allerdings trockene Standorte braucht. Der silbrig behaarte Silbergraue Blauweiderich (Pseudolysimachion incanum) ist an den silbrigen Blättern leicht zu unterscheiden.

Warum wurde gerade Veronica maritima/longifolia, nominiert?

Wo der Langblättrige Ehrenpreis noch vorkommt, säumt er in einem blau-lila leuchtenden Band die sommerlichen Ufer unserer Flüsse. Dort lebt er zusammen mit unglaublich vielen anderen, hochspezialisierten Tier- und Pflanzenarten wie dem Braunkehlchen, der Rotbauchunke und dem Wiesen-Alant. Hier pulsiert das Leben. Doch der Mensch lässt den Auen immer weniger Raum. Quelle: naturschutzbund.at

Rund Dreiviertel unseres österreichischen Auenbestandes ist bereits verschwunden, von den verbliebenen Auen sind nur noch etwa die Hälfte ökologisch intakt. Dabei sind Auen auch für den Hochwasserschutz und als CO2-Speicher von großer Bedeutung.

Genau gleich sehen es die deutschen Naturschutzorganisationen. Deshalb eine Pflanze der Flüsse vermehrt in den Mittelpunkt stellt.

Die Blume des Jahres 2018 steht für den Schutz eines der am stärksten bedrohten Ökosysteme: naturnahe Flussauen.

Wer naturnahe Flüsse sucht, um an ihnen entlang zu wandern oder zu radeln, dem kann man diese noch intakten Flussgebiete als Ziel für den Sommer/Herbst empfehlen:

Lech: Ufer mit Blutweiderich

Lechweg (Bild: a.sansone)

Wo kommt der "Blaue Weiderich" natürlich vor?

Verbreitungsgebiet allgemein:

Nord-, Mitteleuropa und Asien. 

Verbreitung in Deutschland:
Norden zerstreut (vor allem Flußauen von Oder, Elbe, untere Weser, Ems); N Regensburg, nördliche Oberrheinebene und Niederrhein selten und stark zurückgehend; Restgebiet sehr selten bis Einzelfunde. Deutschlandweit gilt die Staude daher als gefährdet - in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sogar als stark gefährdet. 

Veronica maritima kommt in Österreich in den niedrigeren Lagen vor. Man findet sie vor allem im pannonischen Gebiet, in Niederösterreich, dem Burgenland und der Steiermark. Sehr selten trifft man auch in Salzburg und Wien auf sie. Veronica maritima ist in Österreich stark gefährdet.

 

Der Langblättrige Ehrenpreis im eigenen Garten ein Hingucker

Pseudolysimachion longifolium (Bild: Du-Sa-Ni-Ma / Flickr)

Der Langblättrige Ehrenpreis, die Naturform und zahlreiche Züchtungen (aus Kreuzungen mit Veronica spicata zB.) kann auch im eigenen Garten gepflanzt werden.

Es gibt schöne Sorten in Lila, Blau und Weiß, Hybriden mit dem Ährigen Ehrenpreis (Veronica spicata Syn.: Pseudolysimachion spicatum).

  • Weiß: Die weißblühende "Schneeriesin" wurde beispielsweise 1956 von Karl Foerster gezüchtet.
  • Rosa: Veronica longifolia "Rosa Töne" ist mit ihren 80 Zentimetern ein guter Partner für Taglilien, Frauenmantel, Schafgarbe oder Rosen.

In guten Staudengärtnereien und online-Händlern wie shop.florando.de, wildstaudenzauber.de und anderen Gartencentern wird man mit einiger Suche schon fündig.

Wo soll man den Ehrenpreis im Garten pflanzen?

Der bis 1m hohe Langblättrige Ehrenpreis macht sich toll neben niederwüchsigen Begleitern. Auch zwischen Taglilien, Blut-Weiderich und hohen Glockenblumen macht er eine gute Figur. Sie alle mögen feuchten Boden. Als Solitärpflanze ist er auch wunderbar geeignet oder in einem eigenen Topf.

Wer einen Gartenteich hat, weiß welche neue Uferpflanze er nun gefunden hat. Aber auch für monochrome Gärten als einzelnen Farbtupfer wäre er wunderbar.

Blütezeit zwischen Juni und August.

Veronica-Arten und Insekten

Bees & Veronica Spicata (Bild: k-ideas / Flickr)

Hmmm, lecker; Ehrenpreisblüten sind beliebt.

Die Blüten des Langblättrigen Ehrenpreises sind bei zahlreichen Insekten beliebt.

  • Bienen, Hummeln und Schwebfliegen, langrüsselige Fliegen und kleine Tagfalter

Die einzelnen Blüten öffnen sich zeitlich nacheinander von unten nach oben, sodass die noch geschlossenen oberen Blütenknospen der Traube eine grünliche Spitze verleihen. So kann der Gartenbesitzer vielen Insekten beim Nektar sammeln und Bestäuben der Blüten beobachten, weshalb der Langblättrige Ehrenpreis als hübsche Zierstaude auch jedem insektenfreundlichen Garten- und Balkonbesitzer zu empfehlen ist.

Wer Schmetterlingsgärten liebt, hat nun eine neue Pflanze, die er setzen kann.

 

Kleines Ehrenpreis-Porträt

Der Ehrenpreis (Veronica) ist eine Pflanzengattung, die nach molekularbiologischen Untersuchungen zur Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae) gezählt wird. In älterer Literatur wird sie in der Regel noch unter den Braunwurzgewächsen, Rachenblütlern (Scrophulariaceae) oder als eigene Familie der Ehrenpreisgewächse (Veronicaceae) geführt. Mit bis zu 450 Arten ist die Gattung Veronica sehr artenreich.

Die aus 4 Blütenblättern bestehenden schüsselförmigen Blüten sind leicht zu erkennen, weil die einzelnen Zipfel nur scheinbar gleichgroß sind. In Wirklichkeit handelt es sich um zygomorphe Blüten, der vierte Zipfel ist deutlich kleiner.

Der Blütenstand kann ganz unterschiedlich sein. sie stehen einzeln in den Blattachseln, in endständigenTrauben oder Ähren.

 

 Einige Arten dieser Gattung:

Ackerehrenpreis, Ähriger Ehrenpreis, Alpenehrenpreis, Bachbungenehrenpreis, Efeublättriger Ehrenpreis, Feldehrenpreis, Felsenehrenpreis, Frühlingsehrenpreis, Gamander-Ehrenpreis, Glänzender Ehrenpreis, Persischer Ehrenpreis, Schildehrenpreis, Thymianehrenpreis, Waldehrenpreis.

Tipp: (Bilder einiger dieser Arten finden sie hier: http://www.adele-sansone.com/Galerie01_16/gallery3/index.php/search?album=1&q=veronica)

Quellen

Neben den Informationen der Loki Schmidt Stiftung 

  • Botanica, Könemann; Verlagsgesellschaft mbH, 2000 Köln
  • BLV Pflanzenführer für unterwegs, Schauer,Caspari; blv, 2014 München
  • Die deutschen Pflanzen- und Tiernamen, Helmut Carl; Quelle & Meyer, Wiesbaden 1995
  • Hagebutte & Co, Angelika Lüttig, Juliane Kasten; FAUNA Verlag, 2003 Nottuln

Natur des Jahres 2018

Weitere Artikel und Porträts der Arten, die zur Natur des Jahres 2018 gewählt wurden, finden Sie natürlich auch bei uns:

Adele_Sansone, am 06.01.2018
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Bildquelle:
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Warum haben Rosen keine Dornen?)

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