Warum überhaupt Unisex-Tarife?

Diese Antwort ist recht einfach, und wird wohl auch niemanden wirklich überraschen:

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat geurteilt, dass das Geschlecht nicht zu den Merkmalen gehört, die verschiedene Preise bei Versicherungen rechtfertigen.

Daran müssen sich Versicherer halten, was sich jetzt schon in der Zahl der Neuversicherten niederschlägt.

Was ändert sich mit den Unisex-Tarifen?

Das hängt ganz entscheidend davon ab, was versichert werden soll. Man kann aber davon ausgehen, dass die Versicherungen eher die Kosten für das Geschlecht anheben werden, das jetzt noch weniger zahlt. Also zahlen Frauen wohl bei KFZ-Versicherungen zukünftig mehr, da sie mit den unfallauffälligeren Männern in einen Topf geworfen werden. Außerdem profitierten sie bisher von einem geringeren Anteil an Rauchern und einen insgesamt risikoärmeren Lebensstil, wenn es um Risikolebensversicherungen ging.

Frauen haben generell eine andere durchschnittliche Lebenserwartung. In der Folge sollten sich Männer hingegen auf höhere Beiträge bei privaten Krankenversicherungen, Rentenversicherungen und auch bei Berufsunfähigkeitsversicherungen gefasst machen. Das sollte für viele Männer ein Anreiz sein sich hier nocheinmal beraten zu lassen, solange es noch günstigere Tarife gibt.

Ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung nötig?

Tatsächlich erwartet etwa ein Viertel der arbeitenden Bevölkerung früher oder später die Berufsunfähigkeit (manche Schätzungen gehen von über 40% aus) - trotzdem haben nur etwas über 22% der Menschen eine BU-Versicherung. Damit wäre es theoretisch möglich, dass fast jeder Betroffene abgedeckt ist, aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Menge der Menschen die berufsunfähig werden, und die der Menschen die dagegen versichert sind gleich sind, ist gering. Man würde mathematisch erwarten, dass ca. 6,25 aller Deutschen in beiden Gruppen sind. Dann wiederum wären aber, auch nach vorsichtigen Schätzungen um die 20% der Deutschen ohne Versicherung, obwohl sie berufsunfähig werden.

Jedes Auto in Deutschland ist versichert, obwohl sein Wert meist weniger als 20.000 Euro beträgt. Sogar wer sein Leben lang nur 1000 Euro im Monat verdient, kommt bei 40 Jahren Berufsleben ein Wert von 480.000 Euro und das ist sehr tief geschätzt. Warum also versichern die Menschen ihre Autos aber nicht ihre Arbeitskraft?

Da eine Berufsunfähigkeitsversicherung nicht nur solche extremen Leiden, wie Lähmungen abdeckt, sondern auch, die immer häufiger werdenden psychischen Erkrankungen, wie Depressionen, machen sie auch für Menschen Sinn, die in kaufmännischen Berufen arbeiten.

Wann stellen die Versicherungen um?

Auch das lässt sich nicht genau sagen. Der Europäische Gerichtshof hat nur eine Deadline gesetzt.

Umso dringlicher wird es, zeitnah zu schauen ob es Sinn macht jetzt noch eine Versicherung abzuschließen.

Generell sollte man sich natürlich von einem Makler beraten lassen, denn dieser steht als "treuhänderähnlicher Sachverwalter" vertraglich auf der Seite des Kunden, während der Versicherungsvertreter immer auf Seite der Versicherung steht.

Im Vermittlerregister kann man nach dem Namen oder der Nummer des Beraters schauen. Dann erfährt man ob er als Makler oder als Vertreter registriert ist. Ist er dort nicht zu finden, unbedingt den Berater wechseln, denn dann hat er keine Berechtigung zu beraten.

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