Was sind Dioxine für Stoffe?

Der Begriff Dioxin wird für verschiedene chlorhaltige, chemische Verbindungen verwendet, wobei diese immer als Gemisch verschiedener Einzelverbindungen vorkommen. Diese Stoffe sind unterschiedlich giftig, wobei das TCDD (2,3,7,8 Tetrachlor-Dibenzo-p-Dioxin) als das giftigste gilt.
Es ist auch bekannt als Seveso-Gift, nach einem Chemieunfall 1976 in Seveso nahe Mailand, bei dem ca. 200 Menschen an schwerer Chlorakne erkrankten. Neben den Dioxinen gibt es noch dioxinähnliche PCB. Dies sind ebenfalls Kohlenwasserstoffe mit einer ähnlichen Struktur wie die Dioxine.

Wo kommen diese Stoffe her?

Dioxine sind unerwünschte Nebenprodukte, die bei Verbrennungsprozessen in Anwesenheit von Chlor und organischem Kohlenstoff entstehen. Sie entstehen bei 300 Grad Celsius und zerfallen bei 900 Grad. Bei allen Produktionsverfahren, bei denen Chlor mit im Spiel ist, entstehen Dioxine und verunreinigen in geringen Spuren die fertigen Produkte. Besonders Chlorphenole enthalten solche Verunreinigungen. Das PCP (Pentachlorphenol) ist daher sein 1989 in Deutschland verboten.
Auch bei Waldbränden und Vulkanausbrüchen können Dioxine entstehen. In unsere Umwelt gelangen die Dioxine z.B. durch metallurgische Industrie, Sinteranlagen oder die thermische Verbrennung von Abfall. Allerdings konnte die Umweltbelastung in den letzten Jahren durch strenge Vorschriften zum Dioxinausstoß erheblich gesenkt werden.

Warum sind Dioxine so gefährlich?

Dioxine sind hochgiftige Stoffe, die bereits in sehr geringen Mengen gefährlich sind. Störungen des Immunsystems, schwere Erkrankungen von Haut und Atemwegen, Erkrankungen der Schilddrüse und des Verdauungstraktes gelten als Langzeitfolgen. Bei Tieren wurde die krebserregende Wirkung von Dioxin nachgewiesen. 1997 hat die WHO das TCDD auch beim Menschen als krebserregend eingestuft. Andere Dioxine stehen unter diesem Verdacht.
Laut dem Bundesumweltamt ist das Seveso-Gift zehnmal toxischer als das Mycotoxin aus Schimmelpilzen, 500mal toxischer als Strichnin und das Pfeilgift Curare, sowie 1000fach toxischer als reines Nikotin. Das o.g. hochgiftige TCDD wirkte in Tierversuchen bereits bei einer Konzentration von einem Millionstel Gramm pro Körpergewicht tödlich.
Dabei ist das besonders gefährliche an Dioxin, dass es sich im Körperfett von Tieren und auch beim Mensch anreichert und dort nur sehr langsam abgebaut wird. Die Halbwertzeit von TCDD im Menschen beträgt 7 Jahre. Die sich am langsamsten abbauende Dioxinverbindung benötigt ca. 40 Jahre bis sie im Körper eliminiert ist.

Wir nehmen Dioxine hauptsächlich über die Nahrung auf

Die meisten Dioxine, 90 bis 95 Prozent nehmen wir über den Verzehr von Fleisch und Michprodukten auf. Obwohl unsere Böden im Laufe der Jahre mit Dioxinen angereichert wurden, z.B. durch Klärschlamm, lassen sich im Gemüse kaum Dioxine nachweisen. Statt dessen haften sie mit den Bodenpartikeln am Gras oder den Pflanzen. Durch die Tiere aufgenommen, reichern sich die Dioxine dort im Fettgewebe an. Auch fetthaltige Fische sind mit dem Gift belastet. Da wir sie aber in geringeren Mengen verzehren, spielen sie keine so große Rolle wie Milch und Fleisch.

Wie stark sind die Menschen in Deutschland mit Dioxin belastet?

Laut Bundesumweltamt nimmt der Deutsche im Durchschnitt täglich 0,7 pg (1 Piktogramm = 1 Billionstel Gramm) Dioxin auf (Zahlen von 2000 bis 2003). Die WHO geht davon aus, dass eine tägliche Aufnahme von 1 bis 4 pg Dioxin pro kg Körpergewicht noch als tolerierbar gilt, empfielt aber als Vorsorge einen Wert von unter 1 pg anzustreben.

Als Quelle für die Zahlen und Informationen dieser kurzen Zusammenfassung diente die Webseite des Bundesumweltamtes. Diese Übersicht ist gedacht für Leser, die sich nicht für chemische Formeln und exakte statistische Daten interessieren und dennoch wissen wollen, warum Dioxine so gefährlich sind. Um die Dioxinbelastung von Umwelt und Mensch weiter zu senken, wurden inzwischen nationale und europäische Gesetze geschaffen, die bestimmte Stoffe verbieten und strenge Regeln für die Verbrennung von Müll festlegen. Auch internationale Abkommen gibt es inzwischen, die die globale, grenzüberschreitende Ausbreitung der Gifte verhindern sollen.

Autor seit 5 Jahren
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