Zwischen dem 16. Jahrhundert und dem 19. Jahrhundert wurden zirka 20 Millionen – manche Schätzungen sprechen sogar von 200 Millionen – dunkelhäutige Afrikaner von ihrem Heimatkontinent verschleppt und nach Amerika deportiert, um dort als Sklaven auf vorwiegend Baumwoll- und Zuckerrohrplantagen zu arbeiten.

Musik und Tänze, die in der westafrikanischen Heimat eine traditionell bedeutende Rolle spielten, brachten die Sklaven mit. Da auf den Plantagen größere Zusammenkünfte unter den dunkelhäutigen Arbeitern verboten waren, beschränkte sich ihr gemeinschaftliches Treffen nur auf kirchliche Gottesdienste sowie geistliche Veranstaltungen unter freiem Himmel – Camp meetings.

Worksong – erste Vorform des Jazz

Da Gesang der Arbeitserleicherung diente und auch die Produktivität steigerte, waren Lieder die einzigen erlaubten (musikalischen) Äußerungen, welche die damaligen Sklaven von sich geben durften. Der Gesang beinhaltete immer wieder die Gefühle, Wünsche und Hoffnungen der dunkelhäutigen Arbeiter, wobei der Textaufbau sehr einfach gestaltet und in der Regel improvisiert war. Dabei herrschte meist das sogenannte responsorische Prinzip – call and response.
Blues – melancholisches Feeling

Der Blues leitet sich vom amerikanischen to feel blue ab, was so viel wie traurig sein bedeutet und stellt eine weltliche Gesangsform der afroamerikanischen Bevölkerung dar. In der Musik des Blues geht es hauptsächlich um die Unterdrückung der Sklaven sowie deren Leiden. Doch besungen wird auch die Ausweglosigkeit im Allgemeinen, die Armut und Ungerechtigkeit wie auch soziale Missachtung. Ein wichtiges Merkmal des Blues ist zudem der Dialog zwischen Singstimme und Instrument. Ein rein instrumentaler Blues Stil ist der Boogie-Woogie, welcher später als Tanz kommerzialisiert wurde.

Spiritual / Gospelsong – religiöser Gesang der Afroamerikaner

Entgegen dem Verbot christlicher Traditionen, sind die stark ausgeprägten emotionalen Äußerungen der Dunkelhäutigen ein typisches Merkmal des Gospelsongs. Die Texte eines Gospelsongs stellen Metaphern für die Sehnsucht nach Freiheit und Befreiung dar, wobei die Form des Gesangs responsorisch ist. Ein einzelner Sänger trägt also den zumeist Bibeltext vor, woraufhin er vom Auditorium oder Chor angefeuert wird und anschließend den Refrain interpretiert.

Ragtime – direkter Vorläufer des Jazz

Hautsächlich ist der Ragtime ein von den Weißen geprägter Klavierstil, der in den meisten Fällen komponiert wurde. Europäische und afroamerikanische Elemente, Märsche und Salonmusik, verbinden sich mit dem Blues, sodass der Ragtime entsteht. Besonders charakteristisch für den Ragtime sind die Synkopen der rechten Hand – die Taktbetonung wird verschoben, wobei die linke Hand durchlaufend das Metronom spielt. Aufgrund dieser rhythmischen Überlagerung ergibt sich das "vertrackte", für den Ragtime typische Muster. Der Ragtime gilt als direkter Vorläufer des Jazz.
Vom Worksong bis zum Ragtime – Musikalische Entwicklungslinien des Jazz
write-x, am 09.11.2010
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Bildquelle:
Donnaya (Gothic, Mittelalter, Dark Metal - Musik außerhalb des Mainstreams)
Peter Hamann ("The Discords" rocken das Haus in Fiefbergen)

Autor seit 6 Jahren
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