Wilde Spekulationen um den Alkoholmissbrauch in Alaska

Wollen sie sich vielleicht die Kälte warm trinken?

Haben sie einfach Langeweile?

Wenn man bedenkt, dass in den Wintermonaten fast durchgehend Dunkelheit herrscht, trinken sie vielleicht gegen ihre Depressionen an?

Aufgrund der Tatsache, dass in den Weiten Alaskas gerade einmal 22.000 km ausgebaute Straßenverbindungen bestehen, braucht man wohl auch nicht so viel Angst vor Alkoholkontrollen zu haben.

Wenn es auch nur wenig Shops gibt, die alkoholische Getränke verkaufen dürfen, ist es doch ein Leichtes sich selber welchen zu brennen. Auch wenn dieses vielerorts gesetzlich verboten ist, wer prüft das denn nach?

Auch wenn in all diesen Vermutungen ein Fünkchen Wahrheit stecken könnte, so ist damit aber noch nicht der Ursprung des Alkoholproblems in Alaska geklärt.

Also müssen wir noch ein wenig weitergraben...

Tauchen wir in die Geschichte Alaskas ein - Finden wir die Antwort in der Vergangenheit?

Sind geschichtliche Hintergründe schuld am Alkoholproblem in Alaska?

Bevor im 18. Jahrhundert die ersten Fremden nach Alaska kamen, hatten die Ureinwohner Alaskas noch keinen Kontakt zu irgendwelchen Rauschmitteln.

Sie lebten naturverbunden und einfach. Die Jagd auf Otter und Robben, der Walfang oder das Fischen versorgte sie mit allem, was sie brauchten. Ihre Ernährung und die übrige Lebensweise hielten sie gesund. Die üblichen Zivilisationskrankheiten gab es in Alaska nicht.

Dies änderte sich, als russische und amerikanische Pelzhändler nach Alaska kamen, um Pelze und Leder gegen Rum und Wein zu tauschen. Einmal auf den Geschmack gekommen und die unheimliche, aber interessante Wirkung erfahren, wollten die Inuit (Eskimo ist ein Schimpfwort) und andere Indianerstämme auf den Alkohol nicht mehr verzichten.

Dann, um 1890 kamen die Goldsucher und mit ihnen wurden immer mehr Bars eröffnet und der Alkohol wurde zur Normalität.

Halbherzige Versuche seitens des Landes dieses wieder einzudämmen sind kläglich gescheitert. 1918 sollte u.a. das "Boone-Dry-Gesetz", die Herstellung, den Ausschank und das Trinken von Alkohol strikt verbieten. Zwei Jahre später griff auch in Alaska die Prohibition der Vereinigten Staaten. Auch dieses Gesetz führte nur dazu, dass die Menschen illegale Wege fanden, ihrer Sucht zu frönen.

 

Die Ausbeutung Alaskas geht weiter.

Während und nach dem Goldboom bemerkten die pfiffigen Fremden, dass Alaska noch weit mehr zu bieten hatte, als Gold. Neben anderen Bodenschätzen, die es mittels Bergbau auszugraben galt, fanden sie auch gute Einnahmequellen im Fisch- und Walfang und das Jagen der Pelztiere.

Der kommerzielle Fischfang und die groß angelegten Jagden auf andere Tiere nahmen den einheimischen Stämmen die Existenzgrundlage. Ähnlich wie die Indianer in Mittelamerika mussten die indigen Völker in Alaska sehen wo sie bleiben.

Dies führte zu Unzufriedenheit, Gewaltbereitschaft und Alkoholmissbrauch.

 

Schlaue Wirtschaftseute kaufen die Einheimischen...

1968 wurde dann das Erdöl entdeckt. Unmengen vom schwarzen Gold schlummerte unter der unberührten Natur Alaskas. Dieses nahmen die Ölgesellschaften 1971 zum Anlass, den Einheimischen ein verlockendes Angebot zu machen.

Sie sollten vertraglich ihre ursprünglichen Ansprüche auf Alaska abtreten. Im Gegenzug bekamen die unterschiedlichen Stämme Zugang zu Land zugesprochen und insgesamt eine Entschädigungssumme von knapp 1 Mrd. Dollar.

Einige von ihnen bildeten Fonds und beteiligten sich so an der Ölförderung. Plötzlich wurden den Naturvölkern jährliche Dividenden ausgezahlt, die es ihnen auf der einen Seite ermöglichten, ein sorgenfreies Leben zu führen.

... aber sie mußten teuer dafür bezahlen

Auf der anderen Seite aber machte sich Unzufriedenheit und Langeweile breit. Sie hatten große Probleme, sich der Lebensweise der Fremden anzupassen und fanden immer mehr Gefallen daran, der Wirklichkeit mittels Alkohol zu entfliehen.

Die Bevölkerung Alaskas heute

In Alaska leben ca. 650.000 Einwohner, davon sind heute noch ca. 100.000 Nachfahren der Ureinwohner, der sogenannten indigen Stämme.

Während die Zugezogenen und Eingereisten sich mehr in den größeren Städten angesiedelt haben, leben die Einheimischen weit verstreut in kleinen Gemeinden und Dörfern.

Statistiken zufolge sind die meisten Alkoholiker in Alaska unter den Einheimischen zu finden. Es wird vermutet, dass die wirtschaftlichen und kulturellen Veränderungen in Alaska in den letzten 35 Jahren den Alkoholmissbrauch unter den Einheimischen begünstigt haben.

Viele von ihnen haben keine Aufgabe, die sie ausfüllt. Vor lauter Langeweile und Unzufriedenheit werden sie straffällig und gewalttätig. Umgekehrt wird vermutet, dass Opfer von Gewaltverbrechen wiederum alkoholabhängig werden, um das Erlebte zu vergessen.

Maßnahmen gegen übermäßigen Alkoholmissbrauch in Alaska

Manche haben den Ernst der Lage erkannt!

  • In vielen Gemeinden besinnen sich die Menschen auf ihre Traditionen.Sie lassen das Kunsthandwerk, das ihre Vorfahren früher fürs Überleben benötigten, aufleben und verkaufen ihre Kunstwerke an Touristen. Es gibt Tanzgruppen, die ihre traditionellen Tänze zum Besten geben.

  • In manchen Orten werden mehrtägige Nüchternheitsfeiern zelebriert. Diese sollen dazu beitragen, mit Gemeinschaftssinn und guten Vorbildern gegen den Alkoholismus anzukämpfen. Dort erzählen z.B. trockene Alkoholiker, wie sie den Kampf gegen die Abhängigkeit gewonnen haben.

Aber es gibt auch Maßnahmen, die schon vor hundert Jahren nicht geholfen haben!

In vielen Gemeinden herrscht striktes Alkoholverbot. Sowohl Herstellung, Verkauf und Konsumieren stehen unter Strafe. In manchen Gegenden wird sogar in Erwägung gezogen, Zutaten, die fürs Brennen von Schnaps gebraucht werden, zu verbieten.

Diese Maßnahme wird – wie die Geschichte es gelehrt hat – wohl keinen Alkoholiker davon abhalten, an seine tägliche Dosis zu kommen.

 

 

Autor seit 3 Jahren
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