Erste und Zweite Welt zur Zeit des Kalten Krieges

Nach dem zweiten Weltkrieg standen sich zwei Supermächte gegenüber. Es herrschte ein Gleichgewicht des Schreckens, denn die beiden Blöcke hielten sich mit Atomraketen in Schach. Beide waren militärisch gut ausgerüstet und doch so unterschiedlich, denn gegenüber standen sich Kommunismus und Kapitalismus. Europa war gespalten. Den ersten Block, oder die damalige Erste Welt bildetet die USA mit ihren Freunden. Sie hatten im Krieg weniger Soldaten verloren und das eigene Land wurde kaum beschädigt, ihre Wirtschaft lief auf Hochtouren. Gegenüber stand der zweite Block, die Zweite Welt, die Sowjetunion mit ihren verbündeten kommunistischen Ländern. Sie waren wirtschaftlich am Ende, der der Krieg hatte ihnen stark zugesetzt. Dennoch versuchten sie den Kommunismus weiter zu verbreiten und ihr Territorium auszuweitern. Zwei Militärbündnisse standen sich gegenüber: NATO (USA) und Warschauer Pakt (Sowjetunion). 

Obwohl sich die beiden Mächte nicht direkt bekriegten, rüsteten sie stark auf und verlagerten ihre Auseinandersetzungen in andere Länder und zum Beispiel Kubakrise oder Koreakrieg waren Folgen davon. Die Sowjetunion wurde immer ärmer und Michail Gorbatschow übernahm dort 1985 die Macht. Er war zu Verhandlungen bereit und die USA und die Sowjetunion fingen an zusammen zu arbeiten, Verträge zu verhandeln und abzurüsten. Gleichzeitig gab Gorbatschow den sowjetischen Ländern mehr Freiheiten, was dazu führte, dass sich die kommunistische Herrschaft im Osten Ende der 80er Jahre auflöste. Die Zweite Welt gab es dann praktisch nicht mehr.

Map of the World - Cold War Allies

Map of the World - Cold War Allies (Bild: amphalon / Flickr)

Doch wo war da die Dritte Welt?

Nicht alle Staaten der Erde zeigten sich während des Kalten Krieges entweder der USA oder der Sowjetunion zugehörig. USA oder Westblock als Erste Welt, Sowjetunion als Ostblock die Zweite Welt, so bildeten die restlichen Staaten die Dritte Welt. Dies war keineswegs eine Bezeichnung, die ihnen einfach zugeteilt wurden, sondern sie bekannten sich dazu. Es waren vor allem Länder in Afrika und Asien, einige wenige in Europa. Sie waren nicht ganz untätig, denn sie hatten Angst vor einem 3. Weltkrieg und bildeten ein eigenes lockeres Staatenbündnis, als Dritten Block oder als Dritte Welt. Bekannt waren sie auch unter den Namen "Bewegung der blockfreien Staaten" oder "Bandung-Staaten". Zwischenzeitlich kam es zwischen den Ländern allerdings auch zu Problemen, da sie unterschiedliche Ziele hatten und einige absprangen, um sich den Militärbündnissen der Ersten und Zweiten Welt anzuschließen. Neben zahlreichen afrikanischen Ländern und kleineren asiatischen war auch China eine Zeit lang dabei, um das Verhältnis zu anderen asiatischen Staaten zu verbessern. Initiiert wurde das Bündnis damals vom jugoslawischen Präsidenten Tito, dem ägyptischen Staatschef Nasser, dem indischen Premier Nehru und dem indonesischen Präsidenten Sukarno. Auch Zypern und Malta waren dabei, verließen das Bündnis jedoch mit ihrem EU-Beitritt. Auch Jugoslawien stieg nach dem Zerfall aus. Im großen und ganzen kann man sagen, dass das Bündnis zunächst natürlich Frieden und Abrüstung als Hauptziele hatten. Zusätzlich standen sie für das Ende der Kolonialisierung ein und gegen Rassendiskriminierung. Obwohl die Gemeinschaft inzwischen ihre Bedeutung verloren hat und nicht mehr wirklich an einem Strang zieht oder ein Hauptziel hat, tagen sie immer noch. Immerhin nehmen die Mitglieder 55 % der Weltbevölkerung ein und 2/3 in der UN-Generalversammlung.

Erste, Zweite, Dritte Welt... Einteilung nach Entwicklungsstand

Auch, wenn die Einteilung mit dem Untergang der Zweiten Welt, des Ostblocks, eigentlich hinfällig war, so blieb sie dennoch bestehen, denn die Länder in den einzelnen Welten hatten doch viele Gemeinsamkeiten. So blieb es bei der Ersten Welt. Sie umfasst die reichen Industriestaaten mit hohem Lebensstandard, also die G8-Länder, Australien, Neuseeland, Chile, Singapur, Südkorea, Taiwan und fast alle westeuropäischen Länder. Die Zweite Welt sind nach wie vor die ehemaligen kommunistischen Ostblockländer, die inzwischen reformiert wurden, also Osteuropa und die Nachfolgestaten der Sowjetunion.

Die Dritte Welt sind aber inzwischen nicht mehr die im Kalten Krieg neutralen Staaten, sondern haben andere Gemeinsamkeiten. Sie gelten als arm, ihre Bildungs- und Gesundheitssysteme sind nicht gut ausgebaut, es herrscht Hunger etc.... Es muss noch viel verbessert werden, daher hat sich inzwischen statt Dritte Welt auch der Begriff "Entwicklungsländer" eher durchgesetzt. Die Verbesserung der Länder durch Hilfe von den anderen Welten, die "Entwicklungshilfe" ist ein sehr umstrittenes Thema. In der Dritten Welt unterscheidet man inzwischen auch wiederum, denn es haben sich weitere Gruppen gebildet, wenn man den Entwicklungsstand betrachtet. So werden die sogenannten Schwellenländer wie Braslien oder Mexiko, die eben "an der Schwelle zum Industriestaat" stehen, bei manchen Einteilungen inzwischen zur Zweiten Welt gezählt. Und eine Gruppe der Dritten Welt wird manchmal sogar als "Vierte Welt" bezeichnet. Zur Vierten Welt zählen Länder, die besonders von Hunger und Armut heimgesucht werden und deren wirtschaftliche und industrielle Entwicklung so langsam vor sich geht, dass sie ohne fremde Hilfe kaum überlebensfähig wären. 

Unterschiedliche Gruppen bieten unterschiedliche Einteilungen. Während die Erste und Zweite Welt konstant ist, wird die Dritte Welt immer wieder in Unterguppen geteilt. Die Weltbank teilt die Entwicklungsländer oder die Länder der Dritten Welt in drei Gruppen auf: Entwicklungsländer mit niedrigem Einkommen, mittleren Einkommen und Ölexporteure mit hohem Einkommen. Die UNO teilt in zwei Gruppen auf: Die Schwellenländer und die Least Developed Countries, am wenigsten entwickelten Länder.

Die Welteneinteilung in Erste, Zweite und Dritte Welt gilt generell als veraltet, aber der Entwicklungsstand aller Länder wird von den Vereinten Nationen nach wie vor jährlich erhoben. Ausgerechnet wird der HDI, der Human Development Index, jedes Landes, der sich aus vielen Faktoren wie durchschnittlicher Lebenserwartung, durchschnittlicher Bildungsgrad etc zusammensetzt. 

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