Was die Bibel über Hurerei sagt

Wenn die Heilige Schrift von Hurerei spricht ist keineswegs ausschließlich das horizontale Gewerbe gemeint. Biblisch gesehen bedeutet dies mehr als Sexarbeit. Hurerei bezeichnet in der Bibel die Abkehr von Werten und Normen des menschlichen Zusammenlebens. Doch selbst dort, wo es explizit um Sexualität geht, meint die Bibel mit Hurerei nicht unbedingt Prostitution im heutigen Sinne. Hurerei ist demnach alles, was das göttliche Geschenk der Partnerschaft schändet. Grob umrissen vertritt die Bibel folgende Auffassung:

  • Gott schuf die Ehe, in der ein Mann und eine Frau miteinander vereint sind.
  • Ehebruch ist falsch, was unter anderem in den 10 Geboten verankert wurde. Jesus präzisiert dies in der Bergpredigt sogar dahingehend, dass selbst der gedankliche Seitensprung Ehebruch bedeutet.
  • Hurerei bedeutet demnach Ehebruch.
  •  Wer sich mit einer Hure einlässt, ist eigentlich ihr Ehemann geworden. (1. Korinther 6,16 und 1. Mose 2,24)
  •  Sexualität selbst ist nicht schlecht, sondern ein göttliches Geschenk, das keineswegs schamhaft behandelt werden muss.
  • In einigen Geschichten der Bibel kommt zum Ausdruck, dass eheliche Treue und verantwortungsvoller Umgang mit Sexualität die Menschen vor Ausbeutung, körperlicher und seelischer Verletzung hätten schützen können. Der Körper ist ein Tempel Gottes und sollte nicht zur Hurerei missbraucht werden(1.Korinther 6,19 und 13).

Von Doppelmoral und Scheinheiligkeit

Unsere heutige Gesellschaft praktiziert hinsichtlich des Sexgewerbes eine ziemlich dreiste Doppelmoral: Prostitution wird geächtet, und ihre Förderung ist sogar strafbar. Die Einkommenssteuern und andere Abgaben der Huren jedoch werden trotzdem gern den öffentlichen Haushalten zugeführt. Dass Prostituierte seit Beginn dieses Jahrtausends die Möglichkeit haben, ihren Lohn einzuklagen, liegt also keineswegs nur in Menschlichkeit und Gleichberechtigung begründet. Es geht auch um finanzielle Begehrlichkeiten des Staates. Immerhin ist die Prostitution vermutlich (noch vor den Beerdigungsinstituten) das krisensicherste Gewerbe Deutschlands.

Im Gegensatz dazu spricht sich die Bibel deutlich gegen eine solche Scheinheiligkeit aus: "Du sollst keinen Hurenlohn in das Haus des Herrn bringen!", lautet eine Anweisung aus 5. Mose 23,19. Hurerei gilt somit klar als Sünde, die nicht nur verbal abgelehnt wird. Gottes Diener sollen sich nicht daran bereichern. Allerdings macht die Bibel einen Unterschied zwischen der Sünde Hurerei und den Menschen, die darin involviert sind, wie die folgenden Beispiele zeigen sollen.

Huren in der Bibel

Im 1. Buch Mose, Kapitel 38 wird die Geschichte der Tamar erzählt, die sich einmalig zur Hure macht, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Diese Frau ist die Witwe zweier Brüder. Der Schwiegervater Juda fürchtet nun um den dritten Sohn, welcher im Zuge der Leviratsehe eigentlich mit Tamar Nachkommen zeugen müsste. Deshalb zögert er die Sache immer weiter hinaus.

In einer Mischung aus seelischer Not und Verschlagenheit verkleidet sich Tamar als Hure. Ihr Schwiegervater, vor dem sie ihr Gesicht verbirgt, fällt auf sie herein. Als Tamar von dem einmaligen Techtelmechtel schwanger wird, will Juda sie gemäß der damaligen Gesetze wegen Unzucht hinrichten lassen. Doch Tamar kann beweisen, wer sie geschwängert hat, so dass Juda bekennen muss: "Sie ist gerechter als ich."

Diese Geschichte (die übrigens fälschlicherweise den Begriff Onanie begründet hat) zeigt recht deutlich, dass die Bibel einerseits Hurerei nicht gutheißt. Andererseits wird aber auch nicht der Frau allein die Schuld zugewiesen. Tamars Verhalten resultiert immerhin daraus, dass Männer sie übervorteilen wollten.

Einige hundert Jahre später ereignete sich eine weitere Episode mit einer Hure als Hauptfigur. Am Ende ihrer jahrzehntelangen Wüstenwanderung schickten sich die Israeliten an, die Stadt Jericho zu erobern. Der entsprechende Text in Josua 2 berichtet darüber, wie sich vorab zwei Kundschafter in der Stadt umsahen. Als es für sie brenzlig wurde, versteckten sie sich in einem Hurenhaus, welches praktischerweise direkt an der Stadtmauer stand. Die Dame des Hauses hieß Rahab und hatte offenbar ein Gespür für politische und religiöse Entwicklungen. Sie verbarg die beiden Kundschafter vor den städtischen Ordnungshütern und verhalf den Männern später zur Flucht. Als Gegenleistung forderte sie Schonung bei der Eroberung der Stadt für sich und ihre Familie. Der Deal gelang. Rahab und ihre Angehörigen fanden später Aufnahme in das Volk der Israeliten. Interessant ist dabei, dass sowohl Tamar als auch Rahab im Stammbaum Jesu erwähnt werden. Die Bibel weist somit Huren trotz ihrer sündhaften Tätigkeit als von Gott geliebte Menschen aus.

Exkurs: Jesus und die Huren

Von Johannes dem Täufer, der Buße gepredigt hatte, sagt Jesus einmal: "...aber die Zöllner und Huren glaubten ihm."(Matthäus 21,32) Christus selbst verstand es wie kein anderer, zwischen Sünder und Sünde zu unterscheiden. Er konnte die Fehler seiner aufrichtigen Mitmenschen benennen, ohne verurteilend und überheblich zu sein. Gegenüber der arroganten Führungsriege seiner Zeit fand er hingegen deutliche Worte: "Die Zöllner und Huren kommen eher ins Reich Gottes als ihr." (Matthäus 21,31) Damit zeigte er, dass er die Menschen nicht nach ihren Fehlern katalogisierte, sondern für jeden Hilfesuchenden da war. Treffend formulierte Christus dies einmal so: "Die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken." (Matthäus 9,12)

Das deutlichste Beispiel dafür findet sich in einer sehr bekannten Episode aus dem Johannesevangelium: Pharisäer und andere Strenggläubige brachten eines Tages eine Frau zu Jesus, die beim Ehebruch ertappt wurde. Sie fragten Jesus, was mit ihr zu tun sei. Nach dem jüdischen Gesetz hätte sie gesteinigt werden müssen. Andererseits durfte die Todesstrafe nur von der römischen Besatzungsmacht ausgeführt werden. Jesus konnte also im Prinzip nur eine für ihn nachteilige Antwort geben. Es stellt sich auch die Frage, wo eigentlich der am Ehebruch beteiligte Mann war und warum die strenggläubigen Ankläger die Frau nicht gleich selbst steinigten...

Aus dem Kontext ergibt sich, dass die Verkläger genau gewusst haben müssen, wann sie die Frau wo beim Ehebruch erwischen würden. Einige Ausleger folgern daher, dass es sich bei der Ehebrecherin um eine Hure, zumindest aber um eine allseits bekannte, leichtlebige Frau gehandelt haben muss. Vielleicht hatten die Verkläger ja selbst schon entsprechende Kontakte zu ihr gepflegt...

Jesus reagierte erstaunlich gelassen. Er tappte nicht in die sorgsam gestellte Falle, sondern bückte sich und schrieb mit dem Finger in den Staub. Als die Menge immer drängender fragte, antwortete er: "Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein."

Viel ist schon gerätselt worden, was Jesus da wohl aufgeschrieben hat. Vielleicht die Verfehlungen der Ankläger? Am besten passen seine beiden Reaktionen zu einem alttestamentlichen Text: "Alle, die dich verlassen, werden zuschanden, die sich von dir abwenden, werden in den Staub geschrieben; denn sie haben den Herrn verlassen, den Quell lebendigen Wassers." (Jeremia, 17, 13) Die Frau hingegen ließ Jesus gehen mit der Aufforderung, hinfort nicht mehr zu sündigen.

Bedeutung der Hurerei in der Bibel

Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass nach christlichem Verständnis die Sünde verurteilt wird, nicht aber der Sünder, der er davon frei sein will. Falsche Toleranz ist somit ebenso verkehrt wie scheinheilige Dogmatik.

In der Heiligen Schrift wird das Wort Hurerei oftmals weit über die sexuelle Bedeutung hinaus gebraucht. Jene gilt bisweilen eher als Sinnbild für Treuebruch und moralischen Verfall. Beispielsweise spricht das biblische Buch Hesekiel von den Hurenschwestern Ohola und Oholiba, welche als das Nordreich Israel und das Südreich Juda definiert werden. Am Sinnbild der Hurerei erklärt der Prophet Hesekiel das politisch-religiöse Wechselverhalten beider Staaten. Ähnliches lehrt ein anderer Prophet namens Hosea. Sein göttlicher Auftrag ist allerdings wesentlich krasser. Er muss eine Hure samt ihren Kindern zur Frau nehmen. Dieses für einen Propheten doch recht ungewöhnliche Familienleben wird anschließend zur öffentlichen Metapher für das Verhalten des gesamten Volkes..

Auch das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung, verwendet das Wort Hurerei in sehr drastischen Worten. Sinnbildlich wird von einer großen Hure gesprochen, die letztendlich alle mit ins Verderben reißt, die sich nicht von ihr lösen. Die zahlreichen Vergleiche zur Hurerei in der Bibel machen somit deutlich, dass Rettung für alle möglich ist, die wollen, Hurerei (also Abkehr von Gott) letztendlich aber ins Verderben führt.

Autor seit 5 Jahren
97 Seiten
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