Die femme fatale als Verführerin

Was ist eine femme fatale? Der Name "femme fatale" kommt aus dem Französischen und bedeutet soviel wie eine "verhängnisvolle Frau." Fatal kommt aus dem Lateinischen fatalis, verhängnisvoll und von fatum Schicksal, Verhängnis. Diese Frau betört Männer durch ihre Attraktivität, ihre erotische Anziehungskraft und durch ihr berechnendes Verhalten und zieht sie in ihren Bann.

Was macht eine "femme fatale" aus!

Die Männermordende "femme fatale" ist literarisch sehr präsent. Sie fasziniert durch ihre Wolllust, Intelligenz und durchdachte Manipulation. Man bezeichnet sie heute auch als "Vamp." Wir begegnen ihr in der Bibel bei Eva und Delila. In der Antike finden wir die verführerischen Weiber in der Pandora, bei der schönen Helena und bei Circe. Shakespeare, Gryphius, Diderot und Flaubert erwähnten sie in ihren bedeutenden Werken. Ich möchte hier nicht detailliert auf die Werke u.a. auch von Goethe, Heine und anderen bedeutenden Autoren eingehen, sondern mich ganz besonderen Figuren der Literatur und Musik widmen.

Carmen, ein Mythos in Literatur, Film und Kunst

Die Idee zu Carmen bekam Mérimée durch sein enges und freundschaftliches Verhältnis zur Familie de Montijo, die er während einer Spanien-Reise kennen gelernt hat. Mit Begeisterung las Mérimée auch die spanischen Reisereportagen von Théophile Gautier (1811 – 1872). Der Dichter Mérimée war ein bekennender Liebhaber von Spanien und bereiste das Land intensiv und begeisterte sich für das mediterrane Lebensgefühl und seine Menschen. Gaultier schrieb 1852 ein Gedicht über "Carmen" und Mérimée seine berühmte Novelle 1847. Er interessierte sich für gesellschaftliche Randgruppen, wie sie die Zigeunerin Carmen verkörpert. Mit diesem Werk hat er den Prototyp der femme fatale geschaffen. Ohne ihn hätte auch sicherlich nicht Wedekind seine Inspiration für seine Lulu bekommen.

Die Zigeunerin Carmen

Die Uraufführung der Carmen fand 1875 in der Opéra-Comique in Paris statt. Die Oper hatte zu Beginn keinen großen Erfolg, weil das Genre dieses Frauentypus auf die Gesellschaft eher abschreckend wirkte. Aber nach anfänglicher Skepsis konnte sich Carmen durchsetzen und erlebt bis heute durch ihre Musik und durch die Handlung immer wieder grandiose Erfolge. Leider konnte Bizet diese Erfolge nicht mehr genießen. Er starb mit 36 Jahren an einem Herzanfall im Jahre 1875, dem Jahr der Uraufführung seiner Carmen.

Im 19. Jhd. befassten sich vor allem Künstler in der Pariser Szene mit dem neuen Frauenbild. Mit der erotischen, lasziven und Männer vernichtenden Frau. Das Zigeunermädchen Carmen beflügelte die Männer, weil sie nicht nur eine erotisierende Macht auf Männer hatte, sondern auch eine Frau verkörperte, die ihr Leben in Freiheit lebte und sich keinen Zwängen unterwarf. Jeder kennt wohl die "Habanera", die Carmen nicht nur als "femme fatale" darstellt, sondern in der Habanera spiegelt sich die unbändige Freiheit und Eigenständigkeit dieser Zigeunerin.

Maria Callas singt die "Habanera."

"Die Liebe hat bunte Flügel, solch einen Vogel zähmt man schwer; haltet fest sie mit Band und Zügel, wenn sie nicht will, kommt sie nicht her. Ob ihr bittet, ob ihr befehlet und ob ihr sprecht und ob ihr schweigt, nach Laune sie den erwählet und heftig liebt, der stumm sich zeigt."  (Habanera, Carmen)

Die unvergessene Maria Callas

Zusammenfassung der Oper "Carmen."

Die Handlung spielt in Sevilla. Zigeunerinnen einer Zigarettenfabrik flirten in der Pause mit den dort stationierten Soldaten. Carmen hat ein Auge auf den Soldaten Don José geworfen. Nach einem Streit mit den anderen Arbeiterinnen verletzt Carmen eine andere Zigeunerin und Don José soll sie verhaften. Sie bedrängt ihn, dass er sie fliehen lässt und dann wird er selbst verhaftet. In einem Schmugglerversteck wartet Carmen auf Don José, sie betört ihn und möchte nicht, dass er zur Kaserne zurückgeht. Er könnte ihr nur seine Liebe beweisen, wenn er sich für sie entscheidet und nicht für seine Aufgaben als Soldat. Als ein anderer Mann Carmen anhimmelt, rastet Don José aus und verletzt ihn. Nach diesem Vorfall findet er Unterschlupf bei den Schmugglern und Zigeunern. Jetzt könnte Carmen glücklich sein, dass er bei ihr ist, aber sie interessiert sich nicht mehr für ihn. Carmen sah ihn nur als neue Trophäe, denn sie hatte schon wieder ein anderes Opfer gefunden: Den Torrero Escamillo. Don José fühlt sich gedemütigt und schwört Rache. Die letzte Szene spielt vor der Arena zu Sevilla. Carmen möchte ihren Torrero beim Stierkampf bewundern. Sie begegnet noch einmal Don José und er sagt ihr, wie sehr er sie liebt. Sie lacht ihn aus und wutentbrannt ersticht Don José Carmen.

Frank Wedekind: Lulu - Erdgeist und die Büchse der Pandora

Die beiden Stücke von F. Wedekind Erdgeist und die Büchse der Pandora beschreiben das Leben der zweiten "femme fatale." Lulu lebte mit dem Kleinkriminellen Schigolch auf der Straße. Sie wird von dem reichen Dr. Schön aufgenommen und wird seine Geliebte. Da Schön aber eine "bessere Partie" machen möchte, verkuppelt er sie an Dr. Goll. Goll erwischt sie beim Liebesspiel mit dem Maler Schwarz und er stirbt vor Schreck. Sie heiratet den Maler, bleibt aber weiterhin die Geliebte von Dr. Schön. Schön möchte sich von Lulu entledigen, weil er die bessere Partie heiraten möchte und er intrigiert bei ihrem Ehemann über ihr ausschweifendes Leben. Der Maler bringt sich daraufhin um.  Danach arbeitet Lulu als Tänzerin und Schön ist ihr immer noch verfallen. Sie zwingt ihn seine bestehende Verbindung aufzulösen und sie zu heiraten. Nachdem sie auch ihn mit anderen betrügt, verlangt er von ihr, dass sie sich tötet, stattdessen bringt sie ihren Ehemann um. Sie kommt hinter Gitter und wird von der Gräfin Geschwitz, mit der sie auch eine Beziehung hat, befreit. Sie flieht mit der Gräfin und dem Sohn von Schön nach Paris und heiratet  den vermögenden Sohn von Dr. Schön. Sie kostet das Luxusleben in vollen Zügen aus und lässt sich wieder mit anderen Männern ein. Ihre vielen Liebhaber versuchen sie zu erpressen und sie flieht nach London. Dort arbeitet sie als Prostituierte und wird schließlich von dem Frauenmörder Jack the Ripper umgebracht. Die Uraufführung fand 1904 in Nürnberg statt und die Polizei verhinderte eine zweite Aufführung. Nach einer weiteren Aufführung in München schritt die Staatsanwaltschaft ein und verklagte Wedekind wegen seiner sittenwidrigen Schriften. Lulu wurde von Alban Berg vertont.

Das ewige Rätsel um Rosemarie Nitribitt - Der Tod der Rosemarie Nitribitt

Eine "femme fatale" war Rosemarie Nitribitt (1933-1957), die aus einfachen Verhältnissen stammte. Sie wuchs in Heimen auf, riss immer wieder aus und verdiente sich früh ihr Geld als Prostituierte. Da sie sich ihrer einfachen Herkunft schämte, belegte sie Kurse in Englisch, französisch und guten Umgangsformen. Sie hatte Kontakt zu Politikern und Wirtschaftsbossen. Ihr Tod wurde nie aufgeklärt und man vermutet, dass durch ihre Verbindung zu diesen Kreisen man ihren Tod vertuschen wollte.

Eine femme fatale von heute ist kein Dummchen. Sie sucht sich bewusst ihre Opfer aus und möchte durchaus Vorteile von ihren Männerverbindungen haben. Nitribitt ist nicht zu verwechseln mit Prostituierten vom Straßenstrich, sondern sie hat sich ihre Männer nach einer bestimmten Strategie ausgesucht. Sie wollte dadurch Vorteile genießen in Form von Präsenten und schönen Urlaubsreisen. Eine femme fatale von heute ist nicht nur eine erotische Spielpuppe, sondern sie vermag durch ihre Intelligenz sich in allen Kreisen zu bewegen. Eine Frau, die durch diese Masche einen Einstieg von einfachen Verhältnissen in gehobene Kreise erreicht ist rational klar strukturiert. Sie möchte nicht nur der sexuellen Lust wegen mit Männern ins Bett gehen. Sie verfolgt ihre Ziele nach kalkulierten Strategien, die ihr von Nutzen sind. Die psychologische Komponente der Rosemarie Nitribitt darf man auch nicht außer Acht lassen. Wenn eine 11-jährige vergewaltigt wird, ist das eine emotional schmerzliche Erfahrung für eine Heranwachsende. Vielleicht wollte sie sich gerade wegen ihrer Herkunft  das holen, was sie an Wärme und Zuneigung in ihrer Jugend nie erfahren hat.

 

Und ewig lockt das Weib!

Durch unser breites Medienangebot stellen sich immer noch viele Frauen dar, um an gute Partien durch ihren Auftritt im Fernsehen zu kommen. Die Super Heidi mit ihren Models wurde anfangs sehr kritisiert, weil sie viele junge Mädchen in eine Rolle zwängen, die erstens einer niveaulosen Unterhaltung dient und zweitens diese Mädchen einem enormen Stress aussetzen. Aber es gibt sicherlich auch Mädchen, die sich für diese Casting-Shows bewerben, um durch ihren Bekanntheitsgrad nicht nur viel Geld zu verdienen sondern auch die Möglichkeit ausnutzen, einen reichen Mann kennenzulernen. Es lebe die "femme fatale."

sissilu, am 08.08.2012
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Bildquelle:
Eigenwerk (Romantische Tagesausflüge am Valentinstag)

Autor seit 4 Jahren
33 Seiten
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