Strahlung hat noch niemand gesehen

Handy-User und -Gegner streiten sich schon so lange, wie es die portablen Telefone gibt, über den gesundheitlichen Schaden, den die Mobiltelefone so anrichten. Während sich die Kritiker aufregen und mahnend den Zeigefinger heben, weil die Strahlung des Handys das Gehirn erwärmt, kontern die Befürworter ziemlich lapidar: "Strahlung hat noch niemand gesehen."

Jetzt könnte die Kontroverse in die nächste Runde gehen. Denn wissenschaftlich ist erwiesen, dass Handys weiteren gesundheitlichen Schaden anrichten können - und der ist handfest im wahrsten Sinne des Wortes.

Kein Scherz: Der Handy-Daumen

Wer sich beim Begriff Handy-Daumen mit einem Grinsen den Finger an die Stirn legt, hat die Lacher auf seiner Seite - nicht aber die Mediziner. Die kämpfen nämlich seit geraumer Zeit gegen den Handy-Daumen, mit dem sie in ihrer alltäglichen Praxis immer häufiger konfrontiert werden.

Tippen - eine spannende Sache

Wie der Handy-Daumen entsteht, ist schnell erklärt: durch falsch beanspruchte Bänder, Muskeln und Sehnen.

Weil die Nutzer oft versuchen, das Handy einhändig zu bedienen, bringen sie den Bewegungsapparat im Daumen an sein Limit. Wer das Mobiltelefon in die Handfläche spannt und dann mit dem Daumen den Tastenblock bedient, überdehnt sie permanent. Das Schlimme: Meist ist bei solchen Aktionen nur die "gute" Hand, also überwiegend die rechte, im Einsatz.

Eine Verbreiterung der Hand, Verspannungen und Schmerzen sind die Folge. Wenn's ungünstig läuft, kann sich eine schmerzhafte Verdickung zeigen, die Sehnenscheidenentzündung.

Operationen drohen

Sind die Sehnen in der Hand durchs viele Tippen auf dem Handy so malträtiert worden, dass sich eine akute Sehnenscheidenentzündung einstellt, hilft zunächst einmal, sie zu schonen. Wer allerdings nicht rechtzeitig auf die Alarmsignale hört, riskiert schlimmere Folgen. Im ersten Schritt kommen zur Behandlung der Schmerzen Salben oder Kortison- oder Rheuma-Spritzen zum Einsatz.

 

Ein konsequentes Schonen der Hand kann bei einer akuten Sehnenscheidenentzündung gegensteuern, raten die Mediziner. Das gelingt zuallererst, indem man es rechtzeitig mit Abwechslung versucht: Auch die andere Hand sollte immer wieder mal bei der Bedienung des Handys eingesetzt werden. Anfangs fühlt es sich meist unbequem an, aber mit etwas Training wird es.

Man muss bedenken: Falls es ganz schlecht läuft, muss die andere Hand ohnehin in den Einsatz. Denn dann wird die Schreibhand komplett "ruhiggestellt".

Oder man versucht, die Sache mit ein paar Übungen in den Griff zu bekommen. Hier wird eine kleine kleine Strecke gezeigt. Einen Effekt erzielt allerdings nur, wer täglich konsequent dranbleibt.

Falls jemand den Bogen völlig überspannt und sich eine chronische Sehnenscheidenentzündung einhandelt, bleibt als letzter Ausweg nur die Operation. Zum Trost: Sie wird ambulant durchgeführt, die Hand ist sofort wieder einsatzbereit und Silvio Berlusconi hat das auch schon gehabt...

Die neue Abhängigkeit

Vor was hat uns das Bundesministerium für Gesundheit im Drogenbericht nicht alles gewarnt. Zuletzt war es das Glücksspiel, das alle anderen "haushaltsüblichen" Drogen wie Alkohol oder Nikotin auf die Plätze verwiesen hat. Doch auch

"Wie viel ist zu viel?", fragen sich nicht nur Eltern, die den Handy-Konsum ihrer Kinder reglementieren möchten. Auch (junge) Erwachsene müssen sich die Frage inzwischen selbst stellen. Oder Berufstätige, die ihr Phone längst in "Stressberry" umbenannt haben. Abschließend beantworten auch die Forscher einer Studie an der Uni Bonn die Frage nach dem Zuviel nicht, aber ihre Ergebnisse sind eindeutig: Alle zwölf Minuten beschäftigten sich ihre Studienteilnehmer mit ihrem Handy. Anders ausgedrückt. Rund 80 Mal am Tag "nutzen" sie das Handy. und das, so die Forschungsergebnisse, insgesamt durchschnittlich bis zu zwei Stunden lang.

Hallo Mama! Ich bin's!

Allerdings: Zum Telefonieren holt es kaum mehr wer aus der Tasche. Nur acht Minuten lang wird das Handy mit seiner ursprünglichsten Funktion genutzt - der fernmündlichen Kommunikation. Und auch 2,8 SMS pro Tag sind nicht das, was Zeit raubt und süchtig macht.

"Mehr als die Hälfte der Zeit nutzten die Probanden Messenger oder tummelten sich in Sozialen Netzwerken", heißt es in der Studie. Insbesondere die Klassiker What'sAp und Facebook beanspruchen die Nutzer so stark, dass sie rund 25 Prozent ihrer mit dem Handy verbrachten Zeit alleine dafür aufwenden.

Und gespielt wird auch: Das vereinnahmt durchschnittlich 13 Prozent der Handy-Zeit - wobei einige der Studienteilnehmer mehrere Stunden "zockten".

Bunt, flackernd, schrill

Übrigens: Die Handy-Abhängigkeit ist natürlich nicht offiziell anerkannt. Noch nicht, vielleicht, denn die Forscher sehen eine deutliche Ähnlichkeit mit der Glückspielautomaten-Sucht.

Wer sich kontrollieren möchte, um eine Sucht zu diagnostizieren oder ihr vorzubeugen, muss sich nicht mehr auf seine - meist trügerische - Selbsteinschätzung verlassen. Die Forscher haben die Kontroll-App "Menthal" entwickelt. Wer Mut zur Wahrheit hat, kann sie kostenlos im Google Playstore herunterladen.

Myrtis, am 15.01.2014
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