Welche Bedeutung hat Funk für die heutige Kommunikationskultur? Nicht viel, möchte man meinen. Mein Deutschlehrer auf dem Gymnasium prophezeite einmal, dass Mobiltelefone keine große Zukunft genießen würden. So was hätte es schon mal gegeben, als jeder so eine Funkantenne auf dem Dach haben musste. Das sei es auch nicht gewesen. Sobald der Kontakt hergestellt ist, ist das Ganze schon wieder langweilig. Die Analyse ist für die Vielzahl von Gesprächen, wie sie alltäglich in der Bahn zu verfolgen ist, die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Beispiel gefällig? "Hallo... Ich wollte nur sagen, dass ich gerade im Zug sitze... wir sehen uns nachher auf der Arbeit? Ach, ja, Du hast ja auch Frühschicht diese Woche." Vielleicht nicht detailgetreu zitiert, aber derartige Gesprächsfetzen sind essenziell. Die Sinnhaftigkeit der Kommunikation und ihre Relevanz für unser Leben sind doch zweierlei. Sinnlose Kommunikation gehört zum Zusammenleben nun mal dazu.

 

Als ich mit meiner Freundin neulich um die Häuser zog, fiel mir eine Funkantenne auf einem Dach ins Auge. Sofort fiel der Hinweis, man müsse vorsichtig sein, denn hier würden komische Leute wohnen. Ich musste grinsen, ja, im CB-Funk treiben sich einige Freaks rum. Ich erzählte aber, wie lehrreich Amateurfunk sein könnte, man würde viel über Technik, Geographie und vieles mehr lernen. Ein "nice to have" wären ebenfalls die Morsezeichen. Der Überraschungsmoment wenn man den Klingelton eines bekannten Mobilfunkherstellers als "Conecting people" identifizieren kann ist unbezahlbar.

 

CB-Funk und Amateurfunk - Wo liegen die Unterschiede?

Eine Frage, die immer wieder gestellt wird, wenn es um das Thema Funk geht, ist der Unterschied zwischen Amateurfunk und CB Funk. Diese Frage wird häufig mit dem Verweis auf andere Frequenzen und größere Sendeleistung beim Amateurfunk beantwortet. Aber der Unterschied zwischen CB und Amateurfunk ist grundlegender: Während Amateurfunk ein eigenständiger Funkdienst ist – mit den dazugehörigen Privilegien, ist CB-Funk lediglich eine Funkanwendung.

 

Damit hat die CB-Funkanlage ihres Nachbarn in etwa den juristischen Status wie das Spielzeugauto mit Fernsteuerung im Kinderzimmer oder der Bestrahlungsapparat in der benachbarten Arztpraxis. Die Frequenzzuweisung der Bürgerwelle im 11-Meter-Band (27 MHz) ist für ihre Nutzer ebenfalls ärgerlich: Dieser Frequenzbereich ist weder für spektakuläre Fernverbindungen nach Übersee noch für lokale Gespräche besonders geeignet. Für die Reflextion der Funkwellen an der Ionosphäre sind die gesendeten Funkwellen in der Regel zu kurz. Für Funk im lokalen Bereich – etwa Polizei- oder Feuerwehrfunk – werden Frequenzen im Bereich der Ultrakurzwellen bevorzugt, ebenso Mobiltelefone. Professionelle Anwendungen des 11m-Bandes gibt es z.B. im Fahrschulbereich. Auch einige illegale Radiosender, die Irische Kirchen betreiben, sind dort anzutreffen. Illegal ist ein gutes Stichwort:

CB-Funker als outlaws?

Anders als dem Amateurfunk hing dem CB-Funk etwas Verruchtes und Anarchistisches an – auch noch in Zeiten des Web 2.0. In einem bekannten Wissensforum wurde vor einiger Zeit die Frage gestellt, ob und wenn ja wie man die Reichweite der eigenen CB-Funkanlage verbessern könnte. Die Antwort, er solle sich einen "Brenner" besorgen – also eine Endstufe, die zwischen Funkgerät und Antenne angeschlossen werde. Neu sei so was recht teuer, aber könne auch für ein paar Euro bei E-Bay erworben werden. Der Hinweis, dass dies nicht ganz legal sei, sei ebenfalls angebracht. Ein anderer Forumsteilnehmer merkte später an, das Teil würde nur so weit reichen, bis der Messdienst der Telekommunikationsbehörde sein Haus durchsuchen würde und das illegale Equipment komplett beschlagnahmen würde.

 

Die Geschichte des CB-Funkes ist also nicht nur Kommunikationsgeschichte, sondern auch eine Geschichte von unangepassten Einzelgängern im Kampf mit rivalisierenden Funknutzern und dem "Gilb". Dies ist die liebevolle Bezeichnung für die Besetzung des postgelben Funkmesswagens, wie er von der jeweiligen Postverwaltung ausgesandt wurde, um Sünder im Äther zu fassen. Auch gesetzte, seriöse Funkamateure können heute noch echte Räuberpistolen aus der Zeit, als sie noch unlizenziert oder CB-Funker waren erzählen. Das Phänomen ist global.

CB-Funk im Film

Die filmische Verarbeitung fand der CB-Funk auf dem Höhepunkt seiner Popularität in dem Film "Handle with care" ("Flotte Sprüche auf Kanal 9") aus dem Jahr 1977. Der englische Titel des Filmes ist ein lustiges Wortspiel, einerseits bedeutet er frei übersetzt so viel wie "Vorsicht, zerbrechlich", gleichzeitig spielt er auf den Rufnahmen eines Funkers an, sein "handle". Beide Bedeutungen des Titels sind für den Verlauf des Filmes relevant. Der Film spielt im US-amerikanischen Truckermilieu. Aufgescheucht von einer Gruppe Jugendlicher, die auf Kanal 9, der eigentlich für Notrufe reserviert ist, eine erotische Unterhaltung pflegen, beginnt ein Rachefeldzug gegen einige Schwarze Schafe in der Funkwelt. Der Säuberungsaktion des Protagonisten fallen Hobbyfunker wie "Der Rote Baron", ein Neonazi, der eine hochgerüstete CB-Station zur Verbreitung rassistischer Propaganda nutzt oder "The Hustler" ("Der Strichjunge"), ein Teenager, der die Bürgerwelle nutzt, um pornografische Inhalte zu verbreiten zum Opfer.

 

Film: Ausschnitt aus "Handle with care"

Überbrückung großer Distanzen bei guten Ausbretungsbedingungen

Vor einiger Zeit habe ich einige Kartons auf meinem Dachboden durchgesehen, wie man es hin und wieder tut. Ein Fundstück bei dieser Aufräumaktion waren einige CB-QSL Karten. Eine QSL-Karte ist die schriftliche Bestätigung für eine erfolgreiche Funkverbindung. Essenziell sind neben Datum, Uhrzeit und geographischen Angaben der ausstellenden Station auch Angaben zur empfangenen Signalstärke. Als "Trophäen" über erfolgreiche Verbindungen sind sie zu beliebten Sammelobjekten geworden, im Amateurfunk, entfernte Radiostationen verschicken QSL-Karten, sie finden aber auch im CB-Funk Anwendung.

 

CB geht um die Welt

 

Der Fund war recht sparsam. Während meine Amateurfunk QSL-Karten mehre Kartons füllten, waren es nur eine Handvoll CB-QSL Karten. Allerdings war eine ganz besondere Karte dabei: Es wurde eine Distanz von schlappen 700 Kilometern mit 4 Watt überbrückt. Wer sich mit der Ausbreitung von Kurzwellen auskennt, wird möglicherweise müde schmunzeln, für den 15 Jährigen Kurzwellenjäger war es einfach nur spektakulär.

 

 

CB-Funkverbindung innerhalb Europas

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