Der Brennwert des Korans

"He, Joe, hast du vielleicht meinen Koran ge... O MEIN GOTT!"Für streng religiöse Moslems stellt der Koran die höchste Quelle ihres Glaubens, das Wort Gottes dar. Also ungefähr das, was heute für nostalgisch verklärte Linke Karl Marx' Satireklassiker "Das Kapital" oder fundamentalistische Christen die Bibel ist. Während die westliche Welt aber gelassen bleibt, wenn Bibeln oder deren dazugehörigen Besitzer in passive Daseinszustände versetzt werden, nehmen etwa die Taliban ihre Glaubenssache noch sehr ernst.

Nachdem US-Soldaten hatten auf einem Stützpunkt Ausgaben des Koran verbrannt hatten, kam es zu friedlichen Demonstrationen: Tausende Afghanen bildeten Lichterketten, sangen Lieder und suchten den Dialog mit den Amerikanern.

Nein, das ist natürlich ein völlig absurder Witz! Selbstverständlich kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen, bei denen dutzende Menschen, darunter zwei Amerikaner, getötet wurden. Aus Sicht des Artikelautors gäbe es auf derlei Vorgänge nur eine einzige logische Konsequenz: Sämtlichen Soldaten ein Flugticket nach Hause in die Hand drücken und Flyer drucken, auf denen steht: "Ruft uns an, falls ihr irgendwann im 21. Jahrhundert angekommen sein solltet".

Glücklicherweise gibt es für derlei heikle Missionen weitaus kompetenteres Bodenpersonal des Herrn. Etwa SPD-Verteidigungsexperte (gebt es zu: Ihr wusstet auch nicht, dass die SPD einen "Verteidigungsexperten" hat!) Rainer Arnold:

[Er] nannte die Koran-Verbrennung in dem Blatt ein "Riesenärgernis". Darin zeige sich erneut, "mit wie wenig kultureller Kompetenz manche Amerikaner unterwegs sind".

Nun ist es ja beileibe nicht so, dass das Gesagte falsch wäre. Andere Kulturen, andere Sitten. Interessant ist aber die Ignoranz des eigentlichen Problems: Ganz offensichtlich ist der Westen in Afghanistan nicht willkommen. Und mit "offensichtlich" meine ich gewaltsame Ausschreitungen und unzählige Anschläge auf die Besatzungsmacht. Ich will auch gar nicht die edle Absicht in Abrede stellen, eine irgendwo im geistigen Mittelalter steckengebliebene Gesellschaft in die Moderne zu transferieren, wo man beispielsweise nicht kleine Mädchen mit alten Säcken zwangsverheiratet oder Leuten den Kopf abschlägt, wenn sie den eigenen Glauben nicht teilen. Nur scheint es nach über einem Jahrzehnt versuchter Modernisierung evident zu sein, dass dieses Ziel verfehlt wurde.

Stattdessen entschuldigt sich US-Präsident Obama für die Koranverbrennungen. Es habe sich um ein "Versehen" gehandelt. Asche aufs Haupt: Wer von uns hat nicht schon hin und wieder versehentlich einen Koran verbrannt? Ernsthaft: Mir ist der durchschnittliche IQ in Afghanistan unbekannt. Vermutlich schätzt ihn die US-Regierung im einzahligen Bereich ein. Anders kann ich mir eine solche lahme Entschuldigung nicht erklären. Eine im Sinne der Aufklärung korrekte Entgegnung auf die Ausschreitungen wäre natürlich gewesen, den afghanischen Präsidenten Karzai zu fragen, ob ihm diese Reaktionen auf das simple Abfackeln von ein paar Seiten Papier nicht ein bisschen extrem erscheinen. Ah, aber das wäre wohl "unsensibel"... Allah bewahre, dass wir unsere einseitige Toleranz aufgeben!

Vorsicht, politisch unkorrekte Entschuldigung einer Amerikanerin!

Wenn linke Träume platzen

Apropos Ausschreitungen: Bisweilen kommen diese auch in hiesigen Breiten vor, wenngleich weniger blutig. Etwa im Berliner Stadtteil Wedding, wo ein linkes Wohnprojekt Opfer eines Überfalls wurde. Nicht von Neo-Nazis oder Neo-Liberalen, sondern - darf man das eigentlich schreiben? - von einer türkischstämmigen Straßengang. Da wackelt das Weltbild des aufrechten Linken! Wobei: Es ist doch offensichtlich, dass wir durch und durch ausländerfeindlichen Deutsche und Österreicher - Nazi-Blut vererbt sich bekanntlich - daran Schuld tragen! War die Sozialhilfe zu niedrig? Wurden zu wenige Sozialarbeiter eingesetzt? Herrscht ein ausländerfeindliches Klima (immer schön schwammig bleiben!) in der Gegend?

Empörenderweise betreiben sich die Bewohner selbst an der Hetzjagd auf die gewiss so schrecklich diskriminierte Straßengang.

Die Nachbarin mit den zwei Tüten in der Hand kommt gerade von der Arbeit und will nur noch in die warme Wohnung. Als man sie auf die "Streetfighters" anspricht, vergisst sie die Kälte. "Drogen werden da gehandelt. Wir fürchten uns alle hier vor denen. Wenn Sie wirklich wissen möchten, was hier passiert, dann müssen sie riechen. Die kiffen von morgens bis nachts, ich lass schon immer die Balkontür zu. Die junge Künstlerin ist gerade nach Wedding gezogen, Ihre Miete in Mitte war unbezahlbar geworden. Jetzt sehnt sie sich nach der heilen Welt am Hackeschen Markt zurück. [...] Sie sagt: "Hier herrscht die türkische und die arabische Mafia.""

Das sind ja ungeheuerliche Aussagen, die mindesten vier Lichterketten und eine millionenteure "Gegen Rassismus"-Kampagne erforderten.

Andererseits: Wenn man die Rote Sozi-Brille abnimmt und mit der Realität konfrontiert wird, relativieren sich edle Worte und hehre Absichten. Die Welt ist halt leider doch kein Blumenmeer, in dem wir Menschlein glücklich und in all unsere MitmenschInnen verliebt schwimmen. Die simple Aufteilung der Welt in gut und böse funktioniert in Märchenbüchern, aber nicht in der harten Realität. Alle Menschen sind gleich - aber nicht alle Menschen sind gleich gut oder böse. Aus der Hautfarbe, Herkunft oder politischen Überzeugung absolute Rückschlüsse auf das Wesen von Menschen zu schließen, die man gar nicht kennt, ist gefährlicher Irrsinn, der sich immer wieder rächt. Wenn "Rechtspopulisten" - zu Recht - eine allzu simple Schubladisierung bestimmter Menschengruppen vorgeworfen wird, diese aber selbst, nur mit umgekehrten Vorzeichen, betreibt, muss man sich nicht wundern, wenn unerfreuliche Konfrontationen mit der Wirklichkeit erfolgen.

Speaking of Irrsinn: Wie weit die schreckliche Rechtspopularisierung fortgeschritten ist, kann man am Beispiel der einst stolzen Briten erkennen. Dort formierten sich einige Anwälte zu den "Mosquebusters", die den Bau von Moscheen verhindern wollen. Ihre durch und durch menschenverachtende Methode:

Die Anwälte klagen im ganzen Land gegen die für Moscheen eingereichten Baupläne: Einmal sind es zu wenige Parkplätze, ein anderes Mal scheitert der Antrag eben an den Toilettenbestimmungen.

Eine Ungeheuerlichkeit, mit rechtsstaatlichen Mitteln im Rahmen der Gesetze so vorzugehen! Das sieht die Artikelautorin offenbar ähnlich und schlussfolgert:

Auf diese Weise sieht der Feldzug gegen den Islam ein wenig mehr nach demokratischer Auseinandersetzung und ein bisschen weniger nach Kampf der Kulturen aus. Die traurige Bilanz: Von zehn eingereichten Klagen haben die Moscheenjäger bislang alle zehn gewonnen.

Warum schreitet der Staat gegen solche Unmenschlichkeiten nicht ein? Wie? Ja, okay, das Ganze ist rechtlich gedeckt. Aber das ist doch voll intolerant und fast schon Autobahn!

Solidarbeitrag für Kinderlose

Was kommt dabei heraus, wenn eine Gewerkschaftsvertreterin und ein Mathematiker zu gesellschaftspolitischen Fragen interviewt werden? Sagen wir mal so: minus mal minus ergibt nicht zwingend plus...

Gewerkschaftsvertreterin zum beliebten Thema soziale Gerechtigkeit (was meiner Ansich nach ungefähr so relevant ist, wie über die gerechte Aufteilung von Molekülen in der Luft zu debattieren):

Man könnte aber auch bei den Großverdienern auf der anderen Seite anfangen und ihnen einen gerechten Anteil wegnehmen. [...] Wenn eine Kellnerin, Friseurin oder Verkäuferin 40 Stunden arbeitet und sich von ihrem Gehalt die Ausbildung ihrer Kinder nicht mehr leisten kann, und sich andere aufgrund ihrer Arbeitskraft Gewinne erwirtschaften - dann ist das für mich einerseits eine Frage der Gerechtigkeit und andererseits der Menschenwürde. Das auszugleichen, hat etwas mit moralischer Verpflichtung zu tun.

Da haben wir den Salat: Die Arbeitnehmer werden ausgebeutet, weil die bösen Unternehmer Gewinne erwirtschaften wollen. Zyniker könnten einwenden, dass ja auch die Kellnerin oder Verkäuferin durch Zurverfügungstellung ihrer Arbeitskraft Gewinne erzielen wollen - also ihre Löhne -, aber das würde zu weit führen.

Glücklicherweise haben wir tüchtige Staatsvertreter, die das menschenwürdige "ausgleichen" und moralische Verpflichtungen in harter Münze auszahlen lassen. Denn: Was gut für uns ist, das wissen immer nur die anderen, nicht wir selbst.

Und hier ein weiteres Bonmot, das man sich ausdrucken und einrahmen sollte:

Wir müssen daher dafür sorgen, dass der Staat mehr Kinder bekommt. In einer gerechten Arbeitswelt kommen die Kinder von allein.

Wir stellen fest: Die gerechtesten Arbeitswelten herrschen in Afrika! Dort gibt es schließlich keine Probleme mit einer vergreisenden Gesellschaft. Gut, dafür ist die Kindersterblichkeit hoch und die Menschen gebären Kinder am laufenden Band, obwohl sie bereits mit der Ernährung von einem einzigen Kind überfordert wären. Aber das ist ja nicht deren, sondern das Problem der europäischen Staaten, weil... ach, weil Europa halt immer schuld ist!

Gerecht ist die Arbeitswelt in kinderreichen Gesellschaften trotzdem. Wo die Arbeit bestenfalls im Schöpfen von Wasser aus zehn Kilometer entfernten Brunnen besteht, geht es sozial gerecht zu und niemand wird Opfer kapitalistischer Ausbeuter.

Interessant auch die originellen Ideen des "Familienwahlrechts":

Ich halte die Idee eines Familienwahlrechts bedenkenswert: Die Mama kommt mit ihrem Kind hin und bekommt zwei Stimmzettel.

Fehlt da nicht der Vater? Davon abgesehen eine skurrile Idee: Die Mutter wählt für ihr Kind jene Parteien, die für noch mehr Staatsverschuldung - natürlich im Sinne der "sozialen Gerechtigkeit"! - eintreten, und das Kind darf später diese Schulden ausbaden. Ja, das ergibt genauso viel Sinn wie der Generationenvertrag.

Wer nun annimmt, das streng wissenschaftliche Pendant zur Gerechtigkeitsvertreterin würde logischer argumentieren, irrt:

Ich bin für einen Solidarbeitrag der Kinderlosen. Damit Sie, Frau Ruprecht, in Zukunft auch Ihre Pension bekommen, und das, was der Staat leistet, genießen können. Das ist einfach und zugleich gerecht.

Es ist wirklich rührend, sich um die Pension einer hochrangigen Gewerkschaftsvertreterin Sorgen zu machen. Der auch in Deutschland diskutierte "Solidarbeitrag" für offenbar asoziale Kinderlose, ist trotzdem, gelinde gesagt, befremdlich. Müssen umgekehrt kinderreiche Eltern Strafsteuern bezahlen, wenn ihr Nachwuchs dem Staat nur auf der Tasche liegt? Och, nein, das wäre ja zutiefst unmenschlich! Außerdem steht doch außer Frage, dass jedes Kind künftiger Beitragszahler ist.

Gruselig wird es beim traditionellen Kernthema von Gewerkschafterinnen: Der (angeblichen) Diskriminierung von Frauen:

Wir brauchen Männer genauso in frauendominierten Bereichen und umgekehrt.

Werte Herren: Wundern Sie sich nicht, wenn bierbäuchige Pensionisten demnächst bei Heidi Klum über den Laufsteg torkeln. Ich fürchte nur, mit Freiwilligkeit kommen wir auch bei dieser Problematik nicht weiter. Ein heterosexueller Freier, der sich partout weigert, mit einem Quoten-Strichjungen ins Stundenhotel zu gehen, muss selbstverständlich streng bestraft werden für seine menschenverachtende Intoleranz!

 

Doofe Schule

Zum Drüberstreuen noch aus dem Bereich Bildung: Neunjähriger soll seiner Lehrerin einen Faustschlag in den Unterleib verpasst haben, woraufhin sie drei Wochen lang im Krankenstand war. In einer halbwegs rational denken Gesellschaft wäre der Junge vom weiteren Unterricht ausgeschlossen worden und die Lehrerin würde ganz normal an ihrer Schule unterrichten.

Da wir uns im Österreich des Jahres 2012 befinden, unterrichtet die Lehrerin nicht mehr an derselben Schule und der Junge geht natürlich weiterhin in dieselbe Klasse. Ich bin sicher, das ist auch ganz im Sinne der Eltern der Mitschüler.

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