Sagen, Geschichten und erste Niederschriften

Bei den alten Persern, ca. 500 Jahre später, findet man auf einem Relief eines Palastes geflügelte Löwen mit Menschenköpfen, welche geschützt unter einer geflügelten Sonne wachen. Auch die Sage von Daidalos und Ikaros ist Teil dieser Geschichte. Beide konnten sich mit Hilfe selbst angefertigter Flügel aus der Gefangenschaft des Königs Minos befreien. Die Geschichte von Wieland dem Schmied, der sich selbst Flügel schmiedete und davongeflogen sein soll, ist ebenfalls ein Beispiel für die uralte Geschichte des Fluggedankens.
Erste Zeichnungen, Gemälde und Niederschriften zu diesem Thema wurden bereits im Mittelalter angefertigt. So entstand auch die erste gedruckte Darstellung eines fliegenden Objektes. Es war der Holzschnitt eines unbekannten Künstlers aus dem Jahr 1489, der ein so genanntes Luftschiff zeigte.

Darstellung eines fliegenden Schiffes

Darstellung eines fliegenden Schiffes (Bild: Kupferstich 1489, unbekannter Künstler)

Flugschiffe auf einem Altargemälde von Hieronymus Bosch?

Im gleichen Jahr finden wir die Darstellung fliegender Schiffe auf einem faszinierenden Kunstwerk von Hieronymus Bosch (ca. 1450 bis August 1516). Der aufmerksame Betrachter wird auf dem Mittelteil des dreiteiligen Altargemäldes "Triptichon - Die Versuchung des heiligen Antonius" mindestens fünf dieser vogelartigen Luftschiffe vorfinden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf dem oberen Teil des Gemäldes werden die Luftschiffe am Himmel so dargestellt, als würden sie in kriegerischer Auseinandersetzung zueinander schweben oder aufeinander zufliegen. Handelt es sich hier um die erste Darstellung eines Luftkampfes? Beim genaueren Betrachten dieses Werkes könnte man mit viel Fantasie eine Lanze und einen Schild erkennen, sogar die Rauchwolken von Schusswaffen, oder waren es qualmende Antriebsmaschinen?
War es Fantasie oder gar eine Vision des Künstlers der voraussah, dass über 400 Jahre später in mörderischen Kriegen gewaltige Luftkämpfe ausgetragen werden? Oder war es eine Prophezeiung, welche sich in schrecklicher Art und Weise bewahrheiten sollte? Der Glaube, die Fantasie und der sehnlichste Wunsch zu fliegen waren in dieser Zeit Antrieb für diese ausdrucksvollen Werke. Mit Wissenschaft hatte dies aber nichts zu tun.

Ein Boot mit Flügeln

Ein weiteres und besonderes Beispiel für die Gedanken zum Thema Fliegen in der damaligen Zeit waren die Fantasien des Brasilianers Bartholomeo Laurenco de Gusmao (1685 - 1724). Er zeichnete ein Luftschiff, welches im Aussehen einem Vogel sehr ähnelte und ein Beweis dafür war, dass die Vorstellung mit einem vogelähnlichen Gerät durch die Luft zu fliegen, bis in das 18.Jahrhundert getragen wurde. Seine Vision war eine Mischung aus Vogel und Boot und hatte erstaunlicherweise viel Ähnlichkeit mit den Gebilden, die Bosch bereits in seinem Kunstwerk verewigte. Gusmao trug sein Projekt im April 1709 dem damaligen König von Portugal vor, pries es mit einer Vielzahl von Vorteilen an und bat um finanzielle Unterstützung für den Bau seines Flugschiffes. Aber ohne Erfolg. Der damalige österreichische Botschafter in Portugal soll eine Abbildung und dazu gehörige Erläuterungen an den Wiener Hof gesandt haben. Dies erfuhr ein Wiener Journalist und machte daraus eine fantasievolle Geschichte. Eine Geschichte über einen Flug von Lissabon nach Wien, so geschrieben, als wenn dieser tatsächlich stattgefunden hätte. Aber wie sich sehr schnell herausstellte, handelte es sich nur um ein utopisches Märchen.

Bücher in eigener SacheBuchtip:

Die Anfänge der Fliegerei

Teil I

Von Leonardo bis zur fliegenden Luftdampfkutsche

Lüdemann,Rainer, 2013, Eigenverlag, 92 Seiten

Bestellen Sie über www.aviators-historyweb.de

oder per eMail info@aviators-historyweb.de

 

 

Die ersten Steuerelemente und eine geheimnisvolle Auftriebstechnik

Seine "Passarola", so nannte Gusmao sein Gefährt, besaß auf jeder Seite des Rumpfes acht Ruder, an deren Enden Vogelfedern befestigt waren. Damit sollte das Gleichgewicht des Luftschiffes gewährleistet werden. Wie aber die koordinierte Bewegung der 16 Ruder vonstatten gehen sollte, ließ er leider offen. Die senkrechte Flosse am Heck, ähnlich der eines Ruders bei Schiffen, sollte der Richtungsänderung dienen.Interessant aber war, dass der Auftrieb nicht durch einen Ballon, sondern durch die angebliche Anziehungskraft des Bernsteins und zweier geheimnisvoller Kugeln aus Magneteisenstein erzielt werden sollte. Eine doch, nach heutigem Wissensstand, mehr utopische als wissenschaftliche Lösung. Gusmao soll aber nicht nur ein Fantast gewesen sein. Ihm werden Versuche mit kleinen Heißluftballons nachgesagt, die er erfolgreich am Hofe des Königs von Portugal durchgeführt haben soll. Selbst Versuche mit Gleitflugmodellen wurden aus seiner Schaffenszeit berichtet.

Kindermanns Luftbarke

Eberhard Christian Kindermann, seines Zeichens kurfürstlich sächsischer Hofprofessor und Astronom, war ebenfalls ein Vertreter der Luftschiff-Fantasten. Er verfasste im Jahre 1744 eine Schrift mit dem Titel "Die geschwinde Reise auf dem Luftschiff nach der obern Welt…". In starker Anlehnung an den Entwurf der "Luftbarke" des Grafen Lana di Terzi aus dem Jahr 1670 beschrieb er hier den Bau eines Luftschiffes als Beleg dafür, dass er nicht ganz unwissend zum Thema Fortbewegung in der Luft seiner Zeit war und alle bis dahin veröffentlichten Abhandlungen gut kannte und studiert hatte. Seinem handschriftlichen Manuskript "Physia sacra" (Heilige Naturlehre) aus dem Jahre 1748 fügte er aber unwirkliche, utopische Zeichnungen hinzu, wie zum Beispiel seinen "Segelkahn". Kindermann's Luftbake
Dieser Kahn war so groß wie ein Ruderboot, ausgestattet mit zwei riesigen Vogelschwingen, einem gefiederten Schwanz und einem großen Segel, um in der Luft mit dem Wind vorwärts treiben zu können. Der Auftrieb sollte mit der Muskelkraft des Steuermannes durch Auf- und Abbewegen der Schwingen erfolgen.
Ähnliche Flugschiffe hatte Bosch schon auf seinem Kirchenkunstwerk gemalt und das war aber 250 Jahre vor Kindermann. Etwas richtig Neues ist hier also nicht zu Papier gebracht worden. Der Aufbau seines Segelkahns war sehr einfach gestaltet, denn alles wurde entweder der Natur oder bereits existierender Techniken aus dem Schiffbau entlehnt. Seine Gedanken und Vorstellungen waren reine Utopien. Sie wurden von ihm weder wissenschaftlich belegt noch hat er versucht diese technisch zu bewerkstelligen.
Einige hundert Jahre später entwickelte sich das Flugzeug zum selbstverständlichsten Fortbewegungsmittel für die Reise und den Transport von Gütern durch die Luft.

Quellen

-Chanute, Octave, Progress in Flying Machines, New York, 1891
( Abschrift einer Serie von Artikeln aus dem Railroad and Engineering Journal, New York City, Ausgabe Oktober 1891)

-Vivian, E. Charles, A History of Aeronautics, Project Gutenberg (Abschrift)
Produced by Dianne Bean, July 26, 2008, www.gutenberg.org und
The World Wide SchoolTM, November 1997, Seattle, Washington, USA.

- www.worldwideschool.org 

(Abschrift des Buches, Erschienen im Oktober 1920)

Laden ...
Fehler!